Mittwoch, 19. Dezember 2012

♀ Last Days On Earth (Julian Frost) [Rezension]


Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
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"Die Maya haben ein kompliziertes Kalendersystem entwickelt, das sich aus den Bewegungen der Sterne ergibt. Die Lange Zählung umfasst 5125 Jahre, und das vierte Zeitalter des Maya-Kalenders endet am 21. Dezember."
(S. 215)

"Natürlich, wenn man es wissenschaftlich betrachtet, dann sind all diese Theorien und Vorhersagen nichts als Auswüchse einer kranken Fantasie. Aber da ist ein urzeitlicher, mit den Mächten des Bösen und finsteren Göttern vertrauter Drache ganz tief in meinem Inneren, und der glaubt fest daran, dass eines Tages der ganze Spuk zu Ende sein wird."
(S. 62)

"Wurde es schlimmer? Wurden die Horrormeldungen nicht mit jedem Jahr häufiger und bösartiger?"
(S. 122)

Jobtechnisch läuft bei der weißen Hexe Karla van Zomeren zur Zeit alles schief:
Ihr Partner wurde von einem Troll verletzt und liegt im Koma. Als Konsequenz zieht ihr Chef sie von dem Fall ab, an dem sie beinahe ein Jahr lang gearbeitet hat und nur noch der entscheidende Beweis für die Beteiligung Perfidos an zahlreichen illegalen Aktionen fehlt.
Nun erhält sie einen wahren "Anfängerfall", der ihrem Rang in der MIG (Magisterischen Informationsdienstelle) nicht annähernd entspricht. Zu allem Überfluss bekommt sie den Dunkelmagus Raoul zur Seite gestellt, der nicht annähernd sympathisch wirkt. Oder liegt das an seinem "Zweiten Gesicht"?
Der gemeinsame Fall entpuppt sich als weitaus folgenschwerer als erwartet. Und irgendwie passt er ganz gut zu Karla, die seit Jahren jeden Papierschnipsel rund um den "Weltuntergang am 21.12.12" sammelt.

Wieder einmal hat mich der Klappentext vollkommen irritiert: Egal zu welcher Beschreibung und Inhaltsangabe ich greife, dem Inhalt und Fantasy-Umfang von "Last Days On Earth" wird keiner gerecht. Durch versehentliches "Überlesen" des kleinen Wortduos "weiße Hexe" hatte ich einen Weltuntergangsthriller unter vielen erwartet. Doch bereits der Prolog belehrte mich eines Besseren: Der Wachmann ist ein Werwolf... War das ein Traum-/Wunschgebilde?
Nein!
Ich fand mich in einer Welt wieder, die unserer nur noch annähernd ähnelt. Sämtliche Fantasy-Gestalten leben mehr oder weniger offen vor den Menschen, der magische Zweig wird in weiße Hexen und Dunkelmagier unterteilt. Während die einen einem strengen Kodex unterliegen, machen die Dunklen - wie vermutet - was sie wollen.
In bestimmten Fällen ist es notwendig, dass die Seiten ermittlungstechnisch zusammen arbeiten. Und dies führt den Leser auf eine besondere Ermittlung, die einen ganz neuen Blick auf das magische Datum 21.12.2012 wirft.

Hier liegt auch gleich das größte Problem: Rechnet man nicht mit einer derartigen Fantasy-Präsenz, wird man von den ersten Kapiteln erschlagen. Der Leser wird von der Autorin in ein Setting geworfen, das so übernatürlich ist, dass es sehr schwer ist, hineinzufinden. Erst mit den Seiten versteht man diese Welt, in der Menschen politisch korrekt "magisch Benachteiligte" genannt werden müssen und "Daimonen" die Quelle des Wissens sind.
Stellt man sich aber darauf ein, wird man mitgerissen, gefesselt und im wahrsten Sinne des Wortes magisch unterhalten.

Die Ermittlungsarbeit für den Leser beginnt schon bei den Kapitelüberschriften. Erst nach gut der Hälfte des Buches konnte ich diese entschlüsseln und feststellen, dass es das Thema auf eine Weise abrundet, wie ich es von einer Überschrift nie gedacht hätte.

Und auch danach musste ich mich sehr viel Neuem stellen: Die Autorin hat sich vom Waldschrat, über Werwolf, anderen Gestaltwandlern, bis hin zu "Nachtgeborenen" sämtlichen Figuren bedient und diese gekonnt in ihre Welt eingearbeitet. Die Präsenz von normalen Menschen, pardon, "magisch Benachteiligten" ist sehr gering. Auch die Hauptprotagonisten selbst gehören zum magischen Zweig:

Karla van Zomeren ist Magistra bei der MID. Sie gehört somit dem "guten" Zweig an, in dem strenge Regeln gelten und man für jede Kleinigkeit verwarnt oder degradiert wird. Von ihren Kollegen wird ihre Sammelleidenschaft von Ausschnitten zu Prophezeiungen aus den Klatschzeitungen belächelt.
Dass diese ihr irgendwann vonnutzen sein könnten, hätte sie selbst vermutlich nie geglaubt.

Im Rahmen ihrer Ermittlungen stellt sie etwas fest, in dessen Konsequenz sie ihre Beziehung zu Kit Marley beendet. Die Folgen sind jedoch dramatisch und nicht absehbar.
Karla muss im Laufe der Geschichte schier ungeahnte Hindernisse überwinden und mehr als einmal über ihren Schatten springen.

