Dienstag, 3. September 2013

♀ Der Kuss der Göttin (Aprilynne Pike) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Ich sehe ihr Gesicht. Dieses Gesicht, an das ich mich fast länger als an mein eigenes erinnern kann. Ich hätte gedacht, ich sei endlich von diesem Gesicht befreit.
Nur dass ich jetzt niemals frei sein kann. Ich brauche sie. Wir brauchen sie.“
(S. 7)
Tavia überlebt als Einzige von 256 Passagieren einen Flugzeugabsturz. Ihr Sitz in der Kabine blieb allen Regeln der Physik zuwider verschont, als wäre er nicht Teil des Unfalls gewesen.

In ihrem neuen Leben, bei ihrem Onkel und dessen Frau, Monate nach dem Absturz, sieht sie überall diesen blonden Mann. Ein Stalker? Als sie versucht, ihn anzusprechen, verschwindet er einfach.
Das Verlustgefühl ist groß, er weckt überwältigende Gefühle in ihr, die Tavia nicht begreift.

Im Gegensatz zu ihrem besten Freund Benson, der sofort vom Schlimmsten ausgeht, beruhigt die Therapeutin Elizabeth Tavia und empfiehlt ihr nicht, sich von dem Blonden fernzuhalten.

Als Tavia ein Telefonat ihrer Tante belauscht, bricht ihre neue heile Welt in Stücke. Gemeinsam mit der Tatsache, dass sie Dinge aus dem Nichts materialisieren kann, dessen Zeuge Benson wird, ist sie sich ganz sicher, dass sie nicht verrückt ist, sondern dass etwas Außergewöhnliches mit ihr geschieht…
Vorwarnung: Lest die Inhaltsangabe NICHT, sie verrät meiner Meinung nach viel zu viel.
Zum Glück habe ich nicht noch einen Blick darauf geworfen, ehe ich zu lesen angefangen habe. Denn sonst hätte ich die ganze Spannung, das Hinfiebern auf die Auflösung, nicht erlebt. So konnte ich mich unvoreingenommen auf das Buch einlassen und bin erst im Nachhinein geschockt, weil dieser Spaß den Lesern der Inhaltsangabe nicht gegönnt ist.

Das erste (kurze) Kapitel riss mich sofort in das Buch. Mit seinen beinahe kryptischen kursiv gedruckten Angaben am Ende konnte ich nicht anders, als weiterzulesen und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Was war bei dem Flugzeugabsturz passiert?

Erst danach lernte ich Tavia wirklich kennen. Nach ihrer Therapiestunde, in ihrem neuen Leben bei ihrem Onkel, beobachtet sie etwas: Ein Mädchen und einen jungen blonden Mann in historisch-anmutenden Gewändern… und ein seltsam glänzendes Dreieck über der Tür ihres Hauses. Das Dreieck kommt ihr genauso bekannt vor wie der junge Mann, der in der Nacht plötzlich im Garten ihres Onkels steht und sie zu sich winkt.

Aprilynne Pike baut sofort eine mysteriöse Atmosphäre rund um ihre Protagonistin Tavia auf. Ich wollte immer mehr erfahren, wollte sie noch besser kennenlernen, mehr über das Unglück wissen und mit ihr auf die Suche nach diesem Mann gehen.

Seltsamerweise liest sich die Geschichte, als könne man sie durchschauen. Sie wirkt vorhersehbar, was sie absolut nicht ist. Immer wieder bot die Autorin Neues, fügte der Summe an „Absonderlichkeiten“ ein weiteres Detail zu… Und somit wusste ich auch nach der Hälfte des Buches noch nicht, in welche Richtung es gehen würde.

Tavia war nicht gerade das, was ich als „mir sympathisch“ bezeichnen würde. Dafür ist sie meist zu distanziert, ihre Emotionen erreichten mich nicht immer.
Aber sie ist eine gelungene, facettenreiche, bis zum Ende hin interessante Protagonistin.
Der Leser erlebt gemeinsam mit ihr die ganzen „Anfänge“, sieht ihre Entwicklung, erforscht ihre Vergangenheit. Tavia ist eher düsterer Natur, was nach dem Unfall, dem Verlust der Eltern, zahlreichen OPs und Therapien nicht verwunderlich ist. Ihr bester (und einziger) Freund Benson ist ihr Anker, ihr Halteseil.
Sie kann ihm ihre wahren Gefühle nicht offenbaren, aus Angst, alles zu verändern.

Benson ist ein Charakter, der nicht sofort alle seine Schichten offenbart. Er ist intelligent, denkt mit, steht Tavia auch in den schlimmsten Zeiten zur Seite. Und auch seine Gefühle verändern sich…

Liegt es an Quinn, diesem gutaussehenden, mysteriösen Typ, der Tavia zu verfolgen scheint und zu dem sie sich hingezogen fühlt?

Stopp! Wer hier jetzt eine typische Dreiecksgeschichte erwartet, liegt daneben. Denn die Autorin versteht sich darin, kleine Info-Happen über die Charaktere zu verteilen, die sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild verbinden. Und so habe ich auf den ersten Seiten auch die Augen über dieses anvisierte Dreieck verdreht, vor der klischeehaften „Liebe aus dem Nichts“ gegenüber dem Fremden… Die Augen wurden mit der Zeit immer größer.

Frau Pikes Idee ist gut durchdacht, sie gab zahlreichen Aspekten des Allgemeinwissens einen neuen Hintergrund (solche „Beweise“ liebe ich in Geschichten!) und erschuf ein sehr interessantes neues Weltbild.

Der Erzählstil des Buches war gewöhnungsbedürftig. Von einfach und flüssig bis hin zu verwirrend und abgehackt, beinahe zusammenhanglos, dass es schwer fällt zu folgen. Er passt wunderbar zu der Geschichte, zu der Erzählweise aus der Ich-Perspektive der ebenso verwirrten Tavia… Dennoch bin ich nicht ganz warm damit geworden.

Dafür ließ mir die Autorin aber auch keine Zeit. Ich raste beinahe durch das Buch und mir blieb kaum Zeit, Luft zu holen, bis alle Zahnräder ineinander greifen konnten, als die letzten Elemente eingesetzt wurden. Stück für Stück wird das Puzzle zusammengesetzt und das Gesamtbild wird ersichtlich.

Das Ende ist vorerst zufriedenstellend, ich möchte dennoch unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Wenn man die Inhaltsangabe nicht liest, ist „Der Kuss der Göttin“ eine ganz besondere Fantasy-Geschichte. Die beinahe permanent vorhandene Spannung und die Frage nach dem Gut und Böse machen das Buch zu einem wahren Pageturner. Das alles konnte mich aber nicht ganz über den atemlosen, abgehackten Stil hinwegsehen lassen. Daher sehr sehr gute 4 Bücher für den „Kuss der Göttin“.

Ein Must-Read für Fantasy-Fans, die sich gerne auf falsche Fährten locken lassen und dabei über kleine sprachliche Unebenheiten hinwegsehen können.
1. Der Kuss der Göttin
2. ?
3. ?



Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.


Kommentare:

  1. Halli hallo

    Jetzt hast du mich doch wieder neugierig gemacht auf dieses Buch ( werde es im Auge behalten!)
    Ich dachte nämlich schon, nein, nein nein ich habe die Nase voll von Dreiecksbeziehungen!!!
    Danke für den Tip mit der Inhaltsangabe, wieso wird eigentlich oft schon sooo viel verraten??!!

    Ganz liebe Grüsse
    Bea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es passiert theoretisch ja schon noch einiges Drumherum und die Entwicklung als solches ist ja auch nicht zu verachten. Aber für mich war es einfach so spannend, herauszufinden, WAS sie ist - und das wird auf dem Klappentext gespoilert :'(

      Das Dreieck ist hier echt besonders und kein oberflächliches "Mädel kann sich nicht entscheiden" :-)

      lg
      Steffi

      Löschen
    2. Halli hallo

      Ich habe das Buch nun als Leseexemplar von der lieben FavoLa erhalten und gelesen.
      Die Kurzbeschreibung habe ich erst danach gelesen und finde das krass, da wird ja fast alles verraten!!

      Ich verstehe jetzt was du mit dem Schreibstil gemeint hast und auch ich wurde irgendwie nicht warm mit der Hauptprotagonistin!

      Mir tut es leid für das Buch, aber die Sache mit der Wiedergeburt geht gar nicht bei mir, da bekomme ich Gänsehaut. Für mich ist jeder Mensch einzigartig und somit auch seine Seele und deshalb kann ich mit dieser Thematik so gar nichts anfangen auch nicht in einem Fantasy- Buch.
      Wenn ich mir vorstelle jemand anderes " lebt" in mir brrrr....

