Dienstag, 18. Juni 2013

♀ Dark Triumph - Die Tochter des Verräters (Robin LaFevers) [Rezension]

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„Nein, die Wahrheit ist, Mortain hat mich verlassen. Entweder das oder Er existiert nicht.“
(S. 103)
Sybella ist im Auftrag des Klosters an den Hof ihres Vaters d’Albret zurückgekehrt. In letzter Sekunde konnte sie Ismae vor dem Hinterhalt warnen, den ihr Vater ausgeheckt hat, um seinen Willen durchzusetzen. Sie beobachtet, wie die Herzogin und ihr Gefolge fliehen können und auch diesen wilden Mann, der bis aufs Letzte gegen die Übermacht des Grafen kämpft.

Danach muss sie sich erst einmal den höfischen Pflichten als Edeldame widmen und bekommt nur selten einen Auftrag in Form von einer freien Sicht auf Mortains Mal.
Ihr widerstrebt das Warten, das Nichtstun und sie hadert immer mehr mit ihrem Glauben an Mortain. Doch wenn sie keine Tochter des Todes wäre, müsste sie dann nicht zugeben, die Tochter d’Albrets zu sein, die „Tochter des Verräters“? Das könnte sie niemals akzeptieren.

Mit immer größer werdender Distanz zu ihrem Auftrag und zum Kloster wägt sie es ab, ihre Seele zur ewigen Hölle zu verdammen und d’Albret ohne Mortains Mal zu töten. Doch ihr Herr hat andere Pläne und ein neuer Auftrag vom Kloster erreicht sie: Sie soll „die Bestie“ de Waroch aus der Gefangenschaft im Kerker d’Albrets befreien.

Doch das gelingt nicht ganz ohne Zwischenfälle…
Mir hat Band 1 der Novizinnen rund um das Kloster St. Mortain und die von Robin LaFevers geschaffene Welt des 15. Jahrhunderts sehr gut gefallen. Insbesondere habe ich die Protagonistin Ismae geliebt und die doch sehr humorvollen Dialoge mit Duval. Doch leider spielen diese im Fortsetzungsband nur eine klitzekleine Nebenrolle.

Eine Mit-Novizin, die mir bereits in Band 1 aufgefallen war, erzählt in „Dark Triumph“ ihre Geschichte. Sybella, „die Tochter des Verräters“. War sie im ersten Band noch von zahlreichen Geheimnissen umgeben, erzählt nun sie aus der Ich-Perspektive in Gegenwartsform von ihrem Leben.

Ich muss sagen, der Einstieg fiel mir wahnsinnig schwer. Erneut in die komplexe historische Fantasy-Welt einzutauchen, mit all ihren Baronen und Edelleuten, Beziehungen und kriegerischen Absichten untereinander war nach der langen Wartezeit ein beinahe endloses Unterfangen. Es wurden nur wenige Tatsachen wiederholt, da sich die erzählende Perspektive gewechselt hat. So hatte ich lange damit zu kämpfen, wieder mit Haut und Haar in die Geschichte einzutauchen.

Sybella hat sich wieder ihren höfischen Pflichten gewidmet, schafft es dank ihrer Spionage im letzten Moment, Ismae und die Herzogin zu warnen. Ihr Bruder Julian jedoch entdeckt sie und sie muss ihr Können in männlicher Verführung trotz Widerwillens immer wieder auffrischen.
Sybella kommt vor allem im ersten Drittel nicht an ihre „Vorgängerin“ Ismae heran. Sie war für mich nicht greifbar, die Distanz war zu groß, ihre stetigen Glaubenszweifel wirkten ab einem gewissen Punkt übertrieben und nicht mehr authentisch und zogen sich daher gefühlte Ewigkeiten hinaus.
Ab dem Moment der Flucht, dem wahren Erkennen des Inhaftierten oder besser gesagt dessen Familienverhältnisse, kam sie mir näher. Der Zweifel an Mortains Gunst war immer noch vorhanden, neue Gewissenskonflikte kamen hinzu, doch in ihr tut sich noch mehr. „Die Bestie“ wird mehr als nur ein alltäglicher Auftrag für Sybella.

Mein „Konflikt“ mit Sybella ruht vermutlich daher, dass ich sie nicht verstehen konnte. Ich wusste nicht (mehr?), warum sie in bestimmten Situationen auf ihre Art und Weise reagierte. Erst als sie sich de Waroch öffnet, ich die Wahrheit erfuhr, machte für mich alles einen Sinn und gegen Ende hatte ich sogar ein richtiges Aha-Erlebnis.

„Die Bestie“ de Waroch ist mir richtig ans Herz gewachsen. Das so oft als dermaßen hässlich beschriebene Gesicht wollte einfach nicht mit dem tollen Menschen einhergehen, den er meinem Gefühl/Eindruck nach darstellte. Stark wie ein Tier und doch sanft wie ein Lamm.

