Samstag, 15. Juni 2013

♀ Stolen Mortality (Jennifer Benkau) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Wir sind nicht die Guten, Junias, nur, weil wir kein Blut trinken. Wir sind einfach etwas anderes Böses.“
(S. 9)
Jamian und Junias sind Kienshi. Sie wachen und kontrollieren die Vampire in und um das idyllische schottische Dorf Glen Martha.
Junias ist noch zu jung für diesen „Job“, wurde aber dennoch gewandelt und hat vor einiger Zeit die Kontrolle verloren. Doch der Senat bestrafte nicht ihn, sondern seinen großen Bruder Jamian, der die Verantwortung für den Vorfall übernahm.

Kurz vor der Vollstreckung der Strafe, dem Nehmen von Jamians Sterblichkeit, rettet Jamian eine Frau, die von drei Vampiren angegriffen wird. Schwer verletzt versucht er sie zu retten, bis er feststellen muss, dass sie ebenso eine Vampirin ist. Schlimmer noch: Sie ist eine Partisan, eine Vampirin, die sich nicht an Regeln hält und nur dem Umstand ihrer Rettung ist zu verdanken, dass auch Jamian am Leben bleibt.

Zufall oder Schicksal? Denn eben diese Vampirin, Laine, hat einen todbringenden Auftrag.
Nachdem ich einfach nur begeistert von Jennifer Benkaus dystopischer Dark-Dilogie war, gefesselt von ihrem atmosphärischen Schreiben, war ich natürlich auch neugierig auf „Stolen Mortality“, das das „Erstlingswerk“ von Jennifer Benkau war und daher der Wegbereiter für ihre Folgeromane. Somit war es ein klares Must-Read für mich.

Gleich zu Beginn wurde ich mit der für die Autorin so spezifischen Stimmung gepackt, schon das Intro skizzierte die düstere Welt, die in diesem Werk dominiert.
Eingebettet in die malerische Idylle der schottischen Highlands erklärt Jamian seinem jüngeren Bruder Junias, was es bedeutet, ein Kienshi zu sein und zeigt dem Leser sofort, dass es in dem Roman nicht um Gut gegen Böse geht, dass Monster nur andere Monster bekämpfen.

Mit den Kienshi hat Frau Benkau den allseits bekannten Vampiren einen starken übernatürlichen Gegner gegeben, die jedoch auch ihrerseits nicht die Helden sind, für die man sie halten könnte. Wie das gesamte Buch umgibt die Kienshi etwas Düsteres, eine Melancholie, denn niemand entscheidet sich bewusst für diesen Job. Es ist das Erbe der Familien und mit den Konsequenzen müssen die Personen selbst klarkommen.

Allen voran die Protagonisten Jamian und Junias. Zu Beginn konnte ich nicht sagen, warum beide eine solch dominante Rolle im Buch einnehmen… Schien doch Jamians Schicksal das Ausschlaggebende für die Geschichte zu sein. Doch Jennifer Benkau führte die Puzzleteile (meine unendliche Anzahl an Fragen und Überlegungen zu Beginn) im Laufe des Plots alle zusammen. Niemand ist unwichtig, alle Charaktere besitzen eine unglaubliche Tiefe und sind vollends in der Geschichte verankert.

Jamian trägt eine schwere Bürde. Neben dem Wächter-Job über Glen Martha ist er verantwortlich für seinen kleinen Bruder Junias, muss ihm den Vater ersetzten, der bei einem „Arbeitsunfall“ starb. Die Mutter der beiden starb bereits bei Junias Geburt, somit sind der 19-jährige und sein 16-jähriger Bruder auf sich allein gestellt. Der Senat hat Junias bereits frühzeitig zum Kienshi verändert, zu früh, was üble Folgen hat. Um seinen kleinen Bruder zu schützen, übernimmt Jamian die Konsequenzen und wird unsterblich gemacht. Was im ersten Moment, für uns „Normalsterbliche“ fantastisch klingen mag, rückt Jennifer Benkau in ihrem Roman in ein ebenso düsteres Licht. Ewige Jugend bedeutet auch, dass man alles verlieren wird, früher oder später, dass man auf ein ewiges Versteckspiel angewiesen ist und noch mehr… Aber Jamian nimmt dies alles für Junias in Kauf.

