Donnerstag, 31. Januar 2013

♀ Damian 01 - Die Stadt der gefallenen Engel (Rainer Wekwerth) [Rezension]



Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.
"Es gibt keine Zukunft, nur ein Jetzt, das vergeht und zu einem neuen Jetzt wird. Immer und immer wieder, bis in alle Ewigkeit."
(S. 58)

"In ihrem Kopf fuhren die Gedanken Karussell: ihre merkwürdigen Visionen, ihre Wutanfälle, ihre Mutter, Ben - und dazwischen Damian. Immer wieder Damian. Sie saß ihm gegenüber und doch schien er so unendlich weit entfernt zu sein."
(S. 135)



Die 17-jährige Lara wurde vor kurzem von ihrem Freund Ben verlassen. Völlig am Boden zerstört beschließt sie, die Ferien bei ihren Großeltern in Berlin zu verbringen.
Schon kurz nach ihrer Ankunft wird sie im Park überfallen. Ihr Retter in letzter Sekunde stellt sich als Damian vor und Lara fühlt sich sofort zu ihm hingezogen, Laras Großvater reagiert ihm gegenüber jedoch sehr abweisend.

Je mehr Lara nachforscht, desto mehr Parallelen tauchen zwischen Damian und ihrem Vater auf. Ihr Vater, der sie und ihre Mutter kurz nach Laras Geburt sitzen gelassen hat. Ist das nur Zufall? Oder sind diese Hirngespinste, die Visionen, die Lara glaubt zu sehen, gar real und in Berlin passiert mehr, als normale Menschen zu glauben vermögen?



Selten, wirklich sehr selten, benötige ich eine so lange "Eingewöhnungszeit" für eine neue Geschichte.
"Damian" hat sämtliche bis dahin geltende Limits gesprengt. Und dennoch konnte es mich am Ende überzeugen.
Warum?
Beginnen wir ganz am Anfang:
Beinahe das gesamte erste Drittel triefte - abgesehen vom Prolog - von Klischees eines Teenie-Lebens und dieser ganz stereotypischen Charakterisierung eines Jugendbuches:
[Mädchen ist verlassen worden und die Welt bricht zusammen. Mädchen will nie wieder einen Jungen sehen.] 
Mädchen ist neu in der Stadt und wird von umwerfend gutaussehenden Jungen gerettet, der unglaublich große Anziehungskraft auf Mädchen ausübt und von einem Geheimnis umgeben ist.

Hundertmal gelesen? Ich auch und hoffte nur insgeheim, dass es aufwärts geht. Und meine Wünsche wurden erhört.
Mit dem ersten Perspektivenwechsel zu Damian konnte Herr Wekwerth das Ruder herumreißen und die Geschichte nahm eine unerwartete Wendung nach der anderen. Der Autor gab stets kleine Hinweise, kleine Puzzleteile, die sich erst kurz vor Ende zum Gesamtbild verbanden.

Sehr interessant war der Aspekt, dass ausnahmsweise nicht in Ich-Perspektive aus der Sicht des Mädchens berichtet wurde. Ein Erzähler führt den Leser von einer Szenerie zur nächsten und gibt über den wechselnden personalen Stil (in Vergangenheit) stets einen Einblick über Laras Wissen hinaus.
Zum einen ging dadurch natürlich ein Stück der geheimnisvollen Aura verloren. Andererseits werfen aber gerade diese Einblicke Fragen auf, die einen zum Weiterlesen zwingen.

Zu den Charakteren konnte ich leider nur sehr eingeschränkt Zugang finden. Der Autor berichtet von so vielen Emotionen, ich konnte leider kaum eine davon "mitfühlen". Vermutlich baute die gewählte Erzählperspektive oder die Vielzahl an Charakteren diese für mich unüberwindbare Mauer auf. So konnte ich nur passiv und aus einiger Distanz das Erlebte versuchen nachzuempfinden.
Ebenso "unwirklich" waren die Gespräche, insbesondere zwischen den Engeln. Sie klangen "roboterhaft", aufgesetzt, was aber vielleicht die Folge meines "Emotionsproblems" war.

Die Protagonistin Lara war für mich die Antipathie in Person, was von Herrn Wekwerth vielleicht auch so gewollt sein mag. Anfangs war ich regelrecht genervt von ihrem ständigen Jammern, dann später von ihrer unerklärlichen Schwärmerei für Damian, was die total unnachvollziehbare Eifersucht nach sich zog, die in einer übertriebenen Wut endete, über die man nur den Kopf schütteln konnte.
Aber: Dies ist ein wesentlicher Charakterzug von Lara und nur im Nachhinein erklärbar. Solltet ihr das Buch lesen und einen "Hass" auf Lara entwickeln, zwingt euch zum Weiterlesen, ihr werden mit Erklärungen belohnt.

Damian hingegen war da schon eher nach meinem Geschmack: Typ dunkel, geheimnisvoll, Retter in der Not. Und mit was bringt mein Leserherz das alles in Verbindung? Bei dem Untertitel "Stadt der ENGEL"? Der Autor hat mich hier zeitweise hinters Licht geführt oder ich habe mir zu viele eigene Gedanken gemacht. Wie zuvor bereits erwähnt, änderte sich das Buch mit einem genaueren Blick auf Damian und ein Gerangel um Sympathie und Antipathie begann.

Das Fesselnde an der Geschichte war eindeutig die Frage nach dem Warum. Meine Neugierde wuchs stetig. Ich war hin- und hergerissen, ob das Geheimnis nun positiver oder negativer Art war und habe immer einen anderen Grund vermutet. Daher konnte mich der Autor mit seiner Auflösung überraschen, wie es lange nicht mehr der Fall war.

Der Schreibstil von Herrn Wekwerth ist schwer zu beschreiben. Auf der einen Seite gibt er ausschweifende, mit zahlreichen bildhaften Vergleichen untermauerte Beschreibungen, stellt aber die etlichen Kampfszenen auf sehr kühle, distanzierte Weise dar. Ebenso passte sich die Satzlänge dem Spannungsbogen und Actionreichtum der jeweiligen Szene an.

Das Ende ist für mich nicht wirklich befriedigend. Es gibt keinen direkten Cliffhanger, aber wer wie ich so in der Geschichte drin war, dem brennt die ein oder andere Frage besonders auf der Seele, so dass ich vermutlich ganz schnell zur Fortsetzung greifen muss.



Trotz oder gerade wegen des so anderen Erzählstils konnte mich Rainer Wekwerths "Damian - Die Stadt der gefallenen Engel" am Ende überzeugen. Nach dem für mich sehr zähen Einstieg wurde ich mehr als einmal überrascht. Auch wenn mein Gesamterlebnis positiv war, eckte ich aber an der Emotionalität und den gestellt wirkenden Gesprächen oft an. Rainer Wekwerths Grundidee und sein Setting, insbesondere die "Szenen in den 9 Kreisen" konnten mich wiederum sehr überzeugen. Das Lesen war ein einziges Pendeln zwischen drei und vier Bewertungspunkten, mein Abschlussempfinden sagt, dass sich Damian und Lara aber die 4 Bücher verdient haben.

Es ist ein Must-Read für Fans "anderer" Protagonisten und einer nicht ganz so typisch verlaufenden Geschichte und insbesondere Lesern, die einem Sympathiegerangel und Überraschungen nicht abgeneigt sind.


1. Damian - Die Stadt der gefallenen Engel
2. Damian - Die Wiederkehr des gefallenen Engels



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Kommentare:

  1. Hey ,
    Bis jetzt habe ich dich immer nur auf You Tube geschaut & jetzt bin ich grade zufällig auf dein Blog gestoßen , schick habt ihr es hier ^-^ bin gleich mal Leserin geworden :DD Würde mich freuen wenn ihr mal bei mir vorbei schauen würdet . Tolle Rezension , möchte ich auch unbedingt nochmal lesen ;) Liebste Grüße
    Jenny

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    1. Freut mich, dass du auch hier zu uns gefunden hast ;-)

      Lg
      Steffi

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  2. Eine schöne Rezension - die macht genau aus dem Grund Lust, das Buch zu lesen, da man sich nun auch nach dem Warum fragt und wieso Lara sich als Antipathie in Person darstellt gegenüber dem Leser =)

    LG Simone

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    1. Danke für das Lob <3
      Ich kann jetzt nach dem Lesen die negativen Stimmen zum Buch durchaus nachvollziehen - ist sicherlich nicht jedermanns Sache :-(

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  3. Hey!!! Ich bin jetzt endlich auch Leserin bei euch geworden. Ich mag euren Blog total :-))

    Würd mich freuen wenn ihr auch mal bei mir vorbei schaut.

    Lg, Mellee

    sharonsbuecher.blogspot.com

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    1. Mellee!!!! <3
      Sind wir noch nicht Leser bei dir? Lesen tun wir dank Facebook ja so oft voneinander :-)

      Muss das gleich mal überprüfen. Freut mich übrigens, dass du jetzt wieder 'aktiv' bist!

      Glg
      Steffi

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  4. Hey ihr ;)
    Schöne Rezi, von dem Buch habe ich schon gehört, aber weiß nicht so recht, ob das etwas für mich sein könnte.
    Habe euch einen Award verliehen, ich hoffe ihr freut euch darüber ^^

    http://mays-reviews.blogspot.de/2013/01/neuer-headerjugendbuch-award-infos-zu.html

    Alles Liebe,
    May

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Steffi & Kay