Samstag, 20. April 2013

♀ Dancing Jax 02 - Zwischenspiel (Robin Jarvis) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Es ist keine Religion. Es ist eine Pforte zu einem besseren Lebensverständnis, eine Brücke zu einer weit farbenfroheren und aufregenderen Existenz.“
(S. 27)


Die NBC-Reporterin Kate berichtet live aus Großbritannien und erhält sogar ein Interview, oder wohl eher eine Audienz beim Ismus. Dieser huldigt dem Buch in vollen Zügen und berichtet neutral und dennoch werbend vom Inhalt und erzählt, dass das Buch in mehrere Sprachen übersetzt wurde und kurz vor der Veröffentlichung steht.
Kate warnt die Zuschauer in den USA am Ende ihres Berichtes vor dem Buch. Nach dessen Ausstrahlung drängt ein Mann vor die US-Studiokamera, hält Dancing Jax in die Höhe und huldigt dem Ismus.

Kurz darauf werden alle übrigen „abtrünnigen“ Kinder in Großbritannien in ein Camp gebracht. Auch Kate wohnt der Pressekonferenz bei und ist anschließend Zeuge der Ankunft der zu Umerziehenden. Doch es gibt auch für sie und ihren Kameramann Sam kein Entkommen und so wird Kate zu Columbine, einer Küchenmagd, die sich nach Unerreichbarem sehnt: dem Karobuben. So hat die böse Hexe Haxxentrot leichtes Spiel mit ihr.

In Mooncaster geht jedoch auch etwas anderes um. Etwas Unsichtbares, das auch dem Ismus selbst Sorgenfalten auf die Stirn treibt: Eines der Kinder im Camp ist der Castle Creeper, die größte Bedrohung für Mooncaster und zugleich größte Hoffnung.

Der Ismus transferiert die Punchinellos, die Wächter von Mooncaster in unsere Welt und einen Splitter seiner selbst als Spion in einen der Jugendlichen. Das (Zwischen-)Spiel kann beginnen…


Der „Auftakt“ der Dancing Jax-Trilogie konnte mich mit seiner Andersartigkeit überraschen. Das Ende sah nicht gut für unsere Welt aus und so war ich gezwungen, weiterzulesen.

Und es ist viel passiert: Seit der Veröffentlichung von „Dancing Jax“ ist einige Zeit vergangen. Martin Baxter, für mich einer der herausstechendsten Charaktere in Band 1, kümmert sich um den organisierten Widerstand, verblasst dann aber im Laufe des Buches zu einer Nebenrolle.

Denn die Hauptrollen spielen die Abtrünnlinge, jene Jugendliche, die sich auf keiner Ebene nach Mooncaster ziehen lassen. Sie werden gedemütigt, misshandelt und aufgestachelt – mit einem für den Ismus wichtigen Ziel: der Enttarnung des Castle Creepers.

Von genaueren Beschreibungen sehe ich auch bei diesem 2. Band ab. Die Fülle an Charakteren kann es durchaus mit „Auftakt“ aufnehmen.

Was die Welt außerhalb der unseren angeht, hat Herr Jarvis wieder außerordentlich Fantasie bewiesen und nicht nur seltsame und blutrünstige Geschöpfe erschaffen, sondern auch seiner erschaffenen Welt einen Feind gegeben, der den ein oder anderen Leser nach Enttarnung erschrocken aufkeuchen lassen wird. Aber für Zartbesaitete ist „Dancing Jax“ sowieso nicht geeignet. Getreu der Aussage des Autors in seiner Vita kommt auch „Zwischenspiel“ nicht ohne Tote aus. Doch die Art des Todes ist alles andere als „einfach“. Eine leicht „kranke“ Ader muss man dem Autor schon andichten. Seine Art, die hingebungsvoll-gewalttätigen Punchinellos zu beschreiben, überhaupt ihr gesamtes Auftreten, zeugt von Blutdurst.

Robin Jarvis hat auch in seiner Fortsetzung wieder den gesellschaftskritischen und hinterfragenden Ton angeschlagen: Meinungs-/Wahlfreiheit, Diskriminierung und Rollenverhalten werden auf besondere Weise aufgegriffen und regen zum Nachdenken an.

Sein Schreibstil ist weiterhin nüchtern und klar. Im auktorialen Stil gibt der Erzähler eine immense Anzahl an Charakteren Tiefe, deren Masse zeitweise wieder auf so manchen Leser erdrückend und überfordernd wirken könnte.

Die Episoden, die in der „Welt der Dancing Jacks“ spielen, sind nicht mehr kursiv hervorgehoben, was eine angenehmere Wirkung auf mich hatte. Kurze Zeichnungen, teils in Spielkartenform, mit Beschreibungen lockern den Text auf und erleichtern die Vorstellung.

„Zwischenspiel“ zeigt auf schockierende, brutale Weise menschliches Rollenverhalten. Das Camp erinnerte mich zeitweise an „Das Experiment“. Auf grausame Weise hetzen die vermeintlichen Seiten gegeneinander, verlieren stellenweise den wahren Gegner aus den Augen. Die Camp-Anteile waren mir persönlich irgendwann zu viel, ich hatte mir mehr Episoden aus dem „Königreich der Dancing Jacks“ oder auch dem Rest „unserer Welt“ gewünscht. Dafür hat der Autor aber seiner Ikone Austerley Fellows mehr Tiefe gegeben, indem wir einen kurzen Blick auf seine Vergangenheit erhaschen dürfen.

Der Spannung taten auch die Camp-Szenen keinen Abbruch. Ich fieberte gleich an mehreren Stellen mit, hatte Fragen, nach deren Aufklärung ich brannte: Schafft es „Dancing Jax“ auch, in den anderen Ländern Fuß zu fassen? Was wird aus den Kindern im Camp? Wer ist der Castle Creeper? Warum hat der Ismus Angst vor ihm? Wer ist der Spion?

Meine Fragen wurden beantwortet, doch das Ende bietet wieder einen fiesen Ausblick auf weitere Kriege und ein „kämpferisches Pack“…

Man muss sich auf den gewöhnungsbedürftigen Stil und die brutale, grausame Welt von Robin Jarvis einlassen. Belohnt wird man dafür mit einer „verrückten“ und verzerrten Vision der Übernahme des Bösen. Gesellschaftskritische Aussagen und ein allzu verständliches Rollenverhalten in Stresssituationen geben der blutrünstigen Geschichte zusätzlich Würze. Ich hätte mir neben den sehr ausführlichen Parts über das Camp etwas mehr Fokus auf andere Handlungsstränge gewünscht, war aber dennoch von Robin Jarvis „Zwischenspiel“ wieder gefesselt. Daher sehr sehr gute 4 Bücher für den zweiten Teil der „Dancing Jax“.

Ein Must-Read für all diejenigen, die sich der Faszination von Band 1 nicht entziehen konnten. Es geht noch brutaler, noch grausamer, noch blutiger.

1. Auftakt (Rezension)
2. Zwischenspiel
3. engl. Titel: Fighting Pax?



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Kommentare:

  1. Ich muss die Bücher auch mal unbedingt lesen!! ;)

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    1. definitiv!!! vielleicht gewinnst du es ja - schnell teilnehmen!

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Steffi & Kay