Dienstag, 15. Januar 2013

♂ Ready Player One (Ernest Cline) [Rezension]

Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
"Hatten Erwachsene und Kinder früher davon geträumt, in der Lotterie zu gewinnen, träumten sie jetzt davon, Hallidays Easter Egg zu finden."
(S. 16)

"Eine neue Zeit war angebrochen, eine Zeit, in der die meisten Menschen ihre komplette Freizeit in einem Videospiel verbrachten."
(S. 88)

"Dann schulterte ich meinen Rucksack und verließ die Stacks. Ich drehte mich nicht um."
(S. 224)



Die Welt in den 2040-er Jahren. Hunger, Klimawandel, knappe Energieressourcen und Kriege darum erschüttern die Erde. Die Menschen flüchten in eine virtuelle Realität. OASIS bietet ihnen Ablenkung, Rettung und eine Heimat.

Der Milliardär und Erfinder des Massively Multiplayer Online Games "OASIS", James Halliday, hinterlässt nach seinem Tod eine Aufgabe für die Spieler seines Spiels. Da Halliday weder Verwandte, Bekannte noch Freunde hat, denen er sein 240 Mrd. Vermögen hinterlassen könnte, hat er in OASIS ein Easter Egg versteckt, welches sich aus mehreren Aufgaben zusammensetzt. Der Spieler, der die Rätsel als Erstes lösen kann, erbt Hallidays gesamtes Vermögen! Aber die Rätsel müssen erstmal gefunden werden. OASIS ist eine riesengroße virtuelle Welt! Hinweise auf die Aufgaben, denen man sich stellen muss, finden sich verschlüsselt im Almanach von Hallidays Avatar. Anoraks Almanach ist damit das Standardwerk für alle Jäger des Easter Egg.

Wade Watts, Computerfreak und klassischer Nerd, lebt in ärmlichen Verhältnissen. Das Zuhause des Teenagers sind die Stacks, eine Wohntrailersiedlung unmittelbar westlich des Stadtkerns von Oklahoma City. Sein Vater wurde erschossen, als Wade erst wenige Monate alt war. Sein Mutter starb an einer Überdosis. Da war Wade elf Jahre alt. Seit dem Tod seiner Mutter lebt Wade bei seiner Tante Alice in deren Wohntrailer. Doch die hat es eigentlich nur auf seine Essensgutscheine abgesehen, die monatlich von der Regierung ausgegeben werden.

Seit frühester Kindheit ist die OASIS ein fester Bestandteil von Wades Leben. Hier hat er seinen Avatar Parzival erschaffen. Die OASIS ist für ihn allgegenwärtig, das ist der Ort, an dem er sich wohlfühlt. In der OASIS hat er seinen Freund Aech, den er im realen Leben noch nie gesehen hat. Der Blog von Art3mis wird täglich von ihm gelesen.
Auch Wade beteiligt sich an der Jagd auf Hallidays Easter Egg. Er geht allen Hinweisen auf Hallidays Rätseln nach. Er spielt alte Computerspiele, die Halliday mochte, schaut dessen Lieblingsfilme und -serien, liest die bevorzugte Lektüre des 80er Jahre Fans Halliday. Anoraks Almanach ist sein Gral. Tatsächlich findet Wade den ersten Hinweis, erhält einen Schlüssel und kann die erste Aufgabe lösen. Viele Jahre nach Hallidays Tod zeigt das Scoreboard auf Hallidays Homepage nun einen neuen Punktestand. Parzival steht an erster Stelle! Damit ändert sich sein Leben schlagartig. Die Welt wird auf ihn aufmerksam. Aus dem Jäger wird ein Gejagter...



Nachdem ich die letzten Seiten von "Ready Player One" nun gelesen und das Buch zur Seite gelegt habe, erscheinen vor meinem geistigen Auge immer noch viele Eindrücke von dieser faszinierenden, auf mich monströs groß wirkenden, virtuellen OASIS-Welt. Einer Welt, in der nichts unmöglich ist und Grenzen nur durch unterschiedliche Stärkelevel der Avatare gesetzt sind. Ernest Cline hat hier eine virtuelle Realität erschaffen, auf die ich mich voll einlassen konnte und die mich gefesselt hat. Detaillierte Beschreibungen der einzelnen OASIS-Abschnitte, gespickt mit vielen Hintergrundinformationen, die die Geschichte in dieser Ebene für mich abrunden konnten, haben mich wirklich überzeugt. Ich erlebte hier eine schillernde Welt voller Dunkelelfen, Orks, Menschen und vielen anderen Figuren mit schier unendlichen Möglichkeiten, jeder Menge Geheimnisse, Rätsel und allen Formen von Unterhaltung. Alles in allem ist die OASIS für die Menschen präsenter als die tatsächliche, reale Welt. Die Beschreibungen der realen Welt wurden im Plot aus meiner Sicht bewusst flach gehalten. Dies hat mich grundsätzlich auch nicht gestört, wenngleich mir die eine oder andere Beschreibung vielleicht doch noch zu einem besseren Verständnis der realen Umstände verholfen hätte. So wurde meiner Fantasie jedoch viel Spielraum gelassen, welchen ich für mein eigenes Kopfkino umfangreich nutzen konnte.

Der Hauptprotagonist Wade, ein typischer Looser und Einzelgänger, war mir von Beginn an sympathisch. Er hat keine Freunde und seine Aktivitäten verlegt er vorrangig in die OASIS-Welt. Selbst die Schule besucht er virtuell in der OASIS, was seiner Kontaktscheue auch sehr entgegenkommt. Seiner Beschreibung nach ist Wade nicht unbedingt das, was man unter dem Abbild eines schönen Menschen versteht. Auch das ist, neben seiner mehr als katastrophalen Kindheit, ein Mitgrund dafür, dass er sich in der Realwelt nicht wirklich wohlfühlt. Dafür erleben wir ihn in der OASIS als kühlen Taktiker, Draufgänger und Kämpfer. Das Zusammenspiel des Charakters wurde in beiden Welten aus meiner Sicht hervorragend umgesetzt und man konnte mitfiebernd alle Höhen und Tiefen auf Wades bzw. Parzivals Weg miterleben.
Weitere handelnde Charaktere wie z. B. Aech oder Art3mis wurden, auch wenn sie für das Vorankommen der Geschichte durchaus einen Anteil beigetragen haben, vorrangig nur oberflächlich angerissen. So konnte der Autor erreichen, dass ich durchgängig neugierig und immer auf der Suche nach Antworten, die auch stückchenweise gegeben werden, durch die Seiten geflogen bin. Und natürlich erlebte ich auch mit diesen Protagonisten noch so manche Überraschung...

Sein Hauptaugenmerk hat Ernest Cline in der aus Wades bzw. Parzivals in der Vergangenheitsform erzählten Geschichte, neben einer detaillierten Beschreibung der OASIS, auf Einzelheiten von Ereignissen aus Film, Musik und Multimedia der 80er Jahre gelegt. Auch wenn ich die 80er Jahre bewusst erlebt habe, konnten einige Schilderungen und Beschreibungen keinerlei Erinnerungen in mir hervorrufen. Dies ist m. E. allerdings auch nicht verwunderlich, weil der Autor in "Ready Player One" Informationen aus zahl- und umfangreichen Themengebieten der 80er Jahre bereithält, welche die Geschichte mitunter ein wenig überfrachtet haben. Dennoch konnte ich mir teilweise ein Schmunzeln nicht verkneifen, da ich mich szenenweise zurückversetzt fühlte.

Im Text enthaltene Gamer-Abkürzungen wie NSC oder EP etc., die ich zu Beginn der Geschichte teilweise auf den vorangegangenen Seiten nachblättern musste,  haben meinen Lesefluss nicht wesentlich beeinflussen können und im weiteren Verlauf der Handlung wurden diese für mich fester Bestandteil des Plots und gehörten ganz einfach dazu. Ich denke mal, Buchliebhaber, die auch mit der Gamerwelt vertraut sind, werden ihre Freude an den Schilderungen haben.

Abschließend bleibt für mich festzustellen, dass Ernest Cline seine Idee hervorragend umgesetzt hat, eine Welt aufgebaut hat, die mich fesseln konnte und mir mit seiner spannungsgeladenen Geschichte einen schönen Lesegenuss bereiten konnte.



"Ready Player One" ist sicherlich kein Buch für Jedermann! Mich konnte der Autor mit seinem flüssigen Schreibstil, der Idee und deren Umsetzung bis auf überschaubare Kleinigkeiten  überzeugen, so dass ich hier gute 4 Bücher vergeben kann.

"Ready Player One" ist ein Buch für alle, die sich auf außergewöhnliche Ideen einlassen können und einer Vielfalt von Informationen nicht verschließen. Für Nerds ein MUSS, aber auch Nostalgiker, die für die 80er Jahre schwärmen, kommen hier auf ihre Kosten...




Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.


Kommentare:

  1. Oh, das klingt aber verdammt gut! Sogar sehr gut... das klingt nach einem Buch für mich.
    Danke für die Rezension!

    AntwortenLöschen
  2. Das Buch klingt ja sehr sehr gut! Uih das kommt auf meine Wunschliste!
    Danke dafür!

    AntwortenLöschen
  3. Ich fand das Buch grandios, auch wenn ich die 80er selbst nur wenig erlebt habe. Ich bin schon sehr gespannt, angeblich steht ja eine Verfilmung an, und der Autor hat ja bereits zum Film "Fan Boys" das Drehbuch geschrieben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...na das wär ja super! Den Film schau ich dann auf jeden Fall. Danke für den Hinweis :-)

      LG

      Kay

      Löschen
  4. Oh jetzt weiß ich nicht, soll ich mich zu Nerds oder Nostalgikern zählen =). Wahrscheinlich eine ungesunde Mischung aus beidem :-P. Danke für die Rezi. Ich werde das Buch nun auf jeden Fall lesen.

    LG
    Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...ich hab mich mal zu beidem zumindest ein bisschen gezählt :-)

      LG

      Kay

      Löschen
  5. Um dieses Buch schleiche ich schon sehr lange herum. Jetzt muss ich es wohl endlich lesen! Danke für den Bericht. LG

    AntwortenLöschen
  6. Ich hatte dieses Buch schon vor Ewigkeiten ins Visier genommen, weil es echt interessant klingt. Aber ich kann dir jetzt schon sagen, dass ich es wahrscheinlich in den nächsten Monaten nicht lesen werde, auch wenn deine Rezi verdammt überzeugens ist. Ich hab hier einfach zu viel stehen :D
    LG Jan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...da lässt du dir aber was entgehen...;-)

      LG

      Kay

      Löschen
  7. Was nur 4 ??? :S Na ja :D das die Rezi verdammt gut ist ( wie Jan schon sagte) muss ich ja theoretisch nicht mehr sagen
    Lg Lou

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...Dankeschön :-) 4 Bücher sind ja auf jeden Fall eine Leseempfehlung ;-)

      LG

      Kay

      Löschen
  8. Ich habe diesen Titel als Hörbuch gehört. Es ist ein tolles Buch. Übrigens einer der wenigen Titel die ich jetzt bereits mehrfach gehört habe! Also auch von mir eine absolute Lese-/Hörempfehlung!

    AntwortenLöschen
  9. ...Hörbücher sollte ich irgendwann auch mal ausprobieren...

    LG

    Kay

    AntwortenLöschen
  10. So. Nach dieser Rezension steht es fest, ich MUSS dieses Buch haben!!
    Sehr gute Rezension! :))
    Ich hab's vielleicht auch überlesen, aber warum genau, hast du keine 5 Bücher vergeben? :)

    LG!
    Lydia

    AntwortenLöschen
  11. ...es war wirklich nahe dran...aber ich musste die vielen Gamer-Begriffe doch oftmals nachschlagen/zurückblättern und bin auch immer mal wieder darüber gestolpert. Aber dennoch hat es sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen.

    LG

    Kay

    AntwortenLöschen
  12. ich fand das buch klasse. ein genre, das nicht so oft vertreten is :)

    AntwortenLöschen
  13. Oh da bin ich ja beruhigt, dass es dir gefallen hat
    Hatte schon Angst, dass ich komplett daneben gelegen habe ^^"

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...du kennst doch meinen Buchgeschmack :-)

      LG

      Kay

      Löschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay