Dienstag, 17. Dezember 2013

♂ Korona (Thomas Thiemeyer) [Rezension]

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„Wenn man den Menschen Angst macht oder sie einsperrt, kann man sie dazu bringen, alles zu tun.“
(S.68)

„Die Berge wirkten, als stünden sie in einer anderen Welt – in einer anderen Zeit. Es kam ihm vor, als liefen sie über den Rücken eines atmenden, fühlenden Wesens.“
(S.109)

„Rauchschwaden stiegen aus den Opferschalen und verwirbelten im Luftzug, der sich seinen Weg durch die Ritzen des Gebäudes suchte. Geisterhafte Schwaden erfüllten den Raum.“
(S.234)
Seit dem Verschwinden von William Burke leitet Amy das Forscherteam im Virunga-Nationalpark in Ostafrika. Sie hat sich dem Schutz und der Erhaltung der letzten verbliebenen Berggorillas verschrieben. Und nun soll sie ausgerechnet Ray Cox, einen ehemaligen Häftling, in ihr Team aufnehmen. Amy ist skeptisch.

Anfangs läuft alles gut mit dem neuen Teammitglied. Ray ist ein bisschen sonderbar, ordnet sich jedoch problemlos in das Campleben ein. Doch kann man ihm wirklich trauen? Welche Ziele verfolgt er wirklich? Als Amy erste Hinweise über Rays Absichten erhält, steigt ihr Misstrauen. Aber Ray scheint einflussreiche Fürsprecher zu haben.

Amy führt ein Team, dem auch Ray angehört, ins Ruwenzori-Gebirge, um nach dem vermissten William Burke zu suchen. Von den seit Jahrzehnten stärksten Sonnenstürmen, die sich ausgerechnet dort am intensivsten auswirken würden, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Plötzlich stecken sie in einem Kampf ums Überleben, wie sie es sich nie ausgemalt hätten... 
Wie ich bisher festgestellt habe, darf man ein Buch von Thomas Thiemeyer nicht allzu lange liegen lassen. Seine Jugendbücher, die ich bisher gelesen habe, hatten mich bisher immer sehr gefesselt und strotzten vor Ideenreichtum. Ob es bei „Korona“ wohl ebenso sein würde? Neugierig wie bin, habe ich das Buch also zur Hand genommen, kaum dass es auch nur das kleinste Staubkörnchen im Regal ansetzen konnte.

Wie von Thomas Thiemeyer nicht anders gewohnt, führte er mich von Beginn an gekonnt in seine Geschichte ein und nahm sich Zeit für die Vorstellung seiner Charaktere. Ich fühlte mich deshalb auch gleich in der Handlung gut aufgehoben und in die Gemeinschaft im Camp aufgenommen. Nach und nach erfuhr ich, wie das Leben im Forschungscamp strukturiert ist und die sozialen Interaktionen funktionieren.

Afrika war für mich immer ein sehr geheimnisvoller Kontinent. Magie und Aberglauben bestimmen das Leben der Menschen schon von Beginn an. Ich konnte den Puls Afrikas und seine Magie förmlich zwischen den Seiten spüren. Nach einem eher ruhigen Einstieg in die Geschichte, trieb mich dieses Gefühl mehr und mehr an, bis die Seiten fast nicht schnell genug umgeblättert werden konnten. Den Sog des Unvorstellbaren nicht unterschätzend erlebte ich an der Seite der Charaktere Abenteuer um Abenteuer, hielt die Luft an und hoffte immer auf einen guten Ausgang. Doch nicht immer hatte Thomas Thiemeyer Mitleid mit den handelnden Personen. Doch genau davon lebt die Geschichte und wird, trotz des hohen Fantasy-Anteils, glaubwürdiger.

Seine Charaktere beschreibt der Autor gewohnt vorstellbar, ohne zu viel von ihnen zu verraten, um so der eigenen Vorstellung Raum zu lassen.

Amy ist eine Frau, die bisher alle Hürden in ihrem Leben gemeistert hat. Mehr noch. Sie leitet ein wichtiges Forschungsteam und trifft die richtigen Entscheidungen. Doch auch einer wirklich starken Frau wächst irgendwann die große Aufgabe über den Kopf. Dass sie schwache Momente hat, konnte ich auf jeden Fall absolut nachvollziehen und genau das machte Amy in meinen Augen auch glaubwürdiger, menschlicher. Amy hat ihre starken Momente, den notwendigen Ausgleich hierzu nimmt sie sich immer wieder, wenn niemand es beobachten kann. Außer Ray, dem sie grundsätzlich misstrauisch gegenübersteht, auf dessen Unterstützung sie dennoch zunehmend angewiesen ist. Eine verzwickte Situation für die Leiterin dieser wichtigen Mission.

Ray ist nicht immer sofort zu durchschauen. Er hat seine Geheimnisse. Auch wenn ich seine wahren Absichten recht schnell absehen konnte, entwickelt er sich dennoch zu einer Schlüsselfigur in der Geschichte. Letztendlich treibt er die Handlung immer wieder voran und sorgt dafür, dass es keinen Stillstand gibt. Ray beweist Mut und Kampfgeist, hilft in Situationen, die ausweglos erscheinen. Er gewinnt nicht immer, aber Ray gibt nicht auf. Ray hat ein wichtiges Ziel. Doch was bedeutet ihm dieses Ziel? Ist er bereit, alles dafür zu opfern?

Herr Thiemeyer bietet seine Geschichte in Vergangenheitsform aus wechselnden Perspektiven dar. Die eingebaute wörtliche Rede unterstützt die Handlung und steuerte zur Glaubwürdigkeit bei. Die Idee des Plots ist auf jeden Fall richtig gut, Thriller- und Fantasy-Elemente wurden gut miteinander verquickt, wobei die Handlung fortnehmend eine Komplexität bekommen hat, die mich richtig gefordert hat. Natürlich nehme ich jederzeit solche Herausforderungen an; dennoch war mir der Anteil am Fantastischen dann doch zeitweise etwas hoch, insbesondere, weil ich anhand des Klappentextes von einer „realen“ Geschichte ausgegangen bin. Gut daran fand ich jedoch, dass beide dargestellten Welten mehr oder weniger eine Einheit bilden, um allseits bekannte reale Geschehen und Vorkommnisse plausibel zu erklären.
Die eingebaute Lovestory, die eigentlich auch gar keine war, trug aus meiner Sicht nicht unbedingt dem Vorankommen der Handlung bei. Akzeptieren konnte ich diese trotzdem, da sie nicht in den Vordergrund gerückt wurde und in die Szenerie nur am Rande eingriff.

Insgesamt konnte ich mit „Korona“ ein anderes Werk von Thomas Thiemeyer genießen, das nicht meiner bisher von ihm bevorzugten Jugendbuchecke entsprach. Doch auch hier war ich, von wirklich kleinen Unebenheiten, sehr angetan von seinen Ideen und deren Umsetzung. Wieder einmal möchte ich mich bei dem Autor für diesen schönen Lesegenuss bedanken.
„Korona“ ist auf jeden Fall eine Geschichte, die man nicht übersehen darf. Neben einer spannenden Handlung weist der Autor auf aktuell bestehende Probleme unserer Welt hin. Für diesen wirklich schönen Lesegenuss vergebe ich an dieser Stelle solide 4 Bücher.

Für alle Abenteurer, die sich von unüberwindbaren Hürden nicht aufhalten lassen, das Unvorstellbare akzeptieren können und fantastische Entwicklungen lieben. Für Fans des Autors ein Must-Read!  



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Kommentare:

  1. Ich habe bisher ja leider noch nichts von dem Autor gelesen, aber wenn ich deine Begeisterung sehe, muss ich das wohl ganz dringend mal nachholen :-)

    LG Michaela

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    1. Hallo Michaela,

      du hast von Thomas Thiemeyer noch nichts gelesen? Das musst du auf jeden Fall ganz schnell nachholen! Die Eden-Trilogie kann ich auf jeden Fall empfehlen :-)

      LG

      Kay

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  2. Du scheinst ja wirklich begeistert zu sein :) Ich muss zugeben, dass das Buch mich auf den ersten Blick überhaupt nicht angesprochen hat, aber ich glaube, ich behalte es zumindest mal im Hinterkopf, wenn du es so gut fandest :) Allerdings habe ich ja immer noch nicht "Das verbotene Eden" gelesen, das lese ich zuerst :)

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  3. Hallo Binzi,

    das ist ein guter Plan :-) Die Bücher von Thomas Thiemeyer entwickeln bei mir immer einen Lesesog...Ich kann seine Bücher echt empfehlen!

    LG

    Kay

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  4. Das mit dem Lesesog kenne ich...
    Hab in diesem Jahr alle Bücher von T.Thiemeyer verschlungen, bis auf Korona und Nebra.:-D

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  5. Hallo Sabrina,

    der Schreibstil des Autors ist einfach nur fesselnd! Seine Bücher muss man lieben :-)

    LG, Kay

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  6. Das Buch liegt bei mir noch auf dem SuB, ich freu mich schon drauf :)

    GLG, A. Weltenwanderer

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  7. ...darauf kannst du dich wirklich freuen! Viel Spaß dann mit der Geschichte :-)

    LG

    Kay

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Steffi & Kay