Samstag, 21. Dezember 2013

♀☺ Stella Menzel und der goldene Faden (Holly-Jane Rahlens) [Rezension]


Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
Stella Alisa Menzel besitzt eine verzauberte Decke. Verzaubert nicht im Sinne von magisch, denn so etwas wie Zauberer gibt es nicht. Dennoch besitzt diese Decke einen ganz eigenen Zauber – nämlich die Geschichte von Generationen der Familie. Und da Stella Teil dieser Familie ist, trägt auch sie ihren Anteil an dieser Geschichte.
Ich gebe zu, ich wusste nicht so recht, was mit diesem Buch auf mich zukommt. Der Klappentext, sowie jetzt auch meine Inhaltsangabe, erzählen von einer verzauberten Decke, dennoch ist es eine „reale“ Geschichte, die so tiefgründig ist, dass ich während dem Lesen stets dachte „es ist KEIN Buch für die angepeilte Altersgruppe ab 9“.

Denn Stellas Großmutter erzählt Stella die Geschichte ihrer Kuscheldecke, die sie liebevoll „Schneestern“ getauft hat, weil unzählige silberfarbene Schneeflocken und Sterne eingestickt sind. Und diese Geschichte hat es in sich. Als Wandbehang 1919 von einer Mutter als Geschenk an die Tochter gefertigt, die zur Zeit des Krieges einen besseren Platz in Berlin an der Seite eines jungen Mannes gefunden hat. Ein Abschiedsgeschenk, obwohl die Geschichte des blauen edlen Stoffes dann erst beginnt, Jahre später dieses Stück Stoff einen weiteren Krieg erlebt, eine Flucht vor den Nazis nach New York, dann später eine Rückkehr.

Dieses Kriegsthema stieß mir im ersten Moment wirklich bitter auf und ich war mir sicher, dass es kein Buch für 9-jährige ist. Nun das große Aber: Stellas Geschichte oder besser gesagt die Geschichte des blauen Wandbehangs hat weit mehr zu bieten als diese „Geschichtsstunde“. Denn mit jeder Reise, jeder Weitergabe an eine neue Generation, veränderte sich das Stück Stoff. Aus dem Wandbehang wurde ein Vorhang im Kinderzimmer. Die Sterne vor dem Fenster gehören zu den wichtigsten Kindheitserinnerungen von Josephine, Stellas Großmutter.
Aus dem Vorhang wurde später eine Tischdecke, wieder später ein Klaviermantel, der für Stellas Mutter Isabel zu einem verhassten Stück Stoff wurde, da sie in Sachen Musik nur wenig talentiert war. Daher ist es kein Wunder, dass Isabel etwas dagegen hat, als Josephine Stella die „zerlumpte“ Decke schenkt. Als es dann zu einem Unglück mit Hunden kam, die das zarte Stück Stoff in Stücke reißen, wandelt sich „Schneestern“ weiter, passt sich Stella an, prägt ihre Lebensgeschichte, während das, was von ihm übrig ist, kleiner und kleiner wird.

Es ist so schwer zu beschreiben, wie ergreifend diese Geschichte ist, was sie alles beinhaltet, wie tiefgründig diese Familienchronik ist. Wie Generationen diesen Schatz verwahrt und verändert haben, wie die Personen, von denen Großmutter Josephine erzählt, älter und vielleicht krank werden, wie das Stück Stoff in irgendeiner Form immer dabei war, bei Festen, bei Krankenhausbesuchen, bei Beerdigungen.

Die Erzählung von Stellas Großmutter endet zwar in Stellas Gegenwart, der Leser jedoch erlebt seine Geschichte weiter und weiter, wie der ehemalige Wandbehang kleiner und kleiner wird. Erlebt, wie Stella vom Kindergartenkind mit der Kuscheldecke zu einem Teenager wird, wie sich die Freundschaft zu ihrem Kindergartenfreund Mats währenddessen verändert, wie Eifersucht und andere Emotionen ins Spiel kommen, wie die Mutter die Geschichte des Stoffes auch noch zu schätzen lernt und all das in einem wirklich so genialen Ende zusammenfindet, dass man vor Freude am liebsten weinen möchte.

