Donnerstag, 30. Mai 2013

♀ Innerste Sphäre (Sarah Fine) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Aber alles, was ich sah, war das Selbstmordtor, das sich für mich auftat, mich heimrief. Das tat mir mehr weh als er. Weil ich jetzt wusste, dass der Tod kein Ausweg war.“
(S. 21)

„Das einzige Geräusch, das mit Kraft widerhallte, war das Kreischen und Scheppern des Tors, wenn es weit aufschwang und die Selbstmörder willkommen hieß.“
(S.53)
Lela hat so ziemlich alles mitgemacht, was man sich vorstellen kann, im negativen Sinn. Von einer Pflegefamilie zur anderen weitergereicht wurde sie misshandelt, missbraucht und war sogar im Jugendgefängnis.
An der neuen Schule sollte es anders werden. Als die Schulschönheit Nadia Hilfe braucht, steht sie ihr zur Seite – und es entwickelt sich eine Freundschaft, die über den Tod hinaus erhalten bleibt. Nadia hat Lela zu einem besseren Menschen gemacht, ihr eine Zukunft geschenkt und sie vor einer weiteren Flucht bewahrt. Lelas Selbstmordversuch vor zwei Jahren hat schreckliche Folgen. Im Beinahe-Tod hat sie die Tore jener dunklen Stadt gesehen, in der die Selbstmörder wohnen. Lela sieht die Stadt jede Nacht in ihren Träumen.
Nach Nadias Rückfall in ihren Tabletten-Konsum kommt es zu einem Streit zwischen den beiden.
Am nächsten Tag ist Nadia tot. Sie ist in der dunklen Stadt, Lela konnte im Traum durch Nadias Augen sehen. Was dort aber vor sich geht ist düsterer als geahnt.

Lela will Nadia helfen. Dabei kommt es zu einem Unfall und sie stirbt ebenfalls. Als Unfalltote kommt sie aufs Land, quasi in den Himmel. Dennoch denkt sie an Nadia und hält an ihren Plänen, sie zu retten, fest. Nur mit welchen Konsequenzen?
Manche Bücher machen einfach neugierig. So ging es mir mit „Innerste Sphäre“. Die Geschichte klingt so anders und besonders, das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

„Anders und besonders“ trifft es im Übrigen sehr gut. Eine Geschichte, die im Jenseits spielt, kann eigentlich nicht gut beginnen, oder? So war klar, dass mich die Charaktere sehr bald mit dem Tod konfrontieren.
Aber auch die Protagonistin selbst ist alles andere als langweiliger Durchschnitt.

Lela musste in ihrer Vergangenheit sehr viel leiden. So viel, dass sie als einzigen Ausweg die Flucht in den Freitod sah. Dass dieser KEIN Ausweg ist, hat sie sofort bemerkt, als die dunkle Stadt nach ihr rief. Seitdem versucht Lela stets die Kontrolle und einen klaren Kopf zu behalten, weil sonst die Stadt erneut versucht, nach ihr zu greifen.
Aufgrund ihrer Vergangenheit hängt sie an dem ersten Menschen, der an sie glaubt: Ihrer Freundin Nadia. Sie macht sich die größten Vorwürfe, dass sie Nadias Veränderung nicht mitbekommen hat und versucht sie daher zu retten.
Ihre Vergangenheit und insbesondere ihr letzter Pflegevater Rick haben dafür gesorgt, dass Lela Nähe fürchtet, Angst vor Berührungen hat. Doch bei dem menschlichen Wächter Malachi hat sie gegenteilige Wünsche. Sie sehnt sich nach Berührung, nach Nähe und stielt sich sogar einen Kuss.
Lela ist eine sehr charakterstarke Protagonistin, die eine große Entwicklung durchläuft und vor allem Selbsterkenntnis gewinnt. Sie raucht, ist in richtigem Maße sarkastisch und eine echte Kämpferin. Sie muss sich ihren größten Ängsten stellen und zerbricht nicht daran.
Lela neigt ab und an zu seltsamen Handlungen, die etwas übertrieben erscheinen könnten. Das hat mich aber kaum gestört, sollte nur kurz Erwähnung finden.

Malachi ist der Captain der Wächter. Diesen Job haben Menschen inne. Menschen, die eine spezielle Aufgabe haben. Malachi ist eine todbringende Waffe. Er hat sein Ziel und hält konsequent darauf zu… Bis Lela in sein Leben tritt und alles durcheinander bringt, seine Prioritäten neu setzt. Das interessanteste an Malachi ist seine Vergangenheit und der Aha-Effekt, als man endlich mehr über die Wächter-Sache erfährt. Ihr dürft euch freuen.

Nadia hat natürlich eine nicht ganz unwichtige Rolle in „Innerste Sphäre“, aber im Prinzip taucht sie während der Haupthandlung kaum auf.

Viel wichtiger ist die dunkle Stadt. Und das Land davor. Frau Fine hat dem Jenseits ihren eigenen Stempel aufgedrückt, ihre Welt ist so detailliert und gut durchdacht, dass man es sich sicherlich verkneifen wird, an Selbstmord auch nur zu denken.
Zahlreiche Details wie die Heraufbeschwörung von Wünschen, dem Versinken in Selbstmitleid, der Suche nach dem, was man braucht und dem Unterschied zu dem, was man will. Die Konfrontation mit den eigenen Ängsten.
Die Autorin legt sehr viel Wert auf die psychologische Seite. Auf die Gefühle und Gedanken und beschreibt diese auf großartige Weise.

Ihr kurzer und prägnanter Schreibstil prägt ein klares Bild der dunklen Stadt und schafft eine düstere, bedrohliche Atmosphäre. Die depressive Art der Bewohner ist stets präsent, wie auch die der „Gegenseite“. Für die Prise Humor, die die Geschichte würzt und niemals deplatziert ist, sorgt Lelas Sarkasmus.

Den Spannungsfaden webt Frau Fine gekonnt in ihre Geschichte ein, lässt ihn niemals abreißen, gibt ihm mal mehr, mal weniger Material. Actionreiche Szenen lösen teils emotionale Momente ab, die Spannung ballt sich in Richtung Showdown und bis kurz vor Ende konnte ich nicht abschätzen, wohin mich die Geschichte führen wird.

Auch wenn das Buch als Band 1 betitelt ist, besitzt es einen sehr runden und zufriedenstellenden Abschluss und kann daher auch als Einzelband gelesen werden.
„Innerste Sphäre“ hat mich nicht nur mit seiner durchweg ungewöhnlichen Protagonistin überrascht. Die Welt, die Sarah Fine erschaffen hat, ist anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, auch wenn das „gewisse Etwas“, der „Funke“, einfach nicht ganz überspringen wollte. Deshalb gibt es sehr sehr gute 4 Bücher für die Selbstmordstadt.

Ein Muss für alle Fantasy-Fans, die Neuem und ungewöhnlichen Geschichten offen stehen und es nicht scheuen, in eine düstere, depressive Atmosphäre einzutauchen.
1. Innerste Sphäre
2. engl. Titel: Fractured
(voraussichtliches Erscheinungsdatum: Oktober 2013)



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Kommentare:

  1. Das ist jetzt die 3. super tolle Rezension zu diesem Buch, die ich lese! :D Jetzt bin ich mir noch sicherer als sicher, dass ich es lesen möchte und lesen werde.

    Das hast du wie immer richtig toll geschrieben! <3 Du machst wirklich mehr als neugierig auf das Buch! :O

    Sarkasmus ist immer gut! :D

    Liebste Grüße
    Becca <3

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    1. Sarkasmus forever <3

      Es lohnt sich wirklich, kann da Jan und Shanty nur zustimmen :-) Und die Prota ist soooooooooo anders, das Setting sooooooo neu, dass es einfach Spaß machen MUSS :-)

      lg
      Steffi

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  2. Mir geht es genau wie Becca, ihr habt mich definitiv davon überzeugt, dass ich dieses Buch haben MUSS.

    Tolle Rezi, die so unglaublich neugierig macht, dass ich am Liebsten sofort mit dem Lesen loslegen möchte ;) <3

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    1. Das Mungo-Buch :-)
      Nur du und Becca fehlen noch :-)

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  3. Ui, das klingt aber gut, habe bisher noch gar nichts von dem Buch gehört! Schwups, ab auf die Wunschliste :)

    Liebe Grüße, Lauri :)

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    1. Das war eine Zufallsentdeckung von Jan :-)
      Manche der Englisch-Leser kannten es glaub schon als 'Sanctum' ;-)
      Den Platz auf der WuLi hat es sich verdient!

      Lg
      Steffi

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  4. Mir hat auch das gewisse Etwas gefehlt, mir war der Handlungsablauf zu geradlinig. Aber Teil 2 habe ich mir trotzdem schon vorbestellt :-)

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    1. Dafür ist es endlich mal etwas ganz anderes :-)
      Bin gespannt, ob die Fortsetzung auch übersetzt wird... :-(

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    2. Falls du dir die Wartezeit bis dahin vertreiben willst: auf der Homepage zur Buchserie gibt es Malachis Tagebucheinträge zu lesen, die finde ich ganz spannend :-)

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    3. Das klingt ja sehr interessant.... Danke für den Tipp :-)

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  5. Ich freu mich wirklich sooo sehr, dass dir das buch auch so gut gefallen hat! Kann deine Rezi wieder mal nur unterstreichen, Teil 2 wird dann zusammen gelesen:)

    Glg
    Shanty

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    1. Wenn sie denn übersetzt wird :'(
      Dann gibt es eine mungo-Leserunde ;-)

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    2. Das hoffe ich doch! Sonst müssen wir vllt mal mit dem Zeigefinger drohen :D

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    3. dann wird amazon es natürlich EXTRA für uns übersetzen :)

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  6. Klingt echt toll *-*
    Wandert direkt auf meiner Wunschliste. :)

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  7. Toll wiedergegeben!!!
    Und de Mungo-Leserunde ist eine klasse Idee - da fällt euch doch bestimmt noch etwas spezielles/außergewöhnliches ein! :D
    Ich freu mich, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat! :)
    LG Jan

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    1. Deine Entdeckung, Jan :-)
      Deshalb darfst du dich kreativ ausleben :-P
      Bin schon gespannt ;-)

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    2. Was ist denn eine Mungo-Leserunde??? :-) *ratlosguck*

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    3. Jan hatte die gloriose Idee, unseren Gruppenchat "Die mutigen Mungos" zu taufen... Und der Name ist geblieben >.<

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  8. Klingt ja echt interessant. Dieses Buch kommt definitiv auf meine Merkliste. :)

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    1. Lohnt sich :-)

      Wünsch dir ein wunderschönes Wochenende!

      lg
      Steffi

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  9. Oh das klingt wirklich spannend. Das Buch landet gleich auf meiner Wunschliste :) Danke für die tolle Rezension!

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  10. Von dem Buch hab ich in letzter Zeit auch öfters was gesehen und gehört ^^ Spricht mich auch an...düster ist immer gut und anders sowieso! :D

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    1. Eben... :-)
      Das lohnt sich echt zu lesen :-)

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  11. Wow , das hört sich mal nach etwas ganz anderem an ! Total interessant , das kommt gleich mal auf meine Wunschliste =)

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    1. Muss es mir wohl bald auch besorgen :)


      Auf der Wunschliste steht es ;-)

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    2. Bisher fanden es alle toll :-)

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    3. Da muss ich dann auch zu gehören :D

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  12. Schöne Rezi :) Innerste Sphäre hört sich richtig interessant an. Ich bin ja eigentlich immer auf der Suche nach einer Geschichte, die sich vom Rest abhebt. Ich habs gleich mal auf meine Wunschliste gesetzt.

    Lg Rina

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