Dienstag, 23. April 2013

♀ Eve & Caleb - Wo Licht war (Anna Carey) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Es würde bloß diesen Saal geben, den ekelerregenden Gestank alter Bettpfannen, bis zum Platzen gespannte Haut. Babys, die aus meinem Leib geschnitten, mir entrissen und irgendwo jenseits dieser Mauern hingebracht würden. Ich würde schreiend, blutend und allein zurückbleiben und wieder in einen von Drogen hervorgerufenen Schlaf sinken.“
(S. 31)

„Trotz meiner Ängste, trotz der ganzen Lektionen, in denen man mich über die Gefahren abgefragt hatte, die von Männern und Jungen ausgingen, empfand ich etwas für ihn. Nur für ihn.“
(S. 195)


Eine Epidemie hat große Teile der Bevölkerung dahingerafft. Das Neue Amerika wird von einem König mit eiserner Hand regiert. Er ist der einzige Mann, dem man trauen kann. Er beschützt die Frauen, die von der Seuche mehr getroffen wurden als die Männer und deren Anzahl deutlich geringer ist.

Heute ist Eves Abschlusszeremonie. Sie schließt als Jahrgangsbeste des Mädcheninternats ab und wird bald als Künstlerin tätig sein und Großes schaffen. Für was die Mädchen aber wirklich bestimmt sind, erklärt ihr die Außenseiterin Arden: Nach der Seuche gibt es nur sehr wenig Menschen – also sollen die Mädchen für Nachwuchs sorgen.

Eve, anfangs von einer Lüge Ardens überzeugt, findet einen Beweis für die grausame Wahrheit und fasst einen Entschluss: Sie muss fliehen! Aber hinter der Mauer lauert nicht nur der mögliche Hungertod oder tödliche Horden wilder Hunde; hinter den Mauern in der Wildnis gibt es Männer und Jungen, mit deren Grausamkeit man Eve tagtäglich im Unterricht konfrontiert hat. Ihr Wissen wird von den Banden bestätigt, die sie beobachtet.

Doch einer scheint anders: Caleb, der Retter in der Not, der ihr erklärt, welche großen Pläne man wirklich mit Eve hat…


Ich griff gänzlich ohne Erwartung zu diesem kleinen Buch. Wenn überhaupt, hatte ich die Hoffnung, kurzweilig unterhalten zu werden. „Eve & Caleb“ konnte mich diesbezüglich mehr als positiv überraschen.

Schon binnen des ersten Kapitels wurde ich mit der grausamen Wahrheit konfrontiert: Dass die Mädchen nach der Schule nicht ihre Ausbildung antreten sondern als Menschenzüchter dienen sollen. So wurde vom ersten Moment an ein hohes Maß an Spannung aufgebaut, welche durch das Verschwinden Ardens und später Eves Beobachtungen weiter anstieg. Auch die Flucht hielt sie weiter auf einem hohen Niveau. Daher kann man Frau Carey neben ihrem flüssigen und einfachen Schreibstil durchaus ein gutes Gefühl für Spannung und nervenaufreibende Momente nachsagen.

Ihre Charaktere hat sie recht einfach gehalten, was dem Spaß an der Geschichte aber keinen Abbruch tut.

Die Protagonistin Eve entwickelt sich am meisten. Ist sie auf den ersten Seiten noch voller Stolz ein Teil des Regimes, wird sie ungewohnt schnell zu dessen „Gegnerin“. Ihre eingebläute Angst vor dem männlichen Geschlecht ist stets präsent und war für mich spürbar, ebenso wie die anfängliche Skepsis gegenüber Caleb. Umso mehr freute ich mich über ihre emotionale Entwicklung, die leider oft einen Rückschritt zu alten Denkmustern war. Doch manchmal scheinen diese durchaus ein Fünkchen Wahrheit zu enthalten.

Caleb war mir sofort sympathisch, auch wenn ich durch Eves Augen einen der verteufelten jungen Männer sehen sollte. Er ist amüsant, loyal und steht für andere ein, ganz gleich wie furchtbar die Konsequenzen sind. Ich konnte ihn mir immer besonders gut vorstellen, wenn er sich über die „seltsamen“ Ausführungen von Eve amüsierte. Doch auch er zeigt durchaus Tiefe und hat auch seine ernsten Seiten.

Die Dritte im Bunde ist die Außenseiterin Arden. Sie konnte mich am meisten überraschen. Arden kam später als alle anderen in die Mädchenschule, weil sie – im Gegensatz zu allen anderen – noch Eltern hat.
In der Schule wurde sie anfangs dafür bewundert, doch je mehr „Streiche“ sie gespielt hat, je mehr sie angeeckt ist, desto größer wurde die Barriere zwischen der Vorzeigeschülerin Eve und Arden.
Als sie dann ein gemeinsames Schicksal teilen, nähern sie sich wieder an und Arden vertraut Eve ihr größtes Geheimnis an.

Das Leben der drei Charaktere verbindet sich immer wieder. Durch die gewählte Ich-Perspektive (Vergangenheit) aus Eves Sicht ist der Leser nur aktiver Teil ihres Handlungsstranges, aber auch der Verbleib der anderen wird immer wieder erwähnt.

Frau Careys Geschichte lebt von ihrer Geschwindigkeit und den vielen Geschehnissen auf den 300 Seiten, sodass es sich inhaltsmäßig wie ein „großes Buch“ anfühlt. Zusammen mit Eve raste ich durch die Geschichte, erlebte angstvolle, freudige und emotionale Momente, ehe mich die Autorin mit einem wirklich fiesen Ende zurückließ.
Ich werde die Serie garantiert weiterverfolgen.


„Eve & Caleb – Wo Licht war“ sind 300 kleine Seiten, in denen so viel steht: Eine rasante Geschichte, sympathische Charaktere, spannende und emotionale Momente jeder Art sind perfekte Unterhaltung für Zwischendurch.
Meine Kritikpunkte – der recht seichte Tiefgang und die oftmalige Vorhersehbarkeit – sind nahezu vernachlässigbar. Daher gibt es von mir sehr gute 4 Bücher für „Eve & Caleb“.

Es ist ein Must-Read für Fans kurzweiliger Unterhaltung. Bei dem Preis-/Leistungsverhältnis ist es durchaus eine absolute Leseempfehlung und ein gutes Testobjekt für das Dystopie-Genre.

1.     Wo Licht war
2.     In der gelobten Stadt (Erscheinungstermin: 2013)
3.     engl. Originaltitel: Rise




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Kommentare:

  1. Guten Morgen ihr Lieben,
    Endlich mal jemand, der über Eve & Caleb dasselbe denkt wie ich. Ich fand das Buch nämlich auch richtig gut (auch 4S), nicht der ganz große Wurf, aber doch sehr ansprechend. Das hintere Drittel gefiel mir am Besten und am Ende hatte ich einen dicken Klos im Hals. Ich lese hier auf jeden Fall weiter. Ist auch eine Reihe, bei der wir nicht lange auf die Fortsetzung warten müssen :-)
    LG,
    Damaris

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    1. Bücher müssen ja nicht immer anspruchsvoll oder sonstwas sein. Sie müssen mich unterhalten und Spaß machen - und das haben Eve & Caleb auf jeden Fall geschafft. Ich freue mich auch auf die Fortsetzung.
      Mit dem Ende hatte ich ja so gar nicht gerechnet.

      Liebe Grüße

      Steffi

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    2. Jup, genau. Mir hat das ganze Buch auch großen Spaß gemacht. War einfach schön zu lesen ...

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    3. Ich war nach allen 'durchschnittlichen Meinungen' mehr als positiv überrascht. Einfach klasse!

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  2. Mir hat das Ende gar nicht gefallen!! :O
    Ich muss mir noch überlegen, ob ich weiter lese^^...und IHN mochte ich auch nicht so gerne^^.....Aber die Geschichte hat definitiv Potenzial :)
    LG Jan

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    1. Kay wollte gleich gar nicht lesen, weil der junge Caleb heißt! Aaaah!
      Ich fand das Ende schlimm. Hab bis zu letzten Sekunde gezittert, dass es eine Ausnahme gibt. :-(

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  3. Tolle Rezi! Ich muss mir das Buch nun unbedingt bald mal kaufen! :)

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    1. Für den Preis musst du gar nicht lange überlegen! :-)

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  4. Tolle Rezension! :-)
    Das Buch liegt schon so lange in meinem Regal.
    Ich werde es dann wohl demnächst mal in Angriff nehmen.
    Es hört sich ja wirklich toll an!

    LG Julchen

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    1. Ich hatte wirklich null Erwartung an so ein "kleines Buch" - dafür war es echt genial!!!!

      Viel Spaß dabei!

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    2. Ich habe es gelesen :)
      Und kann dir nur zustimmen :)

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    3. DAS freut mich...
      Jetzt dürfen wir gespannt auf das Herbstprogramm warten :-)

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  5. Hoi Steffi

    Warum habe ich diese Rezi erst jetzt entdeckt? Dabei war ich ja so gespannt, was du zu "Eve & Caleb" sagen wirst ...
    Und ich sehe, wir sind uns recht einig. Für mich war das Buch perfektes Lesefutter, das man einfach lesen - äh verschlingen - und geniessen kann, ohne gross nachdenken zu müssen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und finde es richtig toll, dass es schon bald weitergeht.

    lG Favola

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    1. Jaaaaa! Da freue ich mich wirklich drauf! :-)

      Die Rezi ist im ganzen Welttag-des-Buches-Chaos etwas untergegangen :-(
      Freut mich, dass du sie noch gesucht hast :-)

      lg
      Steffi

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  6. So ganz begeistert war ich ja nicht, aber es ist wirklich eine nette Lektüre für Zwischendurch und der perfekte Einstieg für Dystopien-Neulinge. Das Ende ist sooo gemein! Aber irgendwie weiß ich noch nicht, ob es mir gefällt, dass es so Dystopie-untypisch ist. Normalerweise wird ja im ersten Band immer schon das Fundament zum großen Umbruch gelegt...bin gespannt, wie sich die Reihe weiterentwickelt :)

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    1. Wie bei Breathe ist auch hier schon ziemlich viel im ersten Teil, das stimmt. Aber wenn es sich so rasant weiter entwickelt... PERFEKT <3

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Liebe Grüße

Steffi & Kay