Montag, 25. Februar 2013

♀ In dieser ganz besonderen Nacht (Nicole C. Vosseler) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
"Ich konnte mich nicht erinnern, mich schon einmal einem Jungen so nahe gefühlt zu haben. Innerlich nahe, als ob etwas in uns beiden im selben Rhythmus, auf derselben Wellenlänge schwang."
(S. 138)

"... aber eines weiß ich ganz gewiss: ich hab noch nie für ein Mädchen empfunden, was ich für dich empfinde. Denn das könnte ich nie vergessen. Bis in alle Ewigkeit nicht."
(S. 283)



Amber muss nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrem Vater nach San Francisco ziehen. 704 Tage bis sie 18 wird. 704 Tage außerhalb ihrer gewohnten Umgebung.
Ihr Vater hat sein bestmöglichstes getan, um ihr den Start so einfach wie möglich zu machen, aber Amber vermisst ihre Mutter, ihr Zuhause, ihre Freunde.
In der neuen Schule knüpft sie schnell oberflächliche Kontakte, wird Zeuge des Anhimmelns von Schulschwarm Shane. Und immer wieder trifft sie diesen Jungen mit den veilchenblauen Augen, der völlig fassungslos auf ihre Ansprache reagiert.

Als sie sich eines Abends in der Stadt verlaufen hat, kann Amber drei finsteren Typen gerade noch so entkommen - und landet bei diesem alten, leerstehenden Haus. Einem Gefühl folgend, als hätte sie etwas Wichtiges vergessen, geht sie wieder zu diesem Haus in der Franklin Street. Wieder und wieder, um ihre Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit zu befriedigen, die dort immer sofort über sie kommen.

Dort trifft sie eines Tages auf Nathaniel, einem scheinbar obdachlosen jungen Mann, seiner Kleidung nach zu urteilen. Seine wahre Identität gibt er aber erst preis, als Amber schon ihr Herz verloren hat.



Heute fangen wir einmal hinten an:
Ich bin immer noch geplättet von dem gefühlvollen, tollen, fantastischen Ende! Es war mehr als genau nach meinem Geschmack und ich konnte mich so schön mitreißen lassen von dem Drama, der Spannung, den Emotionen, dass ich einfach nur so durch die Seiten raste, ehe ich mich an einem perfekten Ende erfreuen konnte.

Doch erstmal von vorn. Nach einem beeindruckenden Prolog, in dem die Protagonistin Amber erzählt, wie in ihrem letzten Herzschlag das letzte Jahr an ihr vorüberzog. Das Jahr, in dem so vieles passiert ist: Der Tod ihrer Mutter, der Umzug nach San Francisco, neue Freunde und ihr Seelenverwandter Nathaniel. Immer wieder bringt Amber, die den Großteil der Geschichte in Ich-Perspektive/Vergangenheit erzählt, dieses wichtige Detail wieder zur Sprache, in dem sie wie eine kleine "Vorschau" ihren Tod erwähnt.

Nach diesem tollen Einstieg ging es aber sehr lange Zeit eher ruhig zur Sache... Ich lernte die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten, das amerikanische Schulsystem, andere Gebräuche und Alltagsdinge in den USA ausführlich kennen, während die Autorin Teilchen ihrer eigentlichen Geschichte wie Brotkrumen streut, denen ich gerne gefolgt bin. Dachte ich mir zwischendurch noch, ob das ein oder andere Erwähnte wirklich notwendig oder lediglich ausschmückender Art war, griff Frau Vosseler diese Dinge später wieder auf und rundete die Geschichte wundervoll ab.

Die Charaktere sind tiefgründig und allesamt besonders. Dies führt die Autorin dem Leser aber auch erst nach und nach vor Augen.
Die Protagonistin Amber bietet das größte Spektrum an Gefühlen. Durch ihre Ich-Perspektive wurde von Beginn an eine besondere Beziehung zwischen ihr und mir geschaffen. Ambers Mutter starb an einem Tumor, bis zuletzt blieb Amber an ihrer Seite. Nun steht sie gefühlt ganz allein in San Francisco, ist nicht mehr in Deutschland zuhause aber auch nicht bei ihrem Vater. Sie steht immer zwischen allem, gehört nicht nach hier und nicht nach dort. Das zieht sich durch das ganze Buch, immer auf anderen Ebenen oder auf andere Situationen bezogen.