Für diese Hindernisse und teilweise ihr Überwinden sorgt mein Liebling der Geschichte: Raoul Winter. Geplagt von Blackouts, die der Leser erst später ergründet, wird er von seiner Meisterin an die Seite von Karla gestellt. Seine Abneigung gegen sie und ihre weiße Magie nimmt stetig ab, jedoch hat es einen Grund, warum Raoul keine Beziehungen eingeht. Und dieser hört auf den Namen Brad...

Brad ist intelligent, er weiß alles, findet alles heraus und Raoul ist auf seine "Mitarbeit" angewiesen. Leider hat Brad keinen eigenen Körper, denn er ist ein Daimon. Diese Tatsache führt zu Verstrickungen und Verwirrungen besonderer Art.

Frau Frosts Schreibstil ist sehr angenehm. Sie benutzt eine eher kühle Art zu beschreiben und legt großen Wert auf wörtliche Rede, was dem Leser die Protagonisten näher bringt. Eine dritte Person schildert die Umstände und wirft auch mehrmals einen Blick "in" die Charaktere. Die gewählte Perspektive scheint im Nachhinein die einzig logische zu sein, denn nur so konnten gewissen Einzigartigkeiten ausreichend dargestellt werden.
Die unterschiedlichen Seiten der Charaktere führen zu einem amüsanten Schlagabtausch, aber auch Karla selbst hat mir das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht gezaubert.

Die Geschichte ist ganz klassisch aufgebaut: Der Mord im Prolog, Ermittlungsarbeiten, falsche Fährten... Proportional zum Verlauf des Plots steigt der Spannungsbogen stetig an und entlädt sich in einem gewaltigen Showdown, der zwar nicht allzu Überraschendes offenbart, wenn man alle Indizien und Puzzleteile zusammengesetzt hat, dessen Umsetzung aber meinen Erwartungen entsprach. So konnte ich das Buch zuklappen und nunmehr meinen eigenen Weltuntergangstheorien nachhängen. Denn ob die Welt weiter bestehen wird, werde ich euch natürlich nicht verraten...

Mit "Last Days On Earth" hat Frau Frost ein absolut neues Abenteuer zum Thema "Maya Prophezeiung" erschaffen. Tolle Charaktere, unvorhergesehene Wendungen und Spannung runden ihre Idee ab. Ein aufgrund dem falsch interpretierten Klappentext verwirrender Einstieg und offene Fragen schmälerten meinen Lesegenuss ein klein wenig. Dennoch ist dieser Fantasy-Thriller durchaus ein Empfehlung in Höhe von 4 Büchern wert.

Ein Muss für alle, die sich auf etwas komplett Neues einlassen wollen und für die Ermittlungen und Polizeiarbeit nicht nur für "magisch Benachteiligte" vorstellbar sind. Wer nach einer neuen Theorie zum Weltuntergang sucht, ist hier genau richtig!




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Kommentare:

  1. Oh mein Gott, ich muss dieses Buch haben, es entspricht so sehr meinem Leseschema und klingt spannend *O* Zum Glück fehlt mir noch ein Buch, das ich mir von meiner Großmutter zum Geburtstag schenken lasse und das habe ich hiermit gefunden!

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    1. Das freut mich natürlich... und man kann es auch sehr gut 'nach dem Weltuntergang' lesen ;-)

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  2. Als magisch benachteiligte muss ich dir gestehen, dass ich sofort über die Worte "weiße Hexe" im Klappentext gestolpert bin, weil ich eben auch komplett was anderes erwartet habe. Klingt sehr interessant und wandert hiermit auf meine Wunschliste.

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    1. Mein Gehirn hat aussortiert, was es nicht erwartet hat :-)
      So war der Überraschungseffekt natürlich umso größer! Für jemanden der es evtl. überlesen hat und kein Fantasy mag, könnte das dann aber eher das Gegenteil bewirken :-D

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  3. Danke. :-) Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese Rezension zu lesen (und jaaaaaa! Stochert in der Wunde herum, immer zu! Über den Klappentext ärgere ich mich seit Erscheinen. Sorry, liebes Piper-Team, das war nix.)
    Liebe Grüße, schönen Weltuntergang!
    Susanne aka Julian

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    1. uuuuuh! Autorenbesuch!!! Das finde ich immer so toll!

      Und mit dem Klappentext: Sämtliche Piper-Bücher, die wir in letzter Zeit gelesen haben, hatten exakt dieses Problem :'(

      Danke für die lieben Worte, Susanne (Ich hätte ja gern noch gewusst, warum JULIAN - musste zweimal nachschauen, dass das Buch von einer AutorIN ist ;-) )

      Glg
      Steffi

      P.S.: Dir auch einen schönen Freitag ;-)

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  4. :-) Das mit dem Namen frag ich mich auch schon, seit Piper mir den verpasst hat. Ich fand es aber lustig, von daher hab ich damit leben können. Mit dem Klappentext nicht. (Ich hatte einen eigenen entworfen, der ist aber nicht genommen worden. Warumauchimmer.)
    Liebe Grüße auch an euch! (Und falls ihr mal nach Rezensionsexemplaren sucht ... *hint*)

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  5. Das Buch klingt wirklich sehr gut! Steffi???? Ist es wohl was für mich? Du kennst mich :D
    LG Jan

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  6. Jetzt bin ich aber neugierig :) ab auf den Wunschzettel!

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Steffi & Kay