Gesondert muss die wirklich außergewöhnliche, wunderwunderschöne Gestaltung des Buches erwähnt werden. Neben zahlreichen Farbillustrationen, die die Geschichte untermalen, findet man auf JEDER Seite den silbernen und den goldenen Faden wieder. Doch nicht nur hier kommt Farbe ins Spiel: Die Erzählung von Großmutter Josephine sind in dunklem Blau gedruckt, die Gegenwart, Stellas Geschichte, in Schwarz. Auch die äußere Aufmachung und das goldene Lesebändchen sind ein großes Lob wert – auch wenn mir erst mit dem Ende der Geschichte die Augen geöffnet wurden…

Mit „Stella Menzel und der goldene Faden“ erzählt Holly-Jane Rahlens auf wirklich außergewöhnliche Weise die Geschichte von Generationen, flechtet nebenbei die Weltgeschichte ein und beschreibt große Emotionen.
Meine ersten Vorbehalte, dieses Buch könnte nichts für die empfohlene Altersgruppe ab 9 sein, lösten sich schnell. „Stella Menzel“ ist absolut für dieses Alter geeignet, überfordert nicht und erzählt eine wunderschöne Geschichte. Jungleser werden jedoch nie DIESE Tiefgründigkeit erfahren, die ich als Erwachsene zwischen den Zeilen lese. Meine Empfehlung daher: Schenkt das Buch euren Kindern und lasst es euch nicht nehmen, es selbst zu lesen.

Volle 5 Bücher für Stella und ihren goldenen Faden.



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Kommentare:

  1. Ich fand das Buch ganz wundervoll!
    Alles Liebe und schöne Weihnachtstage

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    1. Du sagst es: wundervoll und einfach wunderwunderschön... <3

      Dir auch schöne Feiertage!!! <3

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  2. Deine Rezension ist genauso wundervoll wie dieses Buch!
    LG
    Yvonne

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    1. Ooooh, vielen Dank <3
      Es war soooooo schwer, zu erzählen, warum und wieso... Stella verdient diese vielen vielen VIELEN 5-Sterne <3

      Liebe Grüße

      Steffi

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  3. Sind ergreifende Bücher nicht einfach wundervoll? Du solltest öfters danach greifen! ;)

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    1. wenn sie diese Emotionalität und Verbundenheit zu ihnen auf 160 Seiten transportieren können, gerne... Lies mal solche Probe - ich freue mich auf die Rezi ;-)

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  4. Wunderschöne Rezension Süße <3

    Ich habe dir ja schon erzählt, dass ich dank der Lesung von Holly-Jane auf der Buchmesse schon das Gefühl habe, das ganze Buch zu kennen, vielleicht werde ich es aber trotzdem noch irgendwann lesen. Die Aufmachung ist auf jeden Fall etwas ganz besonderes <3

    Viele Küsse

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    1. Und wie viel Sinn dahinter steckt <3 Grandios! :-)

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  5. Also das lege ich mir auf jeden Fall noch zu. Ich war schon auf der Messe ganz vernarrt in die Autorin und das Buch. <3 Jetzt wo du auch noch so begeistert bist MUSS das einfach einziehen. Ich ärgere mich nur echt, dass ich es nicht gleich mitgenommen habe. :(
    Eine wirklich tolle Rezension und ich stimme Jan mal zu. :P Auch wenn es mir schwer fällt. xD

    Küsschen Becca

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    1. Wenn du dann das letzte Kapitel liest wirst du um ein lautes Seufzen auch nicht herumkommen <3 Hach, wie wunderschön. Aber für mich reicht diese Emotionalität - auf zu vielen Seiten muss ich das nicht haben :-)

      Küsschen zurück <3

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Steffi & Kay