Samstag, 13. Juli 2013

♀ Soul Beach - Frostiges Paradies (Kate Harrison) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Es ist erst zehn Tage her, seit ich dort zum ersten Mal am Wasser entlangspaziert bin, und doch weiß ich schon jetzt nicht mehr, wie ich die Wirklichkeit ohne meinen Zufluchtsort am Soul Beach ertragen soll, ohne das Wunder, wieder die Stimme meiner Schwester zu hören.“
(S. 83)
Kurz vor der Beerdigung ihrer Schwester Meggie erreicht Alice eine E-Mail von Meggies E-Mail-Account. Zeitpunkt des Sendens: 10:05:12
Das könnte auch ein Datum sein. Der 16. Geburtstag von Alice … oder das Todesdatum von Meggie.

Alice tut es anfangs als „Scherz“ eines von Meggies zahlreichen Fans ab. Doch die Zweifel werden größer. Von Gefühlen übermannt, schreibt Alice ihrer toten Schwester nach deren Beerdigung eine E-Mail und spricht alles Ungesagte aus.

Kurze Zeit später erhält sie die Einladung für das „besondere Social Network“ „Soul Beach“. Google findet nichts darüber, Alice‘ Freund Robbie und ihre beste Freundin Cara tun es ebenso als schlechten Witz ab wie Alice selbst…
Bis wenig später eine erneute E-Mail von Meggie kommt. Die Verwendung von ihrem persönlichen geheimen Spitznamen überzeugt Alice und sie folgt der Einladung.

Das Rauschen der Brandung, der Geruch von Meer. Das Gefühl, trotz IKEA-Teppich zu ihren Füßen von Wellen umspielt zu werden…
Alice befindet sich am Soul Beach und gleichermaßen in ihrem Zimmer.

Nach kleineren „Startschwierigkeiten“ drehen sich Alice‘ Gedanken mehr und mehr um den virtuellen Strand und ihr entgleitet die Realität immer weiter.

Denn am Soul Beach gibt es jemanden, der durchaus aus der Oberflächlichkeit der anderen heraussticht: Danny Cross.
Lange, lange habe ich gezögert, „Soul Beach“ in den Warenkorb gelegt und wieder herausgelöscht. Ich hatte Zweifel, trotz der vielen positiven Meinungen.

Das Bild, das sich hartnäckig in meinem Kopf festgesetzt hat, ließ sich nicht mehr verwerfen:
E-Mail von toter Schwester mit einer dubiosen Einladung? Da klicke ich doch drauf und – zoom – saugt es mich in den Computer und spuckt mich an einem Strand aus.

Wem es ähnlich geht, wer diese Idee in Kurzversion ebenso „seltsam“ findet, den kann ich durchaus beruhigen. Der Einstieg in das Buch ist definitiv anders: Es vergehen mehr Zeit, Zweifel und Trauer und kostet einiges mehr an Überzeugungskraft, ehe Alice dem ominösen Link wirklich folgt.
Das „Abtauchen“ in die Welt von Soulbeach.org ist auch nicht das erwartete Hineingesaugt-Werden, sondern eher metaphorisch mit „Special Effects“.

Diese neue virtuelle Welt, die Frau Harrison erschaffen hat, konnte mich fesseln. Trotz des sehr einfachen, beinahe umgangssprachlichen Schreibstils waren der Strand und die Erlebnisse der Protagonistin Alice gut vorstellbar.

Die Geschichte wird in Ich-Perspektive aus der Sicht von Alice in Gegenwartsform erzählt. Dazwischen, um den Ursprung des Ganzen nie in Vergessenheit geraten zu lassen, fließen kurze Sequenzen des Mörders ein, der in Vergangenheitsform berichtet. Seine Person wird durch diese Eindrücke immer durchsichtiger und ermuntert zum fleißigen Rätselraten.

Die Protagonistin Alice ist tief gezeichnet von ihrem Verlust. Ihre Umgebung verändert sich ohne ihre Schwester, die Eltern streiten sich, alle haben nur diesen typischen mitleidsbekundenden Blick für Alice.
Durch die neue Hoffnung am virtuellen Strand entgleitet ihr die Realität immer weiter. Sie hat Angst, etwas zu verpassen, wenn sie sich ausgeloggt hat. Bis hin zu dem Wunsch, ebenso tot zu sein wie die anderen Gäste, um sich nicht mehr so ausgeschlossen zu fühlen.

Auf die weiteren Charaktere möchte ich nicht näher eingehen… Nicht dass ihr zwischen den Zeilen noch meine Vermutungen herauslesen könnt…

Die Perspektive des Mörders hat durchaus noch eine Erwähnung verdient. Er eröffnet dieses Buch und konfrontiert sofort mit seiner anderen Sicht auf den Tod von Meggie. Schrittweise enthüllen sich seine Persönlichkeit, sein Irrsinn, seine Wahnvorstellung und seine Manie.