Junias, der aufmüpfige, unbesonnene, unkontrollierte Jugendliche, dem viel zu früh die Bürde der Wächter auferlegt wurde. Für mich anfangs als „Nebencharakter“ abgetan, wächst seine Rolle in der Geschichte weiter und weiter. Im selben Maß wächst Junias selbst. Mehr kann ich leider nicht verraten…

Schon der Klappentext lässt vermuten, dass in „Stolen Mortality“ eine ganz besondere Vampirin eine wichtige Rolle spielt. Laine ist eine Partisan, ein „Vampir gegen alle Regeln“. Anfangs nur angetrieben von ihrem Auftrag, verliert sie sich immer mehr in allzu menschlichen Gefühlen, ihren Emotionen für Jamian. Ständig im Zwiespalt und dem inneren Kampf zwischen Recht und Unrecht, ihrem ewigen Leben oder ewiger Verdammnis.

Die Beziehung von Jamian und Laine ist besonders. Greifbar, emotional. Aus dem anfänglichen Bedürfnis, ein Opfer zu schützen und Laines Dank in Form von Jamians Leben zu bewahren, entwickelt sich bei beiden unerklärliches Interesse, das in echte Gefühle umschlägt und beide das Leben kosten könnte.
Schon die prickelnden ersten Momente, das große unbekannte Etwas, das nach der ersten Begegnung über ihnen schwebte, zog mich in seinen Bann. Ich fühlte mit beiden, ärgerte mich über sie, fieberte jeder erneuten Begegnung entgegen und hoffte, dass es gut ausgehen würde. Den klassischen „Romeo und Julia“-Rollen unterworfen, sind sie auf sich gestellt, stehlen gemeinsame Momente, ehe sie sich wieder ihren Aufgaben widmen müssen - bis zum bitteren Ende. Ein Ringen um Menschlichkeit, um Prinzipien oder der Entscheidung für die Liebe.

Trotz des gewählten personalen Erzählstils aus Jamians, Junias und Laines Perspektive war die Verbindung zu ihnen allen enorm. Frau Benkau hat ein unbeschreibliches Talent, Emotionen zu transportieren. Mit teils kurzen Sätzen, wie sie jeder von sich selbst kennt, pflanzt sie die Gedanken direkt in ihren Leser ein und lässt diese mitfühlen.

Von Beginn an erschuf sie mit großer Liebe zum dunklen Detail eine beklemmende Atmosphäre, düster, melancholisch und schier hoffnungslos. Der Sog dieser Düsternis wurde größer und größer, je weiter sich die Charaktere ihrer Bestimmung näherten. Kleinere Funken der Hoffnung löschte die Autorin erbarmungslos aus, ehe sie sich weiter entfalten konnten.

„Stolen Mortality“ stellt ohne es für den Leser zu beschönigen auch die dunklen und brutalen Seiten des Lebens von Wächter und Vampir dar. So sind Kampfszenen hart, blutig, beinahe abstoßend. Doch beinahe genauso unzensiert stellt Frau Benkau auch die nicht jugendfreien Szenen dar, die prickelnd, aber durchaus ästhetisch ansprechend waren. Wer also ein Übergehen solcher Szenen erwartet, wie es bei Jugendbüchern der Fall ist, der sei vorgewarnt.
Aber das Zusammenspiel aus all den Fakten, den Gedanken, den auch mal schäbigen Gefühlen, den lebensnahen Beziehungen und brutalen Kämpfen macht „Stolen Mortality“ glaubhaft und verleiht ihm Authentizität.

