Montag, 25. März 2013

♀ Die Time Catcher (Richard Ungar) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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"Meines Wissens hat das Militär jahrelang geheime Forschungen angestellt, um Zeitreisen möglich zu machen, doch stets vergeblich. Also hatte man das Projekt namens Chronos eingestellt und geplant, alle Aufzeichnungen zu vernichten. Doch der Lastwagenfahrer des beauftragten Müllentsorgungsunternehmens deponierte sämtliche Unterlagen stattdessen in einer Lagerhalle, die er kurzfristig angemietet hatte. Nachdem der Fahrer (der zufällig einen Hochschulabschluss in Quantenphysik besaß) in zweijähriger Nachtarbeit sämtliche hundert Kisten durchforstet hatte, war er imstande, ein eigenes Zeitreisesystem zu entwerfen - und im Gegensatz zu dem des Militärs funktionierte es sogar."
(S. 28)



2061. Alles steht im Zeichen der "Großen Freundschaft" zwischen China und den USA, die im Vorjahr zelebriert wurde. Wohin man auch sieht: Überall in New Beijing, dem ehemaligen New York, ist diese Verbindung zu sehen.
Auch Calebs aktueller Auftrag gehört dazu: Er soll ins Jahr 2060 reisen und den Staatsbesuch des US-Präsidenten in China verfolgen, um im Anschluss daran die Freundschaftsfahne zu stehlen.
Denn Zeitreisen sind möglich. Aber nur für die "Time Catcher" des Mannes, der nur "Onkel" genannt wird und vor Jahren begonnen hat, Kinder einzusammeln und sie das unauffällige Stehlen zu lehren. Denn das Klientel von "Edles für die Ewigkeit" hat ganz spezielle Wünsche und Vorlieben. Für die die Jugendlichen rund um Caleb sorgen.
Aber Calebs Auftrag misslingt und er zieht mehr und mehr den Zorn von Onkel auf sich. Ein Wettlauf um die Gunst/Missgunst von Onkel beginnt und gleichzeitig die Frage, was die Zukunft bringen wird, wenn man stets in der Vergangenheit unterwegs ist.



Nach der ersten Inhaltsangabe von "Die Time Catcher" hörte es sich für mich nach einem absoluten Must-Read an. Durch die Leseprobe konnte ich mir einen ersten Einblick über den Schreibstil machen, der zugegebenermaßen recht jugendlich und dem 13-jährigen Protagonisten angepasst ist. Doch dies konnte mich nicht daran hindern, zu dem Buch zu greifen.

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in dieses von chinesischen Einflüssen dominierte Zukunftsszenario im Jahre 2061 konnte mich die Geschichte von Caleb durchaus mitreißen. Er erzählt in Ich-Perspektive im Präsens und der Leser erlebt so hautnah seine Gedanken und Gefühle. Diese sind altersgemäß etwas "wirr", aber durchaus nachvollziehbar.

Der 13-jährige Protagonist Caleb war mir nicht sofort sympathisch. Durch seine "coole" Art wirkte er auf mich sehr oberfläch. Nach dem "Catch" (Diebstahl) bei der Weltausstellung 1967 änderte sich das. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr erfahren wir über den größten Wunsch von Caleb. Der Wunsch, für den er alles geben würde. Und wir entdecken auch sein Herz - das nicht nur für Abbie schlägt.
Caleb sehnt sich stets nach der Zeit zurück, in der Onkel noch lieb zu seinen "fünf Weltwaisen" war. Mit seinem härteren Durchgreifen kühlten auch Calebs Emotionen. Die nackte Angst bindet die 5 Jugendlichen an ihren Boss. Calebs Erster-Mann-Status gerät ins Wanken und die Intrigen scheinen von jeder Seite zu kommen. Kann Caleb sich aus diesem Strudel der Zeit befreien?

Abbie ist Calebs Teampartner, wenn ein Catch zu zweit durchgeführt werden muss. Calebs Gefühle für Abbie sind schnell eindeutig, aber was genau Abbies Absichten sind, ist nicht so schnell ersichtlich. Ist Abbie wirklich so oberflächlich, dass sie auf Calebs Konkurrenten Mario steht oder ist ihre Freundschaft zu Caleb doch stärker?

Der beste Charakter des Buches war Phoebe, das auf menschlicher DNA basierte Betriebssystem, dessen Launen insbesondere Caleb ausgesetzt ist. Phoebe sorgte mit ihren Stimmungsschwankungen stets für eine Auflockerung der teils angespannten Atmosphäre.