Als Kritik könnte man an dieser Stelle anbringen, dass der rote Faden, das Lösen des Mordfalles Meggie, manchmal diffus und fadenscheinig wird … Mich hat diese „Ablenkung“ durch andere Charaktere und ihnen zu helfen aber nicht minder unterhalten.

Die noch lebenden Charaktere gewinnen im Laufe der Geschichte immer weiter an Tiefe, hinterlassen ihre Eindrücke – und eine Spekulation über das Mörder-Potential.
Wahren Tiefgang aber haben die „Gäste“ am Soul Beach. Denn es ist ihre Geschichte, von der das Buch lebt.

Wer Spannung sucht, eine „mörderische“ Jagd nach Indizien, ist bei Soul Beach fehl am Platz. Auch wenn eine gewisse Grundspannung vorhanden ist, geht das Erforschen des Mordfalles doch etwas langsam vonstatten. Das ist aber auch keinesfalls notwendig. Ich konnte es auch so kaum aus der Hand legen.

Nun ist es Zeit für den oberlehrerhaften Ton: Es gibt genügend Gerüchte rund um die Alkoholliebe der Engländer. Aber diese auf so viele Arten zu „promoten“, missbillige ich doch ein wenig. Weißweinschorle mitten am Tag bei einer 16-jährigen? Die dann von ihrem Vater Brandy „zur Beruhigung“ eingeschenkt bekommt? „die Party war nicht gut, wenn man sich daran erinnern kann“? Das und noch mehr davon war mir stellenweise dann doch zu viel.

Gleichzeitig führt einem „Soul Beach“ aber auch ein weiteres Problem vor Augen: Das zweite Leben in der virtuellen Welt. Wie abhängig man davon werden kann, welche Folgen die Aufgabe des realen Lebens hat.

Die oft kritisierte „Romanze“ im Buch empfand ich hingegen als nicht störend. Wer sein Leben in der virtuellen Realität lebt, kann nicht verurteilt werden, wenn er dort nach Liebe sucht...

Die Idee der Autorin, ein modernes „Fegefeuer“ zu schaffen, in das Tote nach ihrem diesseitigen Leben gehen, gefiel mir sehr gut. Das dort nur Party gemacht wird, auf ewig schönes Wetter herrscht und alle (zumindest auf den ersten Schein) glücklich sind, ist wohl die Traumvorstellung überhaupt.
Dass es keine andere Beschäftigung zu geben scheint, als Alkohol zu trinken und Sex zu haben (beides ohne jegliche Nebenwirkung), muss hormonell-bedingten Teenieträumen entsprungen sein. Zum Glück blieben außer der allgemeinen Beschreibung weitere Details dazu aus.


Das Ende von „Soul Beach“ war für mich befriedigend. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es einige stören wird. Denn es bleiben viele (essentielle) Fragen offen. Doch nicht allein deshalb werde ich ganz sicher zur Fortsetzung greifen.
„Soul Beach“ war erfrischend anders. Trotz des geringeren Spannungsniveaus konnte mich Kate Harrison an ihr Buch fesseln. Wer sich Gedanken um ein Leben nach dem Tod macht, findet hier eine ganz moderne Version davon – und das ganze inklusive einer kleinen Romanze… Dafür gibt es von mir sehr gute 4 Bücher.


Ein Must-Read für Fans anderer Geschichten, die kein Problem damit haben, den Haupthandlungsstrang auch mal kurz beiseite zu legen. Ihr werden euren Spaß haben!
1. Soul Beach - Frostiges Paradies
2. Originaltitel: Soul Fire
(deutscher Titel unbekannt, Erscheinung voraussichtlich März 2014)
3. Originaltitel: Soul Storm
(Erscheinungstermin: August 2013)


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Vielen Dank an 
für dieses tolle Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Halli hallo

    Sehr tolle Rezi!!
    Ja, das mit dem Alkohol fand ich auch daneben, ich glaube du bist bis jetzt die Einzige die das erwähnt, was ich sehr gut finde DANKE!!

    Whs. hat mich das Buch ein wenig enttäuscht, weil ich halt diesen Spannungssog erwartet habe!

    Liebe Grüsse Bea

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    1. Was die Spannung angeht, war ich durch diverse Rezensionen ja schon vorgewarnt.
      EIN Glas Sekt oder so verzeihe ich gerne, aber das war schon sehr auffällig :-(

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  2. Man hört ja wirklich nur Positives über das Buch, ich hoffe, dass es bald bei mir einziehen kann, denn ich glaube, dass ich begeistert sein werde. *-*
    Tolle Rezension auf jeden Fall! Irgendwie machen deine Rezensionen mir immer Lust darauf, ganz viel zu lesen, egal welches Buch. xD

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    1. Wenn mir etwas gefallen hat, KANN ich nicht anders... ;-)

      Sonnige Grüße
      Steffi

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  3. Hi :)

    ich habe deine Rezi nur kurz überflogen, da ich Soul Beach im Moment selber lese, aber ich bin in den meisten Punkten ganz deiner Meinung! Das mit dem Alkohol z.B. ist mir auch schon aufgefallen. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich es auch ein wenig übertrieben.

    Ansonsten lese ich das Buch jedoch sehr gerne :)

    Lg Rina

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    1. Bin gespannt, wie es dir am Ende gefallen wird. Viel Spaß noch :-)

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  4. Sehr schöne Rezi. Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen, nur die von dir angesprochene Liebesgeschichte hat mich doch total gestört. Ich finde, die wäre gar nicht unbedingt nötig gewesen und ich kann mir einfach nicht vorstellen, was die Autorin daraus noch machen will. Allerdings bin ich gespannt, wie sie das ganze lösen wird.

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    1. Ich glaube, es kommt immer unheimlich auf die Erwartungshaltung an. Gerade, was die Liebesgeschichte anging, hatte ich übelste Befürchtungen, genauso, wie mit dem hineingesaugt-werden.
      Die beiden Sachen waren dann wesentlich angenehmer wie erwartet.

      Wie es weiter geht, bin ich auch sehr gespannt.
      Im Frühjahr wissen wir mehr.

      Wünsch dir ein schönes Wochenende

      Steffi

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  5. Ich wollte unbedingt, dass es mir gefällt. Aber es hat mich einfach nicht packen können... Ich denke mein Problem war einfach, dass ich mit der Vorstellung etwas spannendes zu lesen an das Buch gegangen bin. Und von dem Gedanken kam ich nicht weg und war gelangweilt. Schade :-(

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    1. Ich bin mit dem ganzen Wissen um zahlreiche Kritikpunkte ans Lesen gegangen.
      Das war vermutlich der Vorteil.
      Schade, dass es deine Erwartungen nicht erfüllen konnte.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

      Steffi

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  6. Du hast mich ja schon vor dem posten deiner, wie immer unglaublich tollen, Rezension davon überzeugt, dass ich Soul Beach haben nuss, deshalb habe ich es auch gleich bestellt, als ich noch ein Buch für diesen Monat zur Auswahl hatte :) danke und dickes Kussi <3

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    1. Dir wird es ganz sicher auch gefallen... Schnell noch diesen Monat lesen und bei Shou posten :-)))

      Viel Spaß und einen meeeeeeeeega Kuss

      Steffi

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  7. Eine wie immer sehr schöne Rezension.
    Das mit dem Alkohol sehe ich genauso wie du, hatte das allerdings ganz vergessen in meiner Rezension zu erwähnen :-).

    Liebe Grüße
    Vanessa

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    1. Und ich dachte schon, ich bin da irgendwie extrem, weil ich es noch nirgends gelesen habe...
      Aber ich glaub in England ist das alles etwas lockerer :-)

      Glg
      Steffi

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  8. Hallo :)
    Die Rezi ist klasse und ich habe das Buch verschlungen. Zwei Tage habe ich gebraucht, wobei ich meist ewig dafür brauche ein Buch zu lesen.
    Vielleicht kann ich es deswegen nicht genau zuordnen. Ich versuche mich mit dem Thema und der Kernaussage auseinander zu setzen.. zu Beginn dachte ich ganz klar an Tod, was mir recht schnell zu offensichtlich falsch oder auch zu oberflächlich angekratzt vorkommt. Dann kam mir die virtuelle Welt in den Kopf.. aber die Kernaussage dazu?? Die Rezi hat ihr übriges getan und ich weiß nicht, wie ich diese beiden Punkte vorstellen soll, da ich dieses Buch gerne vorstellen wollte. Kann es diesbezüglich Hilfe geben?
    LG Alex

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    1. Wie ich im Rahmen einer Leserunde mal gelesen habe, wollte die Autorin vor allem ihren eigenen, modernen Weg von dem Leben nach dem Tod einbringen.
      Aber wie du sagst, insbesondere das Abdriften in die virtuelle Welt finde ich auch ein großes Thema.

      Die Leserunde ist bei Lovelybooks noch online, vielleicht findest du hier ein paar Dinge heraus (man konnte der Autorin Fragen stellen).
      http://www.lovelybooks.de/autor/Kate-Harrison/Soul-Beach-Frostiges-Paradies-1043484665-w/leserunde/1046020538/

      Liebe Grüße

      Steffi

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Steffi & Kay