Nach so vielen Lobeshymnen fallen meine einzigen Kritikpunktedie sehr kleine Schrift und die vollgepackten Seiten mit minimalen Seitenrändern, kaum ins Gewicht. Nach anfänglicher Eingewöhnung, in der mir auch kleinere Formatierungsfehler untergekommen sind, hat mich die Geschichte so sehr in den Bann gezogen, dass mir auch kleinere „Längen“ und „Holpersteine“ den Spaß nicht verderben konnten.
Mit „Stolen Mortality“ schaffte es die Autorin wieder einmal, mich in eine düstere Atmosphäre eintauchen zu lassen, einer Welt von bösen Vampiren und ihrer vielleicht genauso bösen Gegenseite. Die transportierten Emotionen, teils brutale Szenen, die prickelnden Momente und die authentischen, tiefgründigen Charaktere üben einen unglaublichen Sog aus. Daher kann ich gar nicht anders, als mich bei Jennifer Benkau für das Leseerlebnis mit knappen 5 Büchern zu revanchieren.

Es ist ein Must-Read für alle Fans von Jennifer Benkaus düsterer, atmosphärischer Art. Ihr solltet euch aber auf die emotionale sowie reale Brutalität und die ein oder andere nicht jugendfreie Szene einstellen.




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Kommentare:

  1. Danke für die wunderbare ausführliche Rezension. Sie macht echt Lust auf das Buch.
    LG
    Yvonne

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  2. Ich hab mir nur das Fazt durchgelesen, weil ich ja selber noch dran bin, aber ich bin erstaunt über Deine Lesegeschwindigkeit. Vor allem, bei der kleinen Schrift. Ich finde ja auch das jennys Stil vom Lesefluß her nicht so wie Butter runtergeht wi manch andere, aber ich liebe ihren Stil, weil er außergewöhnlich ist. Mich ärgert nur, dass ich das gefühl hab einen Wälzer zu lesen, weil ich es eben nicht so schnell lesen kann. Dabei bin ich jetzt schon auf das ebook ausgewichen. Mir gefällt das Buch bisher auch gut, aber ich bin noch am Anfang. Deinen Trick des schnellen Lesens musst Du mir mal verraten, wie DU so schnell liest. Oder nimmst Du Dir so viel Zeit?

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    1. Das mit dem Lesefluss ging mir schon bei DC so... Und auch hier waren wieder 60-70 Seiten "Eingewöhnung" nötig... Danach ging es aber rasend schnell!

      Die letzte Woche war ich abends nicht mehr am PC, Astrid, der Zeitfresser schlechthin (haben wir ja gestern Nacht gesehen, oder??? *Nostalgiewelle*)

      bin gespannt auf dein Gesamturteil :-)

      lg
      Steffi

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  3. Also ich bin noch ganz am Anfang, aber jetzt freu ich mich ja noch mehr auf die Geschichte :) Danke für die tolle Rezi :)

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    1. Ganz viel Spaß beim Weiterlesen - es wird mit jedem Kapitel besser und besser :-)

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  4. Hallo Steffi!
    Das kann doch nicht dein Ernst sein! Wenn du ein Buch von JB mit 5 Büchern bewertest, dann komm ich ja gar nicht mehr drum rum es nicht zu lesen :-P

    LG
    Anja

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    1. Sofern brutal und nicht jugendfrei keine Ablehnungsgründe sind, musst du es lesen :-D

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  5. Brutal und nicht jugendfrei... Perfekt :D
    Ich will es unbedingt noch lesen *-* Ich liebe Jennifer Benkaus Schreibstil einfach :)

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    1. ich hatte vermutet, dass diese zwei Wörter ein paar eher "abschrecken" würden... Aber da ist wohl eher das Gegenteil der Fall :-)))

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  6. Deine "einzigen Kritikpunkte" schrecken mich gerade total ab :O
    Momentan bin ich für Wälzer nicht gut geeignet, ich hab sowieso schon das Gefühl ich komme nicht gut voran beim Lesen :D
    Aber man merkt, wie VIEL du in die Rezension gesteckt hast! Super toll! <3
    LG Jan

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    1. Du musst sowieso erstmal Dark Canopy lesen!!!
      Und wenn dich das so begeistert hat wie uns alle, sind dir die Punkte vielleicht auch egal :-)))

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  7. Sehr schöne Rezension. :)
    Ich habe es gestern auch durch gelesen und werde meine Rezension auch heute Abend schreiben (vorher muss ich gleich noch zum Probearbeiten).
    Das mit der Eingewöhnung war bei mir auch so. Die ersten 150 Seiten habe ich an mehreren Tagen gelesen, die letzten 200 dann gestern auf einmal. :D

    Alles Liebe, Sophie

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    1. Dann war es nicht nur mein Empfinden... Irgendwann war da so ein Sog, der hat wirklich wieder wettgemacht :-)

      Bin gespannt auf deine Rezi, gib dann auf jeden Fall Bescheid!

      Lg
      Steffi

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    2. Ja genau. Jennifer Benkaus Schreibstil ist einfach so speziell (und wunderbar), dass ich einfach erstmal etwas "Eingewöhnungszeit" brauche.

      Hier meine Rezi:
      http://sophies-little-book-corner.blogspot.de/2013/06/rezension-stolen-mortality-jennifer.html

      Alles Liebe, Sophie

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    3. Genau das... Vor allem wenn man davor etwas 'leichtes' gelesen hat.
      Gleich mal bei dir schauen :-)

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  8. Ich habe noch nie ein Buch der Autorin gelesen, aber Stolen Mortality spricht mich total an!

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    1. Das Thema ist herrlich düster und ich LIEBE ihren Schreibstil einfach <3
      Du musst unbedingt was von ihr lesen!

      Glg
      Steffi

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  9. Also da ich ja bekanntlich die anderen Bücher von Jenny Benkau so liebe, denke ich auch dieses wird mir gefallen :)Bin Gespannt! Deine Rezi bestätigt wieder mal meine Ahnung, Super!! <3

    glg
    Shanty

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    1. Es wird dir sicher auch gefallen. Noch ein großes Stück düsterer und 'ehrlicher' als "Unsterblich"

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  10. Ich bin mir total unsicher ob ich mich an die Bücher von Jennifer Benkau ran trauen soll aber das hört sich wirklich spannend an !

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    1. Sie sind speziell... Ich würde aber erstmal zur jugendlicheren Version Dark Canopy raten... Vielleicht schaust du da mal in die Leseprobe?

      Glg
      Steffi

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    2. Das würde auch ganz gut passen , Dark Canopy hätte ich hier auch auf meinem SuB . Haha , das ich da nicht drauf komme , ich lese mir gleich mal die Leseprobe durch . Danke :)

      Alles Liebe
      Jenny ♥

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    3. Die düstere Stimmung greift schon auf der ersten Seiten durch, oder? :-)
      Ich hab ja auch mit der Leseprobe begonnen, weil ich mich für eine Leserunde beworben hatte... Aber mir hat die schon so gefallen, dass ich weiterlesen musste!

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  11. Wow, was für eine begeisterte und begeisternde Rezension! ;)
    Super, dieses Buch merke ich mir.

    LG!
    Lydia

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    1. Wenn mich was begeistern kann bin ich immer so...
      Ist im wahren Leben glaub noch schlimmer... Sowas in Worte zu fassen find ich schwerer :-(

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  12. Hallöle erst mal :)
    Ich wusste leider nicht, wie ich anders Kontakt aufnehmen kann, daher mache ich das jetzt hier (hoffentlich stört es nicht).
    Ich habe den Blog für einen Award nominiert :D
    http://sightheavenwards.blogspot.co.at/2013/06/one-lovely-blog-award.html

    Dort könnt ihr durchlesen, welche Aufgaben ihr erledigen sollt.
    Herzlichen Glückwunsch! :D

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  13. Huhu :)
    Ich bin schon soooo gespannt auf das Buch :)
    Ich muss es mir unbedingt holen und diese Rezi macht ja auch richtig Lust auf das Buch :)
    LG
    Celine

    PS: Ich hab euch mal getaggt :)
    http://mybookcrate.blogspot.de/2013/06/verschlungene-bucher-tag.html

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    1. Vielen Dank <3
      Für Fans etwas düsterer Geschichten eine absolute Empfehlung :-)

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  14. so eine tolle Rezi <3 man merkt dir deine Begeisterung echt an <3

    Und da ich DC und DD ja so liebe, gefällt mir Stolen Mortality sicher auch :)

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    1. Es gefällt dir bestimmt... und du bist ja schon groß, dass dich brutale Szenen und ein wenig Erotik nicht gleich schreiend davonlaufen lassen :)

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Liebe Grüße

Steffi & Kay