In „Dark Triumph“ lernte ich den Grafen d’Albret näher kennen, als mir lieb war. Seine Grausamkeit kennt keine Grenzen, seine Intrigen und scharfsichtigen Pläne sind erbarmungslos. Doch Sybellas Unmut zum Trotz zeigt sich bei ihm Mortains Mal nicht. Doch auch das hat seinen Grund.

Ein weiterer besonderer und sehr undurchsichtiger Nebencharakter ist Julian, Sybellas Bruder und Vertrauter des Grafen. Ich war stets hin- und hergerissen, ob er nun für oder gegen seinen Vater war, ob er Sybella liebte, wie er sagte, oder aus Eigennutz handelte. Wie weit treibt ihn die Liebe zu seiner Schwester?

Wie bereits erwähnt, passiert der Löwenanteil des Buches in der zweiten Hälfte. So zog sich der erste Teil sehr in die Länge und gemischt mit dem schwierigen Einstieg musste ich regelrecht kämpfen, um weiterzukommen. Was danach kam, Sybellas innere Veränderung, die zarten Emotionen und die großen Erkenntnisse versöhnten mich aber wieder schnell mit Robin LaFevers' Werk. Gegen Ende hin jagt eine Offenbarung die nächste und die einzelnen Puzzleteile geben das Gesamtbild der „Tochter des Verräters“ und auch des „dunklen Triumphes“. Doch der Kampf ist noch nicht vorbei…
Der zweite Teil von Robin LaFevers „His Fair Assasin“-Trilogie konnte mich nicht so sehr überzeugen wie sein Vorgänger. „Dark Triumph“ erzählt von der Entwicklung der aufsässigen Novizin Sybella, ihre ganzen Hintergründe erfährt man aber erst sehr spät. Von daher fehlte mir lange Zeit der Bezug zur Protagonistin. Die erwarteten Emotionen, die das Zitat auf der Buchrückseite verspricht, setzen ebenfalls sehr spät ein. Dafür wurde ich ab der zweiten Hälfte von den Wendungen und Erkenntnissen mitgerissen, fieberte und hoffte mit Sybella und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. In Summe gibt es daher 3 Bücher für „Die Tochter des Verräters“.

Für alle Fans des ersten Bandes eine klare Empfehlung. Ich rate jedoch, noch einmal Zusammenfassungen von „Grave Mercy“ zu lesen oder sogar einen Re-Read zu starten, um schneller in die fantastisch-historische Welt eintauchen zu können.
1. Grave Mercy (Rezension)
2. Dark Triumph
3. Mortal Heart
(voraussichtlicher Erscheinungstermin engl.: 2014)



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Kommentare:

  1. Ui na da bin ich ja jetzt gespannt. Ich hab den ersten Teil geliebt, mal schaun wie mir die Fortsetzung gefällt.
    Aber wieder mal eine tolle Rezension :)

    Sonnige Grüße!

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    1. Grave Mercy war ja wirklich toll... Vor allem die Dialoge und die Annäherung von Ismae und Duval <3

      Dasselbe Feeling hatte ich hier erst nach der ersten Hälfte - leider :'(

      Ganz viel Sonne zurück :-)

      lg
      Steffi

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  2. Oh schade. Naja, mal schauen, vielleicht gefällt es mir ja besser als dir. Und absolut vernichtend ist die Rezension ja nun auch nicht gerade xD

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  3. Vielleicht findest du ja besser rein als ich... Ab dem Moment war es ja wieder großartig :-)

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  4. Ich habe Teil 1 noch nicht gelesen, da mich der Inhalt einfach nicht so anspricht. Eventuell kaufe ich mir das Buch dann mal gebraucht. :)

    Schöne Rezension <3

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    1. Band 1 war wirklich toll... die historische Kulisse, tolle Charaktere, eine fantastische Idee

      solltest du doch noch Lust darauf verspüren, dann lies beide hintereinander, ist sicherlich leichter :-)

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  5. Vom Titel und Cover her hätte ich nicht gedacht, dass das die Fortsetzung zu Grave Mercy ist ...so hätte mich das nämlich gar nicht angesprochen :D

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    1. Grave Mercy hat mich auch optisch RICHTIG angesprochen - dann der tolle Klappentext (und der Inhalt war ja auch gigantisch)... Aber wenn ich nicht über den Autorennamen gestolpert wäre, hätte ich es auch nicht als Band 2 zuordnen können :(

      Das wirkt so etwas "anders", dieses Cover :-(

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  6. Ich versteh all Deine Kritikpunkte, aber hab trotzdem volle Punktzahl vergeben :) Sybella und de Waroch haben mich im Nachhinein doch so begeistern können <3

    Lieben Gruß

    Rica

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    1. Das freut mich <3
      Ich konnte das anfängliche 'zum Lesen zwingen' einfach nicht bei der Beurteilung vergessen - die beiden fand ich aber auch genial ;-)

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Steffi & Kay