Samstag, 23. Februar 2013

♀ Wispernde Schatten (Daniel Blythe) [Rezension]

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"Wir sehen Dinge, die wir nicht sehen sollen", sagt er sanft. "Wir wissen Dinge, die wir nicht wissen sollten."
[...]
"Geheimnisse," sagt Miss Bellini, "am Rand dessen, was man Realität nennt."
(S. 49)

"Da ist ein Blitz aus Dunkelheit, ein Schmierfleck auf der Oberfläche der Realität, sowie eine Kälte und ein Kreischen in meinem Kopf. Meine Augen sind weder geschlossen noch offen, aber es fühlt sich an, als würde ich wach träumen, hier mitten auf der Straße. Ich bin außer Atem und mir ist heiß."
(S. 177)



Seit Miranda vor drei Wochen aus London weggezogen ist, hat sie denselben Traum von dieser Erscheinung, die sie "Schatten" nennt und sie in die Schlaflosigkeit treibt.

Hier in Firecroft Bay, dessen Wortursprung "Bösartigkeit" ist, scheinen die Schatten überall.

Am ersten Schultag auf der Busfahrt beginnt der Bus plötzlich von innen heraus zu gefrieren. Nur vier Schüler scheinen sich etwas mehr Gedanken darüber zu machen. Und genau diese Schüler mustern Miranda mehr als aufmerksam. Sie ist genervt davon und verfolgt die Gruppe - und findet sich in einer Art Hauptquartier wieder. Miranda wurde bereits erwartet. Cal, Olli, Josh, Lyssa und die Lehrerin Miss Bellini klären Miranda auf und erzählen ihr, was in der Welt, speziell in Firecroft Bay, wirklich vor sich geht: Hier bündeln sich übernatürliche Kräfte, unerklärbare Phänomene häufen sich - und die Kids rund um Miss Bellini gehen diesen auf den Grund.

Miranda zweifelt trotz ihrer Erlebnisse an der Gruppe - bis etwas geschieht, das dazu führt, dass sie sich ihnen anschließt...



Nach dem ersten kurzen "Warmwerden" mit dem Schreibstil konnte mich der Autor sofort in seine Geschichte reißen. Schon im ersten Kapitel wird man mit der mysteriösen Atmosphäre vertraut gemacht, mit seltsam-schaurigen Erscheinungen, die noch nicht näher bezeichnet sind. So nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und ließ mich durch die Seiten rasen.

Sicherlich hat Herr Blythe hier kein unbekanntes Thema aufgegriffen, aber die Umsetzung ist ihm durchaus gelungen. Von Anfang an streut er mysteriöse und unheimliche Saatkörner aus, die im Laufe der Geschichte wachsen und gedeihen können und die Spannung immer mehr ansteigen lassen. In bester Thriller-Manier führt er den Leser auf falsche Fährten. Auch wenn es für mich als "älteren" Leser oftmals zu nicht allzu überraschenden Wendungen kam, genoss ich das Lesen durchaus.

Der Schreibstil des Autors ist wie bereits erwähnt sehr jugendlich: Kurze Sätze, viel wörtliche Rede und der typische "Jugendslang" ließen mich stellenweise an der Glaub- und Ernsthaftigkeit der Geschichte etwas zweifeln, für die Leser ab 12 dürfte es aber umso authentischer wirken. Die jungen Charaktere unterstützen diesen Eindruck noch:

Sie sind nicht sehr tiefgründig, aber für die Zielgruppe sicherlich ausreichend beschreiben und ausgestaltet. Durch verschiedenste familiäre Hintergründe findet sich sicherlich jeder Jugendliche in einem der Hauptcharaktere wieder und kann einen Bezug herstellen:

Da wäre die 12-jährige Protagonistin Miranda, die nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter nach Firecroft Bay gezogen ist. Sie ist abgesehen von ihrer starken Intuition, wie es die Gruppe nennt, eigentlich ein normaler Teenager: Sie fährt Skateboard, ist durchschnittlich gut in der Schule, ist auf der Suche nach einer besten Freundin und stets in einer Zerrissenheit zwischen Vertrauen und Misstrauen.

Sie ist nicht gerade zufrieden über den Umzug nach Firecroft Bay und vermisst ihren Vater schrecklich. In Jade findet sie schnell eine Freundin, doch das "große Geheimnis" kann sie nicht mit ihr teilen.

Die anderen Charaktere der Gruppe haben ebensfalls sehr typische Merkmale:
Callista, kurz Cal, die besserwisserische, überhebliche "Führungsperson", deren Eltern die Arbeit wichtiger ist als die Tochter.
Allyssa-May, kurz Lyssa, das 9-jährige Genie aus den Sozialbauten.
Oliver, kurz Olli, der Computer-Nerd, der jede Firewall und jeden Code knackt.
Josh, der von etlichen Schulen geflogen ist und nun endlich seinen Platz gefunden zu haben scheint.

Gemeinsam "kämpfen" die Jugendlichen durch die von Daniel Blythe erschaffene Welt mit Geistern und Dämonen. Des Öfteren habe ich mich nach spezifischen Antworten und etwas mehr Plausibilität gesehnt, drängte es aber mit steigender Spannung zurück und war am Ende doch insgesamt sehr zufrieden.



Wäre "Wispernde Schatten" nicht stellenweise etwas gruselig gewesen, hätte ich Daniel Blythes Geschichte als "Ghostbuster" oder "Akte X" für Kinder bezeichnet. Die 12-jährige Protagonistin und ihre jugendlichen Freunde unterstützen diesen Eindruck mindestens genauso wie der sehr junge Schreibstil, der oftmals von "Jugendslang" durchsetzt ist. Ich hatte aber trotzdem außerordentlichen Lesespaß und vergebe für die spannende, kurzweilige Geschichte knappe 4 Bücher.

Für erwachsene Leser, die sich nicht an der Jugendsprache stören, eine kurzweilige Unterhaltung, eine klare Leseempfehlung für die Zielgruppe. Wer lesebegeisterte Kids ab 12 kennt, die sich gerne ein wenig gruseln und sich "den Schatten stellen" wollen, sollte ihnen zu "Wispernde Schatten" raten.




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Kommentare:

  1. Echt tolle Rezension!
    Mensch, du machst mich immer so extrem gespannt auf sämtliche Bücher, die du vorstellst. :D Meine WuLi wird jedes Mal länger, wenn du ne Rezi postest. xD

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    1. Hier musst du halt eindeutig schauen, ob dir der jugendliche Sprachstil liegt. Schau dir mal die Leseprobe an... Sollte dir diese zusagen, kannst du mit dem Buch nichts falsch machen :-)

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  2. Klingt nach jugendlich-mysteriöser Unterhaltung. Eine schön bildhafte Rezension, wie ich finde. Fühle mich sofort angesprochen.

    Danke & beste Grüße,
    Kora

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    1. Freut mich immer, wenn ich jemanden neugierig machen kann :-)

      Liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende!

      Steffi

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  3. Eine sehr schöne Rezi, leider habe ich alles lesemuffel bei mir im Haus. Aber vielleicht lese ich selber das Buch irgendwann mal :)
    Lg Simona

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    1. Ich persönlich lese ja immer wieder zwischendurch "Kinderbücher", allein damit ich mit Sohnemann mitreden kann.

      Und ich muss sagen: Ich genieße es. Klar sind sie nicht so tiefgründig, spannend bis zum geht nicht mehr oder gruselig und brutal bis zum Umfallen.

      Aber sie sind oftmals mehr als nur "nett"... einfach "leichte Kost für Zwischendurch" - Wer will schon immer ein 5-Gänge-Menü :)

      Liebe Grüße

      Steffi

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  4. In den meisten Punkten ging es dir ja wirklich wie mir! :)
    Aber du bist wahrscheinlich wirklich eher an den "Stil" gewohnt und kommst damit besser klar ;)....aber schlecht war es ja nicht, halt nett^^
    LG Jan

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  5. Also das klingt ja schon mal spannend :)
    Ich hätte auch Lust das zu lesen, aber mal schauen xD
    Aber durch eure Rezensionen will ich immer mehr Bücher kaufen x3

    LG, Toubi

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  6. Schöne Bücher, die ihr immer rezensiert ;)
    Die Handlung hört sich schon mal spanennd an. Ich hätte auch Lust es zu lesen, aber ob ich es mir kaufen werde... Vielleicht warte ich ab, ob es in unserer Stadtbücherei aufgenommen wird.

    Lg Rina

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    1. ein Must-Read ist es für dich vermutlich nicht, da bist du doch schon "zu groß" :-)
      Aber Spaß macht dir die Geschichte sicherlich auch noch so wie mir.

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  7. .lach. der jugendliche Sprachtstil scheint da ja wirklich sehr ausgeprägt zu sein.. daran scheinen sich einige ein wenig zu stören :/ Bin ja schonf ast ein wenig neugierig, wie sich das Jugendliche da so streng bemerkbar macht..

    Wie immer eine tolle Rezension!
    Liebe Grüße (:
    Nana

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    1. Lies mal in die Leseprobe... :-)
      Und wenn dich das nicht stört, kannst du ganz beruhigt zu dem Buch greifen :-)

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  8. Schöne Rezension. Bin genau deiner Meinung. Schönes Buch, jedoch mehr für junge Jugendliche :) Trotzdem hats mir recht Spaß gemacht.

    LG Jonas

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  9. Tolle Rezension . Als ich das Buch gesehen habe dachte ich so ... ne nichts für mich und auch der Klappentext konnte mich nicht überzeugen .Deine Rezension schon :D !

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Liebe Grüße

Steffi & Kay