Samstag, 2. März 2013

♀ Zeitenzauber - Die magische Gondel (Eva Völler) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
„Sobald ich diesen Brief fertig habe, will ich ihn verstecken und beten, dass er gefunden wird. Von einem Mann aus dem hohen Norden. Falls sich das verrückt anhört, ist das leider unvermeidlich. Genauer kann ich es nicht ausdrücken. Ich werde den Brief in Wachstuch einwickeln und darauf vertrauen, dass er nicht verschimmelt.“
(S. 8)


Anna ist seit 10 Tagen mit ihren Eltern in Venedig. Diese sind beruflich sehr eingespannt, also zieht sie mit Matthias durch die Gassen. Da entdeckt Anna eine rote Gondel zwischen all den schwarzen. Der Gondoliere kommt ihr seltsam bekannt vor – ebenso wie die alte Frau, die ihr in einem kleinen Laden um die Ecke zu der Katzen-Karnevalsmaske rät.

Beginnend mit der Begegnung mit der seltsamen roten Gondel wird Annas Jucken im Nacken stärker – ein untrügliches Zeichen für große Gefahr.

Kurz vor der jährlichen Regate storica überschlagen sich dann die Ereignisse und Anna stürzt in den Kanal. Ein gutaussehender Junge, der ihr bereits zuvor aufgefallen ist, rettet sie und zieht sie in die rote Gondel. Doch noch bevor Anna wieder aussteigen kann, wird sie von einem gleißenden Licht erfasst – und erwacht im Jahr 1499.
Von einem gewissen Bart wird sie in ein Haus gebracht, in dem bereits ein anderes Mädchen Obdach gefunden hat. Ein Mädchen aus einer anderen Zeit wie Anna, gefangen an diesem Ort, seit nunmehr 5 Jahren.

Auch Anna kann nicht sofort zurück. Denn die Möglichkeit der Rückreise besteht erst beim nächsten Mondwechsel. Doch auch dann klappt der Zeitsprung nicht. Denn es gibt einen wichtigen Grund für Annas Aufenthalt im Jahre 1499…


Ich liebe Zeitreise-Romane. Und trotzdem lag „Zeitenzauber“ eine unglaubliche Zeit lang ungelesen im Regal. Ich kann nicht einmal sagen, warum, aber es hat mir nie direkt zugerufen „lies mich!“. Und das bereue ich jetzt zutiefst.

Ich hatte eine ernstere, vielleicht tragischere Geschichte erwartet. Fragt mich nicht warum, aber auf mich hat das Cover so gewirkt. Dahinter verbirgt sich aber eine rasante Geschichte mit einer gut durchdachten Grundidee, gespickt mit der obligatorischen Romanze.

Frau Völler hat einen frischen, flotten, jugendlichen Erzählstil, der einem die Protagonistin Anna sofort nahe bringt. Gleich nach dem Prolog sitzt der Leser mit Anna und ihren Eltern zusammen und lauscht mehr oder weniger den Ergüssen ihres Vaters, der von seiner Arbeit erzählt. Und genau hier hätte Anna mal besser etwas genauer hinhören sollen, denn so hätte sich das ein oder andere vielleicht ganz anders entwickelt. Vor allem die Bedeutung des von ihrem Vater so oft erwähnten „Anachronismus“ musste Anna am eigenen Leibe erfahren.

Die Autorin hält sich nämlich strikt daran: Die Vergangenheit darf nicht mit Wissen aus der Zukunft in Berührung kommen. So werden Wörter wie „Film“ beim Aussprechen automatisch zu „Kostümstück“ oder „Klo“ zu „Abtritt“, was zu sehr lustigen inneren Monologen führt, als sich Anna mit dieser Tatsache konfrontiert sieht.

Anna gefiel mir vom ersten Moment an. Ich liebe es, wenn ich das Gefühl habe, die Protagonistin würde die Geschichte nur mir ganz persönlich erzählen. Und genau dieses Feeling hatte ich bei Zeitenzauber. Obwohl ich als Leser von Anna, die ihre Geschichte in Ich-Perspektive/Vergangenheit erzählt, nie direkt angesprochen werde, gelang es der Autorin über die „Vorblicke“ eine ganz private Erzählperspektive zu schaffen. So fiel ich direkt in Annas Leben, langweilte mich mit ihr und rümpfte die Nase, wenn sie wieder einmal in der geruchsintensiven Vergangenheit schnupperte.
Anna ist eine selbstbewusste Jugendliche, die mit der nicht vorhandenen Emanzipation in der Vergangenheit ihre Probleme hat. Dennoch passt sie sich schnell an und resigniert nicht. Ihre Entwicklung bestand größtenteils aus dem Einleben in der Vergangenheit und an der Erweiterung ihres Wissens über die geheimnisvolle Zeitreisesache.

Für die Romantikfans wurde eine zarte Liebesgeschichte eingebaut, in deren Verlauf es für Anna mehr als ein Hindernis zu überwinden galt.

Ein für Zeitreiseromane sehr wichtiger Aspekt ist die Kausalität. Frau Völler hat anfangs nebenbei erwähnte Details später (früher?) aufgegriffen und so eine runde Sache geschaffen, an der es diesbezüglich absolut nichts zu bemängeln gab. Durch das anfängliche Desinteresse der Protagonistin an der Arbeit ihres Vaters hat sie so manches „gewollt“ überhört, doch auf diese Art hat die Autorin mein Interesse umso mehr geweckt.

Ich kann nicht genau sagen, was genau mir nicht gefallen hat. Ihr seht, dieser Zeitreiseroman hat „Hand und Fuß“, eine sehr gelungene Schilderung des späten 15. Jahrhunderts in Venedig und eine wirklich fantastische Idee. Trotzdem konnte ich das Buch beiseitelegen (außer an den Kapitelenden, dank dieser fiesen kleinen Vorschauen). Endgültig mitreißen konnte mich Annas Geschichte einfach nicht. Aber dies war reine Bauchsache. Vielleicht lag es daran, dass es für mich stellenweise einfach nicht „passte“:

Die Autorin nutzte einen sehr jugendlichen Stil, um ihre Protagonistin authentischer wirken zu lassen, gleichzeitig wirft diese aber stellenweise mit Fremdwörtern und Wissen um sich, wie es definitiv nicht altersgerecht ist.
Das war jetzt aber lediglich der Versuch einer Begründung meines Bauchgefühls, was zugegebenermaßen nicht ganz so leicht zu interpretieren ist.

Das Spannungsniveau steigerte sich – mit kleinen Ausnahmen – langsam bis zum unvermeidlichen Showdown. Die genannten „Vorschauen“ nutzte Frau Völler als spannungssteigerndes Medium, da sie damit fiese Cliffhanger am Kapitelende tarnte und mich immer wieder aufs Neue zwang, weiterzulesen. Das Ende wartet ohne einen solchen auf, bietet aber einen Ausblick auf Annas weitere Zukunft. 


„Zeitenzauber – Die magische Gondel“ erschließt dem Leser eine ganz neue Dimension. Die wundervolle Kulisse Venedigs, Zeitreisen, Magie, ein Kampf Gut gegen Böse und eine Prise Romantik – all das wurde von Frau Völler in einen wunderbar flüssigen jugendlichen Roman eingebaut, der mich aber dennoch nicht endgültig mitreißen konnte. Daher gibt es an dieser Stelle gute 4 Bücher.

„Zeitenzauber“ ist ein Must-Read für Zeitreisefans (und solche die es werden wollen), die einem jugendlichen Stil nicht abgeneigt sind und über die ein oder andere Kleinigkeit hinwegsehen können.

1.     Zeitenzauber – Die magische Gondel
2.     Zeitenzauber – Die goldene Brücke
(Erscheinungsdatum: 14.03.2013)
3.     ?




Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.


Kommentare:

  1. Ich liebe Venedig als Handlungsort :) Schon das Buch von Brigitte Riebe fand ich super! Ich denke es könnte auf jeden Fall etwas für mich sein, auf der Wunschliste habe ich es schon ;)
    Wunderbare Rezension!! <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Feuer und Glas fand ich auch sehr gelungen, vor allem was das
      Stadtbild angeht.
      Hier wird das alles eher mit 'kindlicher' Leichtigkeit beschrieben, was sehr erfrischend, aber halt 'anders' war :-)

      Könnte dir aber sicherlich gefallen! :-)

      Löschen
  2. Was soll ich sagen? Wie immer eine super Rezension! :)

    AntwortenLöschen
  3. Ach ja, eigentlich kann ich dir nur zustimmen! Es ist nicht mein Lieblingsbuch, es bekam auch "nur" 4 Sterne von mir.
    Aber es hat so was besonderes, das habe ich selten erlebt.
    Also ich muss unbedingt weiterlesen - was ist mit dir?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke, ich muss die Fortsetzung nicht sofort haben, lesen will ich es aber definitiv - sofern die ersten Rezensionen versprechen, dass sich das Niveau mindestens hält :-)

      Neugierig bin ich definitiv!

      Löschen
  4. Jetzt hast du mich aber neugierig gemacht :D
    Die Geschichte hört sich wirklich richtig interessant an. Vielleicht zieht mich auch der Handlungsort einfach nur an. Ich liebe Venedig<3

    Lg Rina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Irgendwie gibt es beinahe nur fantastische Bücher die in Venedig spielen. Bislang ist mir keins untergekommen, das wirklich schlecht war :-)

      Löschen
  5. "Zeitenzauber" ist zwar auch nicht mein absolutes Lieblingsbuch, trotzdem hat es von mir 5 Punkte bekommen! Ich erwarte schon gespannt den 2. Teil und hoffe darauf, dass es an den 1. Band anknüpfen kann! Deine Rezension macht sicherlich viele auf das Buch gespannt - und natürlich auch Venedig als Schauplatz ;)

    LG Anni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist auch wirklich erfrischend gewesen und neugierig auf die Fortsetzung bin ich definitiv. Vielleicht kann sich die Autorin sogar noch steigern. Ein klitzekleines bisschen Luft ist ja noch :-)

      Bin gespannt, was du zur Fortsetzung sagst, bei deiner Begeisterung bist du sicher bei den ersten dabei!

      Löschen
  6. Du hast eine ernste Geschichte erwartet, bei dem Cover?? xD
    Aber tolle Rezension!! As always ;)....mir hat auch das gewisse ETWAS gefehlt. Aber es war so ganz schön! :)
    LG Jan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jaaaaa! Etwas ernstes, dramatisches... Nichts so locker-leicht-jugendliches... Ist irgendwie Kopfsache ;-)

      Aber es war wirklich schön :-))))

      Löschen
  7. Mensch... eure Rezension macht mich richtig neugierig ... die Reihe kannte ich bisher ja noch gar nicht :O

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. dann lies mal in die Leseprobe... Im März kommt dann nämlich schon die Fortsetzung ;-)

      Löschen
    2. Muss ich gleich mal vorbei schauen . Danke :-)

      Löschen
  8. Das Buch habe ich auch letztens gelesen! ;) Ich war allerdings etwas negativer in meiner Bewertung, da ich es manches Mal schwierig fand Annas Handeln mit ihren Gefühlen zusammen zu bringen... Auch hat sich Eva Völler manchmal zu oft auf die Umgebung und ein wenig zu wenig auf die Gefühle konzentriert, aber ansonsten gefällt mir das Buch wirklich. Besonders das Cover, ich LIEBE es einfach :D
    Genauso wie Zeitreisegeschichten :D

    Liebe Grüße lässt euch
    Rubin:)
    da

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das war so etwas was für mich ein typisches 'Kinderbuchanzeichen' ist... Die sind in der Hinsicht ja nicht immer ganz plausibel. Aber unterhaltsam war es durchaus :-D

      Glg
      Steffi

      Löschen
  9. Schön dass dir das Buch so gut gefallen hat, ich habe in dem Buc nicht mehr als Durchschnitt sehen können, aber ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen, da sie mich gut unterhalten konnte.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay