Donnerstag, 20. Dezember 2012

♂ Enders Spiel (Orson Scott Card) [Rezension]


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"Aber du bist auch ein Zeichen ihrer Feigheit, weil sie es nicht wagen, weiterzugehen und die Unwillfährigkeit zu praktizieren, die sie immer noch als richtig empfinden."
(S. 34)

"Wenn du sie nicht besiegen kannst, dann verdienen sie den Sieg, weil sie stärker und besser sind als wir. Es wird nicht dein Fehler sein."
(S. 340)

"Die Natur kann keine Spezies durch Evolution hervorbringen, die keinen Überlebenswillen hat. Individuen können dazu erzogen werden, sich zu opfern, aber die Spezies als Ganzes kann nie beschließen, aufzuhören zu existieren."
(S. 358)

Andrew Wiggin - genannt Ender - ist ein ganz besonderes Kind. Er ist 6 Jahre alt und ist hochbegabt. Und noch etwas anderes ist besonders an ihm: Ender ist ein Dritt. Seine Eltern durften ihn statt der normalerweise zwei erlaubten Kinder als drittes Kind bekommen. Nachdem seine beiden größeren Geschwister, Peter und Valentine, trotz hoher Intelligenzwerte, jedoch aufgrund ihrer emotionalen Persönlichkeiten nicht für das Programm der Internationalen Flotte - kurz I. F. - geeignet waren, gab es eine Sondergenehmigung der Regierung für Enders Geburt. Nun werden seit sechs Jahren seine Fähigkeiten getestet und mit Hilfe eines Monitors im Nacken überwacht. Jeder seiner Schritte, jedes Wort wird ausgewertet. 

Ohne Vorwarnung wird ihm der Monitor nun nach über sechs Jahren abgenommen. Offensichtlich hat er die Prüfung also nicht bestanden. Wie seine Geschwister auch, ist er scheinbar gescheitert.
Doch am nächsten Tag steht ein Offizier der I. F., Oberst Graff,  vor der Tür der Wiggins. Er offenbart Ender, dass man großes Potential in ihm erkannt hat. Mit seinen überragenden Fähigkeiten soll er schlichtweg der Retter der Welt werden. Nach den ersten beiden Krabblerinvasionen, die die Menschheit erfolgreich abwehren konnte, scheint die nächste Schlacht immer näher zu rücken. Ender soll zum Befehlshaber im Kampf gegen die Krabbler ausgebildet werden. Er hat die Wahl: Bleibt er zu Hause, wird er immer ein Dritt bleiben und von anderen Menschen gemieden werden. Geht er mit Graff, liegt ein harter und steiniger Weg mit ungewissem Ausgang vor ihm, der jedoch in einer ruhmreichen Zukunft münden kann.
Ender entscheidet sich, die Herausforderung anzunehmen und geht mit Oberst Graff. Graff bringt ihn zur Kampfschule der I. F.. Ab nun beginnt für ihn ein Leben voller Anstrengungen, Ängsten und Isolation. Wird sich Ender als der Retter erweisen, den man in ihm sieht?

"Enders Spiel" erzählt von der Geschichte eines anfangs kleinen Jungen hin zu einer ihm von anderen Menschen zugewiesenen Rolle. Er ist der Auserwählte und muss das auch schonungslos beweisen. Wir lernen im Laufe des Buches Enders intensive Gedanken- und Gefühlswelt kennen, hoffen und fiebern bei anstehenden Aufgaben mit ihm. Von Beginn an isoliert, offenbart sich stückweise der starke Charakter eines hochbegabten Kindes, dessen gedankliche und sprachliche Komplexität für ein Kind in so jungen Jahren mir trotz der zweifellos vorhandenen überproportionalen Intelligenz manchmal überzeichnet erschien. Dennoch konnte ich mich gut darauf einlassen und erlebte hautnah taktische Geniestreiche genauso wie emotionale Ausbrüche. Oftmals möchte man Ender einfach nur beistehen und ihn in den Arm nehmen, so sehr konnte ich einige Situationen nachempfinden. Immerhin ist er nunmal noch ein kleiner Junge, der versucht, die Welt um sich zu verstehen. Kurz darauf beeindruckte er mich dann mit unerwartetem Kalkül, berechnend und eiskalt. Von einem kleinen Jungen verspürte man in diesen Szenen wenig. Ender wächst mit seinen Aufgaben und sprengt zielstrebig die offensichtlich gesetzten Grenzen. Er kennt seine Stärken und weiß diese gnadenlos einzusetzen. Nur so kann er sich den notwendigen Respekt erarbeiten und beschreitet unbeirrt seinen vorgesehenen Weg. Wir erhalten an vielen Stellen tiefe Einblicke in Enders Psyche und lernen seine Handlungen dadurch eindrucksvoll zu verstehen.

Die Kapitel in "Enders Spiel" werden fast ausnahmslos aus Enders Sicht in der dritten Person erzählt. Diese beginnen, bevor uns Enders Erlebnisse nahegebracht werden, meist mit der Darstellung von Gesprächen anfangs noch unbekannter Protagonisten, aus denen man Hintergründe zur Strategie in Enders Ausbildung und den für ihn vorgesehenen Planungen erhält. Weitere Protagonisten stellen in diesem Buch meist nur Randerscheinungen dar. Der einzig rundum beschriebene Charakter bleibt hier eindeutig Ender. Hiermit untermauert der Autor aus meiner Sicht seine Isolation, die stets allgegenwärtig erscheint.