Die Sprache und das gesamte "Wesen" des Buches war recht jung, aber dann liefen wieder so viele Dinge im Hintergrund, die eigentlich ein breiteres Wissen erfordern. Auch die Bestrafungen von Onkel waren für den jugendlichen Stil und das daher von mir gedachte Zielpublikum doch recht brutal. Mir hat es wirklich Spaß gemacht zu lesen, aber diesen Graben konnte ich gefühlsmäßig nicht allzu leicht überwinden.

Der Schreibstil des Autors ist sehr einfach gehalten, die vielen chinesischen Vokabeln störten aber teilweise meinen Lesefluss. Immerhin kann ich jetzt das ein oder andere auf Mandarin "sagen". Die Örtlichkeiten wurden detailreich, aber nicht übertrieben ausgeschmückt, geschildert. So konnte man sich die zeitgemäße Umgebung sehr gut vorstellen.
Der Sprachstil von Herrn Ungar ist wie bereits erwähnt sehr jugendlich, fühlt sich aber dennoch so an, als wäre er nicht dem Protagonisten altersentsprechend. Vielleicht liegt es an der Selbständigkeit von Caleb, aber für mich war es einfach nicht authentisch genug. Spannung hingegen wusste der Autor durchaus altersgerecht zu vermitteln. Es handelt sich nicht um eine gebannte, fesselnde Spannung, die beinahe ins Unerträgliche reicht, sondern eher eine überaus starke Grundneugierde und einer Abfolge von Spannungs- und Erholungsmomenten.

Das Ende war für mich doch überraschend, aber durch Hinweise, die ich während der Geschichte erfahren habe, kann ich mir durchaus vorstellen, dass und wie es weitergehen könnte.



"Die Time Catcher" ist ein Science-Fiction-Zeitreise-Abenteuer mit besonderem jugendlichem Charme. Die einfache Erzählweise des Protagonisten Caleb divergiert mit dem detailreichen Hintergrundwissen zu China und der sporadischen Brutalität. Die "Moral" der Geschichte war jedoch wieder ganz in meinem Sinne. So pendelte "Die Time Catcher" stets zwischen drei und vier Bewertungspunkten hin und her und hat die Vier am Ende knapp verfehlt. Ich belohne diesen kurzweiligen und interessanten Trip ins Jahr 2061 und viele weitere Jahre mit sehr guten 3 Büchern.

Es ist ein absolutes Muss für China-Fans, die sich im Sci-Fi- und Zeitreise-Bereich wohlfühlen.


bislang als "Time Catcher 01" betitelt vermute ich, dass es weiter gehen wird



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Kommentare:

  1. Deiner Ausführung nach handelt es sich um eine sehr interessante Aufmachung. Ich bin neugierig geworden, gerade durch die stilistischen Gegensätze, die du ansprichst. So etwas mag ich.

    Viele Grüße,
    Kora

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    1. es fiel mir hier wirklich schwer, mich auf das "Zielalter" einzustellen, womit ich ansonsten absolut keine Probleme habe...
      Aber es hat mich definitiv gut unterhalten :-)

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  2. Ich finde, das Cover hört sich richtig toll an - wenn das Cover nur nicht so schrecklich wäre. Ich denke, ich werde es irgendwann mal lesen, auch wenn du leider nur 3 Bücher dafür liegen lassen konntest.

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    1. Das Cover haben sie vom Original übernommen... Ich glaube es soll auch eher jüngere ansprechen - aber da war ich wie gesagt wieder etwas skeptisch.
      Ich wollte es ursprünglich für Colin, aber da ist es stellenweise echt zu brutal :-(

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  3. Hallo, ich habe gestern den ersten Teil gelesen und muss sagen, dass er mich ebenfalls gut unterhalten hat. Nun werde ich mir den 2. Teil Time Trapped auf Englisch organisieren, da dieser nicht auf Deutsch erschienen ist. Aber ich bin schon gespannt!

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    1. Ich glaube, das ist in Deutschland zu schlecht gelaufen. Daher wurde es nicht weiter übersetzt.

      Liebe Grüße

      Steffi

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  4. Schade, der 2. Teil geht spannend weiter. Nur soviel sei verraten, Caleb wurde von Onkel aufgespürt und in die Zukunft zurückgeholt. Auch wenn das Buch in Englisch geschrieben ist, so kann man mit mittelmäßigen Englisch den Inhalt gut erfassen.

    Ich kann es euch also nur empfehlen, falls Ihr es noch nicht gelesen habt.

    Viele Grüße

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    1. Vielleicht greifen ich oder die Kinder wirklich irgendwann zu :-)

      Danke :-)

      Liebe Grüße

      Steffi

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Steffi & Kay