Montag, 9. Dezember 2013

♀ Edelherb (Gabrielle Zevin) [Rezension]

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„Von Kipling & Sons hatte man einen Blick auf den Madison Square Park. Nach Einbruch der Dunkelheit trieben sich dort die Schokoladendealer herum. Als ich klein war, hatte mein Vater mich dorthin mitgenommen. […] Damals hatte ich auf der Welt nichts lieber gemocht als Schokolade, es war die Zeit, bevor sie mein Leben zerstörte und mir alle nahm, die ich liebte.“
(S. 77)
Nur ein kurzer Moment Unachtsamkeit nach ihrer Rückkehr aus der Liberty Erziehungsanstalt. Nach einem endlosen Kampf um die Aufnahme an einer Schule. Nach einer anonymen Spende mit der Bitte, Anya solle wieder an der Trinity aufgenommen werden.
Eine winzige Unaufmerksamkeit, eine unbedachte freundschaftliche Geste, bringt Anya schneller zurück in Haft, als sie es realisieren kann. Doch es gibt Menschen mit einer wichtigen Mission, die diese von nichts und niemandem zerstören lassen wollen. Und es gibt welche, die sich nicht zu schade dafür sind, Anya etwas anzutun – sogar innerhalb der Zäune von Liberty.

Anya muss fliehen. Raus aus Liberty, raus aus New York, raus aus Amerika. Weg von allem, das sie jemals gekannt hat. Hinein in eine unglaubliche Welt voller Verbotenem.
Auch wenn ich von dem Trilogie-Auftakt „Bitterzart“ nicht vollkommen überzeugt war, war ich doch so neugierig, dass ich zur Fortsetzung greifen musste.

Gleich zu Beginn bekommt der Leser ein „Geheimrezept“ vorgesetzt, dessen Hintergrund er jedoch erst später erfährt. Kurz darauf war ich wieder vollkommen in Anyas Leben integriert. Der Einstieg ging leicht vonstatten, Anya wird aus der Anstalt Liberty entlassen – quasi als Musterhäftling. Um ihre Geschwister zu schützen, hat sie sich an das gehalten, was Charles Delacroix verlangt hat. Und scheinbar hat sie in Mrs. Cobrawick, der Anstaltsleiterin, trotz aller Widrigkeiten eine kleine Unterstützung gefunden. Ebenso in „Mouse“, die bald entlassen werden soll und um Anyas Hilfe bei der „Jobsuche“ bittet.

Frisch zuhause trifft Anya auf Gable, der schwierig ist wie eh und je, und auf Scarlet, die nach wie vor zu Gable hält. Win Delacroix ist nun ebenfalls vergeben – auch wenn Anyas erste Begegnung gar nicht danach aussieht.
Darum kann sich Anya jedoch nicht kümmern. Cousin Jack warnt sie mit einem Anruf aus dem Gefängnis, dass sie und ihre Geschwister in großer Gefahr sind. Nur eine Lüge, um besser dazustehen, oder sagt er die Wahrheit?

Anya ist auf der Suche nach einer neuen Schule, nachdem Trinity sie wegen Waffenbesitzes ausgeschlossen hat. Mit Anyas Vergangenheit und verwandtschaftlichem Hintergrund ist dies jedoch leichter gesagt als getan. Anya hatte sich so sehr mit Trinity identifiziert, dass sie sich nun allein und verloren vorkommt. Durch „höhere Fügung“ kehrt sich dorthin zurück, was jedoch alles Teil eines intriganten Machtspiels ist, in dessen Mittelpunkt Anya steht.

Sofort springt einem dieser sehr spezielle Schreibstil von Gabrielle Zevin ins Auge. Wiederum überkam mich das Gefühl, ein Tagebuch zu lesen, die Memoiren von Anya Bananchine.
Mit all seinen Aufzählungen, hinzugefügten Erklärungen und indirekten Ansprachen des vermeintlichen Lesers habe ich mich gefühlt, als würde Anya nur mir erzählen.

In diesem Fortsetzungsband war mir die Protagonistin Anya wesentlich sympathischer. Auch wenn sie die teils sehr naiven Züge aus Band 1 nicht wirklich abgelegt hat, wirkt sie oft besonnener. Der Aufenthalt in Trinity und die Entscheidungen, die sie treffen musste, haben sie reifen lassen. Die Entwicklung schreitet zügig voran, als sie eine ganz andere Welt als die ihre kennenlernt.

Die Autorin konnte mich mit diesem schokoladigen Einblick biologischer und politischer Natur wirklich begeistern. Wenngleich es nicht so klingen mag, war das Leben auf der Kakao-Plantage eine durchweg interessante Zeit, die wichtig für Anyas Entwicklung und ihre weiteren Pläne war. Der Leser erfährt Hintergründe des „Horrorszenarios“ einer schokoladenlosen Zeit, Anya hingegen lernte neue Freunde kennen und das Wesentlichste überhaupt: Das ein Mädchen wie sie sich niemals von der Schokolade trennen kann.

Ganz in wahrer Mafia-Manier gibt es in „Edelherb“ zahlreiche Intrigen, Bestechungen, Mordanschläge und Geheimnisse aufzudecken. Die Spannung ist nur selten auf einem hohen Niveau, was den Lesefluss aber kaum stört. Auch kurze Durchhänger sind so leicht zu überbrücken. Mit ihren ganzen Verstrickungen konnte mich die Autorin ein ums andere Mal überraschen. Doch auch den Charakteren selbst ist es gelungen, durch ihren Hintergrund für unvorhergesehene Wendungen zu sorgen.

Das Ende bietet einen kleinen Ausblick auf die Zukunft, an der Anya und ihre Freunde aber noch einiges zu arbeiten haben.
In der Fortsetzung „Edelherb“ liegt der Fokus nun wirklich mehr auf der Schokolade und ihrem Verbot, der Leser bekommt mehr Details und Hintergründe und wird durchaus überrascht. Entsprechend dem Mafia-Klischee strotzt diese Fortsetzung von familiären Intrigen, politischen Machtspielen, Bestechung und Verbrechen. Mich persönlich konnte „Edelherb“ mehr überzeugen als sein Vorgänger, was ich mit 4 Riegel Balanchine exta herb Büchern belohne.

Ein Muss für alle, die Band 1 bereits begeistern konnte. Doch auch Zweifler wie ich könnten durchaus überzeugt werden, solltet ihr mit meinen Kritikpunkten übereingestimmt haben. Die Fortsetzung ist eine klare Steigerung.
1. Bitterzart (Rezension)
2. Edelherb
3. Originaltitel: In the Age of Love and Chocolate



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Kommentare:

  1. Mir hat "Bitterzart" ja schon sehr gut gefallen, nur hat mir da noch ein bisschen die Schokolade gefehlt :) Die kam ja jetzt in "Edelherb" doch häufiger vor, da musste ich das Buch einfach mögen! Wie immer eine sehr schöne Rezension!

    Liebe Grüße,
    Livi ♥

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  2. Der zweite Teil war wirklich Schokolade satt :-)
    Jetzt können wir gespannt sein, wie es sich entwickelt...

    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche

    Steffi

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  3. Ahhh, ich muss mir "Bitterzart" jetzt endlich mal kaufen :) Schon die Cover der Bücher find ich richtig toll.

    LG

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    1. Sie sind definitiv etwas ganz anderes... Im Gegensatz zum Original :-)

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Steffi & Kay