      Schade, aber so habe ich eine Reihe weniger, die ich verfolgen "muss"!
      Und tschüss
      Bea

      Löschen
    3. Das mit dem Klappentext ist heftig, oder? Schlimm sowas!

      Ich will auch nicht, dass jemand anderes in mir lebt und ich mit irgendjemandem in meinem Kopf rivalisieren will :-(

      Aber die Idee selbst gibt es ja oft. Am Extremsten bei "Das Meer der Seelen". :-)

      Löschen
  2. Hallo Steffi,

    du hast geschrieben, dass dir der Fantasyteil und auch generell die Ideen gut gefallen haben. Für mich Romantikerin: Gibt es denn auch eine richtige Liebesgeschichte?

    LG Desiree

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die ist da, aber anders als erwartet und zu spät erst richtig als solche erkennbar, als dass ich sie hätte aufnehmen können.
      Aus der/den Schwärmereien entwickelt sich etwas Besonderes <3
      Die Flucht und Jagd nach Hinweisen dominieren meiner Meinung aber (noch?). :-)

      lg
      Steffi

      Löschen
    2. Danke, jetzt hast du mich noch neugieriger gemacht ;-)

      Löschen
    3. Ist aber auch so schwer zu beschreiben :-)

      Löschen
  3. Nach dem ersten Band der Elfenkuss-Bücher gilt für mich: einmal Aprilynne Pike und nie wieder! Ich war damals so genervt von der Hauptprotagonistin und ihrer ständigen Schwärmerei und der Liebe auf den ersten Blick für gleich zwei Typen, dass ich auch nur am Augenverdrehen war und echt froh war, als ich durch war. Der Erzählstil der Autorin ist einfach nix für mich und deshalb lasse ich es nun sein, auch wenn der Klappentext interessant klingt (so wie in diesem Fall).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das hab ich zum Glück nicht gelesen... :D
      Hier gab es zumindest einen guten Grund für die zwei Typen :-)
      Aber der Erzählstil ist wohl immer noch gleich... Holprig und auch nicht wirklich ganz was für mich :-)

      lg
      Steffi

      Löschen
  4. Da ich dieses Buch als RE hatte, war auf meinem Exemplar gar keine Inhaltsangabe, vielleicht mochte ich das Buch desewegen so??? *g*

    Mir hat es auf jeden Fall auch sehr gut gefallen, ich bin bloß manchmal über die ellenlangen Sätze gestolpert ;)

    Aber ich bin mir sicher das ich die Fortsetzung auch lesen werde :)

    LG Sue

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei mir zum Glück auch! Hab es erst bei Amazon entdeckt.
      Hast du sie mal durchgelesen?

      Ich werde die Reihe auch fortsetzen, trotz des Schreibstils :-)

      Löschen
  5. Da mich das Buch bisher nicht wirklich interessiert hat, habe ich die Inhaltsangabe auch noch nicht gelesen. Deine Rezi hat mich aber jetzt echt neugierig gemacht. Vielleicht sollte ich dem Buch doch eine Chance geben.

    glg Nadja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es war echt superspannend und mysteriös. Einzig mit der Sprache muss man zurechtkommen, du kannst ja mal einen Blick in die Leseprobe werfen :-)

      Glg
      Steffi

      Löschen
  6. Das klingt aber recht gut. :D Ich kenne ja Aprilynne Pike's Elfenreihe (zumindest zur Hälfte) und mochte sie schon gern. Sie schreibt wohl generell gewöhnungsbedürftig. xD

    Die Rezi macht mich aber jetzt wirklich neugierig! Sooo toll <3

    LG Becca <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wäre der Stil nicht so "besonders" gewesen, hätte es wirklich ne 5 bekommen... Aber wem der gefällt, der muss das Buch lieben (aber keine Inhaltsangabe lesen!!!)

      lg
      Steffi

      Löschen
  7. mhhh *grübel* :D Also mich spricht das Buch gar nicht an xD Ich bin auch kein wirklicher Fan der Autorin, obwohl die Inhaltsangabe (ja, ich hab sie gelesen!) jetzt echt nicht schlecht klingt ^^

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe (zum Glück?) die Elfen nicht gelesen. Aber das Götter-Thema ist hier echt nicht schlecht umgesetzt <3

      lg
      Steffi

      Löschen
  8. Mein Weihnachtswunsch, weil ich gerne mal wieder was von Aprillynne Pike lesen möchte :)

    LG Chrisy

    chrisi.rolle@t-online.de

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay