Mittwoch, 11. September 2013

♀ Himmelsfern (Jennifer Benkau) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„All seine kryptischen Andeutungen, seine Versprechungen, mir eine Erklärung zu liefern, um mich dann ratloser zurückzulassen als zuvor – all das sollte mir in höchstem Maße auf die Nerven gehen. Fakt war allerdings, dass ich das Rätselraten in gewisser Weise genoss, damit hatte Marlon recht gehabt. In meiner Fantasie trudelten die absurdesten Ideen durcheinander. Vampire, Engel, Aliens… all diese Spinnereien schlängelten sich in einer kribbelnden Spirale meine Wirbelsäule hoch und runter.“
(S. 174)
Noas Leben ist abgesehen von ihrem Hobby, dem Tanz mit dem brennenden Poi, eigentlich ganz normal. An diesem einen Tag, als sie die U-Bahn betreten will, hört sie eine Stimme, die sie vor dem Einsteigen warnt. Sie hadert kurz mit sich, sieht, wie andere Umkehren und flüchten. Noa steigt trotz aller Vorwarnungen ein.
Die U-Bahn entgleist. Es gibt einen Toten. Noa hatte Glück, dass dieser blonde Mann auf sie gefallen ist.
Kann es sein, dass er ein Schutzengel ist? Im Krankenhaus ist der Blonde plötzlich verschwunden.

Nach ihrer Entlassung beginnt Noa zu forschen – mit Erfolg. Als sie den mysteriösen Retter aufsuchen will, wird sie gekidnappt und ihr Leben soll sich für immer verändern.
Ein neues Buch von Jennifer Benkau und eine düstere wie mysteriöse Inhaltsangabe… Klar war dies ein absolutes Must-Read für mich! Und so stürzte ich mich in das außen so rosafarbene und unter dem Schutzumschlag so düster-schwarze Buch.

Das Intro zeigt eine kurze Szene über eine wichtige Entscheidung, eine lebensverändernde Entscheidung, und schürt sofort das Bedürfnis, mehr zu erfahren.

In dem darauffolgenden Einstieg in die Geschichte, der 1. Lektion, wie Frau Benkau ihre Kapitel in diesem Buch nennt, lernte ich die Protagonistin Noa kennen und begleitete sie bei eben jenem wichtigen Ereignis: einem U-Bahn-Unglück.
Ein Unglück, das für sie hätte vermieden werden können, hätte sie dieser Stimme in ihrem Kopf mehr Beachtung geschenkt.
Beim Entgleisen der U-Bahn fiel ein Mann auf Noa, der ihr vielleicht das Leben gerettet hat. In seinem Rücken steckte ein Plastikteil – im Krankenhaus ist ihr mysteriöser Retter aber verschwunden.

Der Suche nach ihm hat sie es zu verdanken, dass sie – unter den schlimmsten Umständen – auf Marlon trifft. Und diese Begegnung entwickelt sich ganz anders, als man im ersten Moment annehmen sollte.

Noa hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie erzählt ihre Lebensgeschichte in der Ich-Perspektive in Vergangenheit. Die bereits erwähnten „Lektionen“ führen durch eine ganze Spanne ihres Lebens, von zahlreichen Hochs und Tiefs geprägt.
Noa selbst ist bodenständig und „normal“, lebt mit ihrem Vater allein, nachdem die Mutter die Familie nach einer tragischen Begebenheit verlassen hat. Noa liebt das Spiel mit dem Feuer. Ihr Hobby, der Tanz mit dem Poi, ist alles andere als normal. Durch ihn hat Noa aber ihre Lebensweisheit gewonnen: Wer sich einmal verbrannt hat, muss schnell wieder weitermachen. Das Spiel mit dem Feuer wird von der Autorin oftmals in Verbindung mit anderen Gefahren verwendet.

Mit Noa hat Jennifer Benkau einen mehr als tiefgründigen Charakter erschaffen. Vielschichtigkeit ist gar kein Ausdruck mehr. Schon recht früh lernt der Leser zahlreiche Facetten an ihr kennen, wie ihr außergewöhnliches Hobby, ihre (freundschaftlichen) Beziehungen, ihre empfindsame Art, ihren toten Bruder und die Beziehung zu ihrer Mutter.
Dies führte dazu, dass ich schon ein immens großes Bild von ihr hatte, als sie auf Marlon traf, der dann ihr gesamtes Leben umkrempelte und alles andere wieder in den Schatten zwang. So entstand und entwickelte sich eine zweite Noa, die nur kurzfristig Bezug zu ihrem alten Leben nimmt. Denn ein gewisses Geheimnis ist nur für sie bestimmt und muss gehütet werden – egal mit welchen Konsequenzen.

Über Marlon selbst will ich nicht allzu viel verraten. Er hat mir als „Typ“ sehr gut gefallen, war ebenfalls gut ausgestaltet und seine Art mochte ich auf Anhieb. Seine düstere Seite, das mysteriöse an seinen Taten, machte mich fast verrückt. Er war so schwer zuzuordnen: Entführer, Retter, Stalker, allwissend, geheimnisvoll, auf der Flucht… Noa selbst war ebenso planlos wie ich, aber ihre Großmutter scheint klarer zu sehen, als manch einer vermuten mag.

Lange hatte ich kein Buch mehr, in dem ich so lange Zeit nicht wusste, mit was ich es zu tun habe. Ich hatte Ideen, ja, aber genauso oft manipulierte mich Jennifer Benkau wieder und ich war mir niemals sicher. Ebenso mit der Frage, wer zu den Guten oder den Bösen gehört.

Der Schreibstil der Autorin war gewohnt atmosphärisch und stimmungsvoll, für meinen Geschmack zeitweise aber zu ausschweifend und detailliert. So spürte ich des Öfteren kleine Längen, hatte das Gefühl, dass die Handlung durch Nebensächlichkeiten nicht vorankommt. Mit Noas Sprüchen kam ich ebenfalls nicht immer klar. Ihr Sarkasmus und ihre humorvolle Art wirkten auf mich teilweise zu gewollt.

Als die Geschichte dann nach der Offenbarung an Fahrt gewonnen hat, fiel mir dies aber nicht mehr auf. Ich konnte kaum pausieren, fieberte mit Noa und Marlon, litt mit ihnen und gab mich nicht immer ganz jugendfreien Gefühlen hin. Somit konnte mich Jennifer Benkau bis zum Ende an ihr Buch fesseln und mit tiefen Emotionen zurücklassen.
Meine Erwartungen an „Himmelsfern“ waren sehr hoch. Jennifer Benkau lieferte mir eine Geschichte, die mich mitreißen und überraschen konnte. So lange hat mich kein Buch mehr auf die Offenbarung des „Geheimnisses“ warten lassen. Die stimmungsvolle, düster bis melancholische Atmosphäre des Buches reißt den Leser mit und lässt über die kleinere Längen hinwegsehen. Bis zum Ende fieberte ich mit der Protagonistin Noa, ehe ich „Himmelsfern“ mit jeder Menge durchlebter Gefühle zuklappen konnte. Himmlische 4 Bücher für Noa und Marlon.

Ein Muss für Fans großer Geheimnisse, die überrascht und mitgerissen werden wollen. Wer die Atmosphäre in Jennifer Benkaus Büchern mag, sollte sofort zugreifen und mit Noa auf die Suche nach dem Geheimnis um den mysteriösen Marlon gehen.


Die Rezension zum Prequel "Himmelsnah" gibt es hier.


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Kommentare:

  1. Halli hallo

    Ich will es, ich will es...
    Würde doch von der Atmosphäre super zum momentanen Wetter passen!!
    Ja die lieben Erwartungen...
    Sehr schöne Rezi, die Lust auf das Buch macht!
    Liebe Grüsse
    Bea

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    1. Vor der hohen Erwartung kann man sich nach den genialen Büchern davor kaum schützen... :-(
      Mit dem Wetter hast du recht - das wirkt dann sicher gleich noch eine Portion bedrückender :'(

      Schnell am Gewinnspiel teilnehmen!

      lg
      Steffi

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  2. Huhu,

    eine schöne Rezi, das Buch darf jetzt auf meine WuLi wandern. :D

    Glg
    Micha

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  3. Ich fand das Buch auch unglaublich toll, es war so geheimnisvoll. *-* Die Atmosphäre war einfach mal genial. :)
    Schöne Rezension!

    LG
    Binzi

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    1. Die Atmosphäre war wirklich gigantisch! Und dann dieses Ende <3

      Liebe Grüße

      Steffi

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  4. Huhu Steffi,
    hab ich nichts mehr hinzuzufügen, aber das weißt du ja schon :-) Schließlich haben wir das Buch fast zeitgleich gelesen *zwinka*. War eine tolle und arbeitsreiche Tour, aber auf jeden Fall perfekt!
    Drück!
    Damaris

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    1. Kann dir nur zustimmen! Tolle Diskussionen und ein fantastisches virtuelles Beisammen-Sein ;-)

      Drück dich zurück!

      lg
      Steffi

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  5. Ich bin sooooo gespannt auf Himmelsfern, auch wenn ich ja etwas "Angst" vor den Längen habe. Es klingt auf jeden Fall schön mysteriös und das liebe ich ja, und natürlich auch Jennifer Benkaus Schreibstil <3

    tolle Rezi Süße, ganz viele Küsschen

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  6. Was den Schreibstil angeht, sind wir uns ja alle einig :-)
    Ganz viel Spaß mit 'Himmelsfern' <3

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  7. Meeensch seit ich Sam Sung habe, kann ich bei euch nur noch mit PC kommentieren und da hock ich selten dran. :(
    Du hast es sehr treffend und toll beschrieben!!! <3 Ich fand die v1. Hälfte allerdings besser und du die 2. xD

    Trotzdem ist und bleibt Jennifer Benkau ein Schreibgenie und du hast recht, es war sehr atmosphärisch. :)

    Küsschen und Grüßchen Becca :*

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    1. Das kann nicht kommentieren und whatsapp schmeißt dich immer aus der Gruppe...
      Zeit für ein iPhone Plädoyer ;-)

      Die Atmosphäre ist ungeschlagen, einfach genial <3

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  8. Halli hallo

    So gestern habe ich " Himmelsfern " beendet und ich würde dem Buch auch vier Sterne geben.
    Für mich hatte es teilweise auch ein paar Längen, die aber wegen des grandiosen Schreibstils
    " auszuhalten" waren.
    Trotzdem hielt ich es manchmal fast nicht aus und dachte " ahhh, jetzt mach doch vorwärts liebe Jenny!!"

    Jaa das mit dem Gut und Böse hat sie gut gemacht, vor allem am Anfang hat sie mich doch sehr an der Nase herumgeführt!
    Was mir nicht so gefallen hat war die Sache mit den Steinen und der Mutter von Olli, dass war mir ein bisschen zu "fantastisch"

    Und tschüss
    Bea

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    1. Das war auch ein bisschen "too much", das stimmt...
      Finde ich toll, dass du alles genauso gesehen hast wie ich - und über den grandiosen Schreibstil brauchen wir ja nichts zu sagen <3

      glg
      Steffi

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  9. Himmelsfern ist mein Weihnachtswunsch, weil ich bisher sehr viel Gutes über Jennifer Benkau gehört habe, aber bisher noch nicht dazu gekommen bin etwas von ihr zu lesen. Das würde ich gern nachholen und ein Einzelband eignet sich dafür bestimmt besonders gut.

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Liebe Grüße

Steffi & Kay