Dienstag, 9. Juli 2013

♀ Flammen über Arcadion (Bernd Perplies) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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„Sie wusste einfach nicht mehr, was sie fühlen sollte: Angst um ihr Leben? Zorn auf Rajael? Mitleid mit dem jungen Mann namens Tobyn, dessen einziges Verbrechen darin bestanden hatte, eine Familie gründen zu wollen? Oder Hass auf die Inquisitoren des Tribunalpalasts?“
(S. 147)
Dem Sternenfall folgten die dunklen Jahre. Millionen Menschen starben.
Der Orden des Lux Dei sammelte die guten Menschen, die gläubigen Menschen, zusammen und beschützt sie innerhalb der Mauern von Arcadion, der Arche Gottes.

Der Glaube an das Licht Gottes und an seine Gesetze bestimmen das Leben in Arcadion. Ungläubige, Gegner des Systems oder Invitros, künstlich erschaffene Wesen ohne Gottes Gnade, werden vom Lux Dei gejagt – sie gefährden das Leben innerhalb Arcadions. Und die Einwohner brauchen den Schutz der Stadt. Draußen, im Ödland und der Wildnis, gibt es unzählige Gefahren. Rebellen, Mutanten und zahlreiche „Künstliche“, eine stetige Bedrohung.

Carya ist nach dem Glauben des Lux Dei und dem Licht Gottes erzogen worden. Niemals hätte sie in Erwägung gezogen, dass die geschaffene Ordnung Fehler haben könnte.
Erst, als ihre beste Freundin Rajael sie um Hilfe bittet, fängt sie an, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Als sie Zeuge dessen wird, was unter Wohlwollen des Lux Dei passiert, handelt Carya intuitiv. Sie hilft ihrer Freundin und bringt sich und ihre Eltern in eine ausweglose Situation.
Allein dem ebenfalls zweifelnden schwarzen Templer Jonan ist es zu verdanken, dass Carya dem Lux Dei entkommen kann.

So macht sie sich auf die Suche nach Antworten und versucht, ihre Eltern aus den Fängen der Templer zu befreien. Dabei macht sie unglaubliche Entdeckungen.
Ewig schon lag „Flammen über Arcadion“ von mir ungelesen im Regal. Nach vielen positiven Stimmen all derjenigen, die sich auf den baldigen Abschluss der Trilogie freuen, wurde ich neugierig.

Der Einstieg in Bernd Perplies‘ Welt fand ich sehr gelungen. Durch ein Referat der Protagonistin Carya erfuhr ich kurz und knapp, was zwischen unserem Jetzt und dieser Zukunftsvision passiert war. Ebenso wurde mir schnell klar, dass es ein sehr religiöses Leben ist, das in Arcadion, der „Arche Gottes“, gelebt wird.

Die Idee des Autors, diese überkatholische Herrschaft ins zukünftige Rom zu bannen, seinen alten Gebäuden neue Ehre zu verschaffen und darin eine typisch dystopische Herrschaftsstruktur aufzubauen, begeisterte mich. Durch den Sternenfall und den dunklen Jahren danach den meisten modernen Dingen beraubt, führen die Einwohner Arcadions ein sehr einfaches Leben wie in längst vergangenen Zeiten. Der Glaube an Gott dominiert dieses.
Auf der anderen Seite gibt es dennoch die hypermodernen Überbleibsel einer technischen Welt, Kriegsgeräte, Kampfanzüge und sogar einen Helikopter. So verbindet Bernd Perplies die „Vergangenheit“ mit seiner projektierten Zukunft perfekt.

Die Charaktere sind sehr vielschichtig, haben ihre ganz eigenen Charakterzüge und entwickeln sich dem Genre entsprechend.

Erzählt wird „Flammen über Arcadion“ im personalen Erzählstil aus der Sicht von Carya und auch Jonan, die somit beide tiefere Einblicke in ihr Gefühlsleben und ihre Gedankenwelt geben.