Die oftmals von militärischen Taktiken geprägten Abschnitte, die sich das ein oder andere Mal sogar wiederholen, haben meinen Lesegenuss nicht nachhaltig beeinflusst. Das Highlight des Buches kam allerdings für mich entweder an entschieden zu früher Stelle oder aber das Buch hätte an genau dieser Stelle enden müssen, um einen aus meiner Sicht vollends respektablen "Wow-Effekt" zu erzielen. Nachfolgend war der Plot natürlich immer noch sehr gut beschrieben, aber irgendwie war die Luft raus. In meinen Augen verflachte die Geschichte damit leider zusehends. Dies ist aus meiner Sicht allerdings eindeutig den damals geltenden Regeln der Schreibkunst geschuldet, da "Enders Game" (deutscher Titel "Das große Spiel") bereits 1985 erstveröffentlich wurde. Ich kann mich noch erinnern, dass der Spannungsbogen zu dieser Zeit oftmals nicht erst in einem finalen Showdown endete. Den Lesern bot man insofern eher einen entspannenden Ausklang. Dennoch muss eindeutig gesagt werden, dass mir der Autor mit seinem flüssigen und gut zu lesenden Schreibstil sehr schöne Lesestunden beschert hat. 

Insgesamt konnte mich "Enders Spiel" mit der gut durchdachten Grundidee, mit der Umsetzung und dem ausgesprochen vorstellbaren Hauptcharakter überzeugen. 

"Enders Spiel" konnte mich fesseln und stellenweise raste ich nur so durch die Seiten. Kleine Schwächen sowie das für mich etwas flache Auslaufen der Geschichte wirken sich darauf nicht wesentlich aus. Für die gute Umsetzung einer mitreißenden Grundidee erkämpft sich "Enders Spiel" 4 Bücher.

Für alle Fans von Science Fiction, die dystopischen Grundstrukturen nicht abgeneigt sind, auf Cliffhanger verzichten können und kleine Unebenheiten verzeihen können.

1. Enders Spiel
2. Enders Schatten
(Erscheinungsdatum: 12.08.2013)

Die weiteren Titel der "alten" Reihe:
3. Xenocide (dt. Xenozid)
4. Children of the Mind (dt. Enders Kinder)
5. A War of Gifts 
6. Ender in Exile





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Kommentare:

  1. Klingt nach einem interessanten Buch, das werde ich definitiv im Kopf behalten, um es mal zu lesen... Auch wenn ich mich frage, wann das wohl sein wird... meine Liste ist einfach viel zu lang :)

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    1. ...stimmt, es gibt so viele tolle Bücher, die gelesen werden wollen...:-)

      LG

      Kay

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  2. Von dem Buch soll es 6 Teile geben?

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  3. Ohje :) Kay, jetzt bist du wieder schuld, dass ich das Buch will ;)

    LG Kersi

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    1. ...die Schuld nehme ich gern auf mich ;-)

      LG

      Kay

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  4. Dankeschön, die Rezension ist ja auch sehr lange, da hat alles reingepasst und doch habe ich das Gefühl, nicht alles geschrieben zu haben. Aber du bringst es auf den Punkt. Es ist einfach Unterhaltung für zwischendurch.

    6 Teile ? Ohjee, da überlege ich mir doch nochmal ob ich das Buch lesen möchte :D Ich warte noch ein paar Rezensionen ab und dann mal schauen ;)

    LG, Sandrina

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  5. ...ich denke mal, Teil 1 lohnt sich auf jeden Fall, weil der Überraschungseffekt vorhanden ist! Bei den Fortsetzungen bin ich mir dann auch noch nicht so sicher. Werde auf jeden Fall in den Folgeband reinlesen. Wer weiß, vielleicht liege ich ja falsch und es wird richtig gut...:-)

    LG

    Kay

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  6. Huhu,

    Tolle Rezi!
    Ich habe letztens das Hörspiel gehört und danach den Film gesehen. Ich finde beides gelungen und freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Schade, dass die Neuauflage so schleppend heraus kommt. Die alten Cover sind nicht so mein Fall ^^"
    Aber ich dachte es wäre nur eine Pentalogie? Seltsam... Hast du in der Zwischenzeit schon in Band 2 reingelesen?

    LG Maria

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    1. Hallo Maria,

      danke für die Blumen :-) Bin leider noch nicht über den ersten Teil hinaus gekommen. Habe die Fortsetzung aber zumindest auf dem Schirm. Es kommen irgendwie immer so tolle andere Bücher dazwischen...

      LG

      Kay

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  7. ...ich habe vor einer Weile die Verfilmung gesehen. War gar nichtt mal so schlecht.

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    1. Hallo Karin,

      die Verfilmung will ich mir auch noch antun. Ich schätze, dass man die Geschichte wirklich gut in Bildern umsetzen kann :-)

      LG

      Kay

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