Um Ambers Albträume unter Kontrolle  zu bringen, wird sie von ihrem Vater zu Dr. Katz geschickt, einer Psychotherapeutin, die aus Ambers Sicht zu viele Fragen stellt und nie Antworten hat. Ihre Entwicklung sieht man an den Gesprächen mit Dr. Katz, der sie dann doch die ein oder andere "verschlüsselte" Information entlocken kann, auch wenn sie ihr wahres Problem nicht offenbaren kann: Die unüberwindbare Distanz zu Nathaniel.

Nathaniel ist ein Geist, wie schon dem Klappentext zu entnehmen ist. Seit etlichen Dekaden sitzt er körperlos in San Francisco fest. Ohne Erinnerung an sein damaliges Leben. Doch er muss etwas Furchtbares verbrochen haben, dass seine Seele nicht weiterreisen durfte. Oder gibt es Ausnahmen? Auch zu ihm stellt die Autorin eine besondere Verbindung her, in dem sie kursiv-gedruckte Kapitel aus seiner Sicht einstreut und so von Schmerz und Leid, Liebe und Hoffnung alles ohne Umschweife widergibt.

Von der Beziehung zwischen Nathaniel und Amber war ich begeistert. Die Stärke der Autorin liegt eindeutig bei den Emotionen. Ich fühlte alles, spürte jede Gefühlsregung der Protagonisten, konnte diese unerwünschte Distanz zwischen Amber und Nathaniel fühlen, konnte die alles erdrückende Sehnsucht in mich aufnehmen bis auch ich alles versucht hätte, jede Möglichkeit ergriffen hätte, diese zu stillen. Bis zur allerletzten Seite fand ich mich in diesem emotionalen Rausch, wie es lange kein Buch mehr geschafft hat.

Klappentext und Titel geben meiner Meinung nach schon zu viel des Buches preis. Bis es zu den Plänen für "diese besondere Nacht" kommt, dauert es knapp 300 Seiten. Ich hätte mir diesen Teil wesentlich kürzer gewünscht und das letzte Drittel lieber in die Länge gezogen. Hier überschlagen sich die Ereignisse, es passiert so viel und findet dann schon beinahe zu schnell ein Ende. Durch die Inhaltsangabe hatte ich mir auch einfach ein Vielfaches mehr an Handlung versprochen (wenn schon der Kurztext soooo gut klingt!).

Den Schreibstil der Autorin kann man nur als bildreich beschreiben. Frau Vosseler hat sich als Setting für ihre "Geistergeschichte" San Fransisco ausgesucht und überdetailliert die gesamte Umgebung beschrieben, wie auch sämtliche andere Örtlichkeiten. So detailliert, dass es absolut keinen Raum für die eigene Fantasie und Vorstellungskraft gab, was mir zeitweise ein echtes Problem bereitete, da mein erstes "inneres Bild" durch die ausschweifenden Details ständig "verschoben" und umgeändert werden musste, wobei ein Teil des Lesegenusses auf der Strecke blieb.

Durch diesen "Umstand" spürte ich die sacht ansteigende Spannung beinahe gar nicht. Die Geschichte dröppelte vor sich hin. Die Beziehung mit Nathaniel war sehr schön, aber auch nicht direkt mitreißend. Richtig interessant und nach und nach zum Pageturner wurde es für mich, als die "Beziehungsprobleme" begannen. Ich fieberte und hoffte (für alle Beteiligten), ich wurde schockiert, überrascht und einfach nur umgehauen.



Potentielle Leser dürfen sich von dem sehr weitreichenden Klappentext nicht irritieren lassen. In Erwartung der Geschehnisse des Kurzinhalts zog sich der Einstieg und der Mittelteil sehr in die Länge. "In dieser besonderen Nacht" konnte mich daher nicht vom ersten Moment an überzeugen. Das spannende, emotionale, teils actionreiche letzte Drittel entschädigte mich aber beinahe für alles. Daher erhält "In dieser ganz besonderen Nacht" 4 Bücher von mir.

Ein Must-Read für San Francisco Fans oder Freunden von überdetaillierte Beschreibungen, die so über die 'gemäßigten' Teile der Geschichte hinwegsehen können. Und alle die jetzt ein wenig Angst davor bekommen haben: Dieses Ende entschädigt euch! Definitiv!




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Kommentare:

  1. Als potentieller Leser des Buches empfinde ich deine Rezension als wirklich wegweisend. Sehr ausgegklügelt und eingängig machst du das Werk schmackhaft. Da ich große Emotionen total mag, ist dieser Roman wohl unumgänglich etwas für mich.

    Liebe Grüße,
    Kora

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    1. Dann wirst du dich definitiv an diesem Roman erfreuen können. Der Abschluss war so aufwühlen wie herzerweichend. Einfach toll!

      Lg
      Und einen guten Start in die Woche!

      Steffi

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  2. Tolle Rezi, vielen Dank ! Das Buch steht schon auf meiner Wuli, aber wohl nicht mehr lange ;-)
    LG
    Tanja

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    1. Bei dem letzten Drittel kann ich nur jedem dazu raten! <3

      lg
      Steffi

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  3. "Die Beziehung mit Nathaniel war sehr schön, aber auch nicht direkt mitreißend". Das erlebe ich oft, dass mich die Liebesgeschichte nicht so bannt. So ging es mir z.B. beim hochgelobten "Splitterherz". Vielleicht ist das der Grund, warum ich bis jetzt Teil 2 und 3 nicht gelesen habe.
    Ich glaube, dieses Buch hier ist auch eher nichts für mich, ich will grad nix, was vor sich hin dröppelt :-)

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    1. Aaaah, die Splitterherz-Trilogie steht als großer Wunsch auf der Liste...

      Ich muss ja nicht keine Ahnung wieviel Liebe drin haben, aber diese hier fühlte sich nett an, aber halt nicht "hach", einfach nichts Außergewöhnliches (abgesehen von dem Mensch-Geist-Ding) :-)

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  4. Schön, zwei direkte Meinungen im Vergleich lesen zu können und zu lesen, wie unterschiedlich doch die Geschmäcker sind :) Das Ende hatte es anscheinend wirklich in sich und über den Rest, lässt sie wie bei allem, streiten ;)
    Ich kann gut nachvollziehen was dich da gestört haben könnte...San Francisco als Stadt finde ich toll und als Schauplatz wohl ebenso...mal abwarten, werde das Buch definitiv lesen :)
    Toll geschrieben, liebe Steffi!! :)

    Grüüüße

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    1. Ich bin sooooo gespannt ob du dich über die vielen Ortsbeschreibungen freust oder ob du wie ich irgendwann gelangweilt davon bist.

      Aber das Ende... Ich hab noch Jans Whatsapp-Nachrichten. Und es ist genau das eingetroffen, was ich prophezeit hab :-)

      lg
      Steffi

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    2. Ohhh jaaaa! DIESES ENDE!!! ABSOLUT PERFEKT und so zum mitfuhlen. Ich war echt umgehauen, genau wie von deiner Rezension!! Total klasse!!
      LG Jan

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  5. Ganz wie gewohnt eine tolle Rezi, liebe Steffi :)
    Das Buch klingt wirklich interessant, und ich glaube, es könnte mir gefallen.

    <3

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  6. Wieder eine ganz tolle Rezi :)
    Das Buch steht schon auf meiner Wunschliste. Zum Glück gibt es auf lovelybooks gerade eine Leserunde dazu. Hoffentlich gewinne ich ein Exemplar!!

    Lg Rina

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    1. Ich druck drück dir ganz fest die Daumen :-)

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  7. Wow, das klingt richtig toll und steckt voller Emotionen!!! Schöne aussagekräftige Rezi!

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    1. Die Emotionen mussten raus! Die hab ich alle aus dem letzten Drittel herausgesaugt ;-)

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  8. Ich muss dir leider wirklich zustimmen. Die vielen genauen Beschreibungen sind ziemlich nervi. Eigentlich mag ich sowas ja, aber hier hats die Autorin eindeutig übertrieben. Habe noch nicht viel gelesen und bin schon genervt davon.

    Liebe Grüße,

    Conny

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    1. Das ist hart. Hätte vermutet, dass gerade das vielen sogar gefällt... Aber halt durch. Das Gefühl am Ende entschädigt für alles <3

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  9. Eine sehr, sehr schöne Rezi. Eigentlich wirklich ein ganz wundervolles Buch, das mich total berührt hat, aber leider anfangs echt langatmig ist. Wer durchhält wird auf jeden Fall toll belohnt :)

    LG Nanni

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    1. Genau meine Meinung! Das Ende war mehr als PERFEKT! <3

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  10. Ich hab soooo geheult. Und das über mehrere Seiten ^^

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    1. Wer da nicht mitfühlen kann ist gefühlskalt :-)

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Liebe Grüße

Steffi & Kay