Carya ist die typische Dystopie-Protagonistin: Dem totalitären System gläubig (in doppelter Hinsicht) unterworfen, beginnt sie erst nach dem Wachrütteln durch ihre Freundin zu zweifeln. Eben jener Freundin zu helfen, zieht Carya auf die „dunkle Seite“. Sie erkennt Fehler im System und beginnt zu hinterfragen.
Caryas Vergangenheit sorgte bei mir für eine große Überraschung, die ich euch aber nicht vorab verraten möchte.
Meine Beziehung zu Carya glich einer Achterbahnfahrt. Manchmal konnte ich mit ihr mitempfinden, leiden oder sie voller Stolz betrachten, in anderen Momenten war die Distanz zu ihren Handlungen und Emotionen so groß, dass ich sie nicht nachvollziehen konnte.

Jonan war mir da schon viel näher. Er macht (in seinen Gedanken) von Anfang an keinen Hehl daraus, dass er diesen wichtigen Job nur der Anerkennung seines Vaters wegen macht. Er kritisiert das System, weiß um seine Fehler und ist schockiert von dessen Grausamkeit gegenüber Abweichlern. Dadurch waren mir seine Handlungen mehr Konsequenz denn Kurzschlussreaktion. Einzig seine Gefühle für Carya waren nicht ganz nachvollziehbar für mich. Die „Liebe“ entstand quasi aus dem Nichts. Aber da so was ja vorkommen soll, hat es meinen Lesespaß keinesfalls gestört.

Der Schreibstil von Bernd Perplies ist sehr ausdetailliert. Die Sprache selbst jedoch klar und leicht historisch angehaucht.
Diese Sprache machte die Atmosphäre des Buches ungemein authentisch, was das „alte“ angeht: die mittelalterliche Haltung des Lux Dei alias der Kirche mit all den Inquisitoren und dem fanatischen Glauben. Gleichzeitig bereiteten mir diese „antiken“ Wörter und Umschreibungen aber auch Probleme. Die Frage geisterte mir stets im Kopf herum, warum denn so gesprochen/gedacht wird.
Irgendwann vergaß ich dann, dass ich mich in der Zukunft befinde und nicht mehr nur die technischen Errungenschaften der Neuzeit sondern auch Kajal und Lippenstift wirkten völlig deplatziert. Bis zuletzt konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich diesen besonderen Stil einfach nur fantastisch-passend oder nicht ganz so gut finden sollte. Und ich kann es immer noch nicht.

Was die Entwicklung der Geschichte angeht, konnte Bernd Perplies aber wieder punkten. Nach der Einführung in sein außergewöhnliches Setting und der genretypischen Entwicklung von treuem Systemmitglied zum Rebellen konnte mich die Geschichte immer wieder mit unerwarteten Wendungen und Entwicklungen überraschen. Die Spannung steuerte in großen Schritten immer weiter ihrem Höhepunkt entgegen, der wahrhaft explosiv war.

Das Ende ist soweit zufriedenstellend, ich bin aber sehr neugierig wie und vor allem wohin sich alles entwickeln wird und freue mich auf die Fortsetzung.
Bernd Perplies‘ Trilogie-Auftakt „Flammen über Arcadion“ bietet ein fantastisches Setting, eine geniale Idee und interessante Charaktere. Von Spannung, Action und zahlreichen unerwarteten Wendungen wurde ich durch das Buch gezogen. Alleinig mit der Sprache konnte ich mich nicht ganz anfreunden, daher sehr gute 4 Bücher für Jonan und Carya. Ich freue mich auf ein weiteres Abenteuer.

Ein Must-Read für gläubige Fans des dystopischen Genres, die einem Hauch historischem nicht abgeneigt sind.
Flammen über Arcadion
Im Schatten des Mondkaisers
Das geraubte Paradies


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Kommentare:

  1. Ich hab das Buch damals leider abgebrochen, es war einfach nicht meins. Schade, aber ich kann's nicht ändern.
    Schöne Rezension!

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    1. Hätten mich die anderen nicht ständig unglaublich motiviert, wäre ich womöglich auch noch mehr an dem Stil angeeckt.
      Also kann ich es gut nachvollziehen :-)

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  2. Halli hallo

    Diesen Band fand ich nicht schlecht, aber ich hatte einfach Mühe mit dem Schreibstil, mir persönlich war es zu detailliert.Die Charaktere konnten mich irgendwie auch nicht berühren ausser mmmm.... wie hiess er noch dieser Junge(???) den fand ich knuddelig.

    Trotzdem habe ich den zweiten Band auch noch gelesen, danach war aber Schluss für mich.
    Schade weil die Cover sind so toll gestaltet und die Geschichte ist ja auch nicht schlecht, aber....

    Liebe Grüsse Bea

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    1. Genau das: sehr detailliert :-(
      Pitlit war niedlich...
      Ich werde Band 2 auch noch lesen, vielleicht gewöhne ich mich an den Schreibstil... Bin viel zu neugierig, um NICHT weiterzulesen :-D

      Die Cover sind einfach genial *hach*

      Schade, dass dich der Mondkaiser dann gar nicht mehr überzeugen konnte :-( Band 3 sieht ja auch so toll aus <3

      Liebe Grüße

      Steffi

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  3. Oha, na da bin ich aber mal gespannt! :) Ich habe das Buch ganz oben auf meinem SuB und möchte es bald lesen. .."Hauch Historie" hat mich jetzt besonders neugierig gemacht.

    LG Sarah

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    1. Bin gespannt, ob es dir auch so sehr auffällt wie mir... :-)
      Viel Spaß in Arcadion!

      Lg
      Steffi

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  4. Also mich konnte es ja komplett überzeugen, kann deine Kritikpunkte aber durchaus nachvollziehen! :) Aber freut mich, dass es dir trotzdem gefallen hat! <3
    Bin gespannt, was du zum Mondkaiser sagt^^
    LG Jan

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    1. Vielleicht ist es euch nicht aufgefallen, weil ihr nichts historisches lest?!? :-)))

      Gut war es auf jeden Fall - Sci-Fi meets History :-)
      Und ich will ja schon noch den Rest von ihrer Vergangenheit kennenlernen :-)))

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  5. Mhmhhmmm das macht mich jetzt aber echt neugierig. Sonderbare Stile mag ich ja meist gern! Ich sollte es dann wohl doch mal endlich lesen! Wie noch 1000 andere Bücher. :D

    Wunderbar beschrieben!!! <3

    LG Becca <3

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    1. Er ist anders sonderbar >.<
      Aber ja definitiv nicht schlecht. :-)
      Lesen lohnt sich <3

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  6. Uuuh, bin ich froh, dass ich es endlich besitze :D Du hast mich nochmal richtig neugierig gemacht, Danke! <3

    LG
    Shanty

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    1. Ganz viel Spaß beim Lesen! Bin gespannt, was du dazu sagst <3

      :-*
      Steffi

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  7. Ich fand die Sprache so unglaublich passend, dass mich das überhaupt nicht gestört hat, im Gegenteil. Und "beim Licht Gottes" werde ich sicher NIE mehr vergessen *grins*.

    Was ich besonders mag, sind die unerwarteten Dinge die passieren und mit denen man so gar nicht rechnet. Ich bin auf jeden Fall komplett überzeugt, aber das weißt du ja <3. Den Monkaiser fand ich sogar noch etwas besser, also bin ich echt gespannt, wie du Band 2 findest.

    Sehr, sehr schöne Rezi :-*

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    1. Ich weiß, wie sehr du es geliebt hast <3 und Kay war vom Mondkaiser ja auch noch überzeugter... Werde auf jeden Fall weiterlesen und berichten ;-)
      Dicken Kuss
      Steffi

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  8. Hallöchen^^
    Mein Weihnachtswunsch ist auch dieses Buch, weil es neu entdeckt schon viel zu lange auf meiner Wunschliste steht und wartet.

    Liebe Grüße^^
    Eine schöne Weihnachtszeit.
    Und danke für das tolle Gewinnspiel^^

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Liebe Grüße

Steffi & Kay