Montag, 4. Februar 2013

♂ Ein dunkler Wille (Kenneth Oppel) [Rezension]



Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
"Ein Tropfen Blut quoll aus meinem Finger auf das Schmuckstück und sofort wurde das Ding in meiner Hand zu etwas Lebendigem."
(S. 15)

"Immer schneller wächst die Kreatur heran, sieht jede Sekunde mehr aus wie ein Mensch. Seine Haut ist nicht länger lehmig, sondern nach Farbe und Beschaffenheit menschlich."
(S. 133)

"Ich kratzte mich an der Stirn und wurde irgendwie das Gefühl nicht los, dass wir einen Fehler begangen hatten, aber der konnte jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden."
(S. 167)



Nach dem Tod seines Bruders ist Victor völlig verzweifelt. Konrad war fester Bestandteil seines Lebens, sein Vertrauter. Und nun ist er plötzlich nicht mehr da.
Kurze Zeit nach Konrads Tod werden auf Geheiß seines Vaters sämtliche Bücher und Phiolen aus der schwarzen Bibliothek verbrannt. Nur ein metallenes rotes Buch hat das Flammeninferno unbeschadet überstanden. Victor findet dieses Buch und wird davon sofort wie magisch angezogen. In dem Buch findet Victor Anweisungen für das Hexenbrett. Damit soll man mit den Toten kommunizieren können! Es liegt in Victors Natur, dass seine Begeisterung für manche Dinge gegen jegliche Bedenken die Oberhand gewinnt. Beim Versuch, das Hexenbrett in seinem Zimmer auszuprobieren, wird Victor von Elizabeth überrascht. Er kann sie davon überzeugen, den Versuch zu wagen. Immerhin schreckt Elizabeth vor Herausforderungen nie zurück. Tatsächlich scheint das Vorhaben zu gelingen! Das Pendel des Hexenbretts schlägt aus... Hastig notieren Victor und Elizabeth die Buchstaben, auf die das Pendel zeigt. Erst erscheint alles wirr, doch schließlich kann Victor eine Botschaft entziffern.
Am nächsten Tag erzählen sie Henry von diesem Erlebnis. Natürlich ist Henry skeptisch. Aber er scheint ihnen zu glauben.
Kurz darauf kommen Elizabeth, Henry und Victor einem gut gehütetem Geheimnis auf die Spur. Jetzt haben sie Zugang zur Welt der Toten!
Dort stoßen sie allerdings auf etwas, was besser unentdeckt geblieben wäre...



Es ist meiner Meinung nach immer schwer, eine Fortsetzung zu einem wirklich guten ersten Teil zu schreiben. Kenneth Oppel ist dies allerdings eindrucksvoll gelungen! Seine Ideen für diesen zweiten Band und die Umsetzung haben hier einfach eine Geschichte entstehen lassen, die gelesen werden muss. Alles ist stimmig, jede Seite verspricht Spannung und Unterhaltung! Mehr kann man von einem guten Buch ganz einfach nicht erwarten...

Auch wenn der erste Teil nun schon einige Zeit zurück liegt, hat es der Auto nicht versäumt, wichtige Geschehnisse aus dem ersten Band nochmals kurz rückblickend zu betrachten. Diese Schreibweise hat mir auf jeden Fall dazu verholfen, wieder schnell in diesen spannenden Plot einsteigen zu können. Herr Oppel brachte mir die Geschichte aus Victors Sicht in der Vergangenheitsform nahe. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb ich mich immer sehr direkt am Geschehen und an den Protagonisten fühlte. Und die Charaktere in diesem Buch sind einfach einzigartig!

Victor, der Draufgänger, der Weltverbesserer, und manchmal auch der Taktiker... Mit besseren Eigenschaften kann man ihn eigentlich kaum beschreiben! Hautnah fühlt man mit ihm, erlebt seine Gedanken und versteht auch seine Handlungen. Einerseits so, wie man sich jemanden vorstellt, der Geschöpfe erschafft oder erschaffen will und jede Herausforderung annimmt. Andererseits erlebt man Victor eben doch als Menschen mit echten Gefühlen... In einigen Szenen hat er mich definitiv überrascht!

Elizabeth ist natürlich mein Herzblatt in diesem Buch. Auch sie fühlt sich hin- und hergerissen. Da sind einerseits ihre wirklich starken Gefühle für Konrad, dem sie nun in der Totenwelt begegnen aber nicht näher kommen kann. Andererseits hat sie dort auch diesen animalischen Instinkt, der sie zu Victor treibt. So richtig kann sie sich nicht entscheiden und so manches Mal war ich doch aufgrund ihrer Reaktionen zumindest erstaunt. Aber nach wie vor bleibt sie eindeutig meine Herzdame.

Der Protagonist mit der größten Entwicklung ist für mich jedoch eindeutig Henry. Hat man ihn im ersten Teil noch als schutzbedürftig und mitleiderregend erlebt, kann man nun eine völlig andere Seite an ihm entdecken. Aber gerade bei ihm möchte ich eigentlich nicht zu viel verraten. Lest es selbst! Allein Henry ist es schon wert, dieses Buch gelesen zu haben...

Ich kann mich an keine Stelle in der Geschichte erinnern, an der ich mich von Langeweile getrieben sah. Im Endeffekt war eine durchgehende Spannung mit nachvollziehbaren Handlungen zu verspüren, die mich durch die Seiten rasen ließ. Ganz, ganz kleine Unebenheiten verflogen zu Nebensächlichkeiten und ich hatte einen vollkommenen Lesegenuss!

Der Autor hat mich mit einem zufiedenstellenden Ende zurückgelassen; Potential für eine Fortsetzung ist aber definitiv vorhanden!



Solange ich auch überlege, ich finde einfach kaum etwas, was ich an "Ein dunkler Wille" zu bemängeln hätte. Für diesen wirklich guten zweiten Band muss ich ganz einfach 5 Bücher vergeben. Ich bin eindeutig dem Frankenstein-Wahn verfallen.

Für alle Fans spannender Abwechslungen, die sich nicht auf das klassische Genre versteift haben und Überraschungen lieben. Ein Must-Read für alle, die bereits vom ersten Teil begeistert waren...


1. Düsteres Verlangen - Die wahre Geschichte des jungen Victor Frankenstein (Rezension)
2. Ein dunkler Wille - Das Schicksal der Brüder Frankenstein
3. laut Autor wird evtl. noch ein dritter Teil erscheinen





Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.


Kommentare:

  1. Tolle Rezension!
    Ich werde die Reihe mal auf meine Wunschliste schreiben :)

    AntwortenLöschen
  2. ...solltest du auf jeden Fall machen :-) und, Dankeschön :-)

    LG

    Kay

    AntwortenLöschen
  3. Eine schöne Rezension aber leider nichts für mich ;)

    AntwortenLöschen
  4. ...schade...aber es ist schon wirklich Geschmackssache. Man muss sich darauf einlassen können...

    LG

    Kay

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Kay
    gestern habe ich es endlich geschafft, meine Rezension zu "Ein dunkler Wille" zu beenden und ich muss sagen, dass mir das Buch noch besser gefallen hat als Band 1 - inhaltlich und vom Cover her :-)
    Und ich merke, ich sollte wirklich einmal den originalen Frankenstein lesen . . . die Idee von Kenneht Oppel, so einen Klassiker zu modernisieren finde ich toll.

    lg Favola

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Favola,

      ja, die Umsetzung dieser alten Geschichte war wirklich sehr gelungen. Ich habe es sehr gern gelesen :-)

      LG

      Kay

      Löschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay