Montag, 19. November 2012

♀ Serafina - Königreich der Drachen (Rachel Hartmann) [Rezension]



Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.

"...und etwas zwischen uns veränderte sich. Es war, als hätte ich die Welt bisher durch geöltes Pergament oder durch rußgeschwärztes Glas betrachtet, das mit einem Mal beiseitegezogen wurde. Alles war mit einem Mal sehr klar und hell, die Musik spielte majestätisch auf, wir standen da und der Saal drehte sich um uns, ..."
(S. 252)

10 Tage vor dem Jahrestag des Friedensschlusses zwischen Goredd und den Drachen findet die Beisetzung des ermordeten Prinz Rufus statt. 

Bis zur großen Feier ist der gesamte Hof mit der Suche nach Prinz Rufus' Mörder beschäftigt. Die Söhne Sankt Ogdos, die Drachengegner, prangern Drachen als Täter an, die allein schon durch die Verwandlung vertragswidrig gehandelt hätten und somit allein die Erwähnung den Hass und die Angst vor Drachen weiter schürt. 

Ist der Frieden der Völker in Gefahr? Wer steckt hinter dem Mord und den zahlreichen Intrigen am königlichen Hof?

Im wahrsten Sinne zwischen den Stühlen steht hier Serafina. Sie ist ein Zeugnis von purem Gesetzesbruch: Ihre Mutter war Drache, ihr Vater ist ein Mensch. Sie muss nicht nur aufgrund ihrer körperlichen Besonderheit im Verborgenen leben. Denn sie hat Visionen, die nur mithilfe der Gedankenarchitektur der Drachen gebändigt werden können, um die sonst drohenden Anfälle zu verhindern. Doch das Verhalten der "Grotesken", wie sie die Zweigestalten in ihrem Kopf nennt, verändert sich... 

Der Prolog beginnt sehr übersichtlich und machte mich sehr neugierig. Doch schon nach wenigen Seiten schlug das High Fantasy Genre zu: Ich wurde in eine Welt geworfen, in der Menschen und Drachen durch ein bislang 40-jähriges Friedensabkommen Seite an Seite leben. Die Drachen können menschliche Gestalt annehmen (ihre Saarantrai), müssen dann aber ein Glöckchen um den Hals tragen, um als solche erkannt zu werden.

Die Welt, die Autorin geschaffen hat ist sehr detailliert und gut vorstellbar und in sich plausibel. Kompliziert wurde es erst durch die "innere Welt" der Hauptprotagonistin Serafina.

Denn sie ist anders. Es gibt kein Zeugnis, dass noch jemand wie sie existiert. Die Mutter starb bei ihrer Geburt und gab ihr Erinnerungen mit, wie es Drachen zu tun pflegen. Serafina führte ein Leben im Verborgenen, bis es sie an den Hof der Königin zieht. Dort wird sie zur Assistentin des Hofkomponisten. Denn durch ihr mütterliches Erbe schafft sie die Verbindung zwischen der Perfektion der Drachen und der Emotionalität der Menschen, was Musik erst zur Kunst macht.
Serafina ist stark. Sie muss nicht nur ihre wahre Identität sondern auch ihre Visionen verbergen, die sie leicht verraten könnten. Das Geheimnis verhindert tiefere Verbindungen als die zu ihrem Lehrer Orma und ihrem Vater. Bis sie auf Prinz Lucian Kiggs trifft, ist dies auch kein Problem. Doch seine Berührungen lösen Gefühle in Serafina aus, die sie sich selbst verboten hat. 

Die Charaktere sind allesamt tiefgründig und vielschichtig. Interessant fand ich die "Emotionen" sämtlicher Drachen - oder besser: deren Saarantrai. Denn Drachen sind emotionslos und dieses Nicht-Vorhandensein von Anstand, Reue, Mitleid oder Sonstiges wurde immer perfekt zum Ausdruck gebracht. Sollte ein Drache zu viele Emotionen haben, werden diese "exzisiert" und ausgelöscht - gemeinsam mit allen Erinnerungen. Gleichzeitig sind die Drachen aber am Frieden interessiert, um die gefühlsverbundene Kunst der Menschen zu studieren.

Mein Liebling in dem Buch war der Saar Orma, Serafinas Onkel, der nunmal nicht aus seiner Drachenhaut kann und Serafina mit seiner Art teilweise wahnsinnig macht. Je länger die Geschichte fortschreitet, umso mehr erkennt man den wahren Orma und seine Beweggründe. Ein sehr interessanter und imposanter Charakter.

Der Schreibstil ist sehr detailliert, der Lesefluss ist vor allem zu Beginn durch die Vielzahl an neuen Begriffen sehr stockend, man findet sich aber gut in der Welt ein.

Auffällig ist der Erzählstil. Serafina berichtet in Ich-Perspektive in Vergangenheit von den Ereignissen. Passend zu der gestalteten Welt ist die Sprache eher "alt", was sich mit Serafinas Humor und Sarkasmus in beinahe jedem Satz für mich nicht vereinbaren ließ. Es war sehr witzig, aber für mich nicht authentisch.
Für die größte Verwirrung sorgte anfangs die Gedankenwelt Serafinas, mit der sie ihre Visionen sortiert und deren Bedeutung erst später offensichtlich wird. Diese Welt war für mich "unvorstellbar", weil sie überdetailliert beschrieben und die Charaktere kaum greifbar waren. Im Glossar am Ende des Buches haben es diese unter dem Titel "In Finas Kopf" einen extra Absatz verdient.

"Serafina" ist sehr musikgeprägt. Der Leser trifft überall auf Instrumente, Töne und Melodien, was bei einem "durch 'Mille Regretz' inspirierten Roman", wie in der Autorenbeschreibung vermerkt ist, kein Wunder ist.

Die Spannung steigerte sich leider sehr zögerlich. Die "Bedrohung" durch den Mord an Prinz Rufus und der Zeitdruck durch das baldige Fest zum Friedensabkommen war zwar von Beginn an vorhanden, viele begleitende Handlungsstränge nahmen aber immer wieder das Tempo heraus. Insgesamt wirkte "Serafina - Das Königreich der Drachen" wie eine lange Einführung in den eigentlichen Plot.

Mit "Serafina - Königreich der Drachen" hat Frau Hartmann eine außergewöhnliche Welt erschaffen, die Menschen, Drachen und Musik vereint. Zögerliche Spannung und teilweise fehlende Authentizität schmälerten meinen Lesegenuss soweit, dass ich für "Serafina" durchschnittliche 3 Bücher vergebe.

Da es sich wie eine "ausführliche Einleitung" anfühlte, bin ich mir sicher, dass die Fortsetzung mich mehr in ihren Bann ziehen kann.

1. Serafina - Königreich der Drachen
2. engl. Titel: Dracomachia



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Kommentare:

  1. Uhhh, ich hoffe, es gefällt mir. Du formulierst das ja sehr positiv, obwohl man rauslesen kann, dass es dich nicht überzeugt hat :-) Es liegt noch und normal mag ich High-Fantasy sehr gerne! Also, büddeee..... :-)
    LG,
    Damaris

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    1. sagt ja auch die Wertung :-)

      Kay und ich finden die "Verrisse" nicht gut. Schreibstil und Idee usw. sind nunmal sehr subjektiv. Ich lese auch nicht gerne eine Rezension (vielleicht zu einem Buch, das mir richtig gut gefallen hat), in der steht, dass der Schreibstil grausam oder einfach nur sch... ist oder gleich das ganze Buch :-(

      Wir formulieren lieber wie in einem Arbeitszeugnis und beschreiben so gut es geht :-)
      Und ich/wir hoffen, dass das gut ankommt :-)

      Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass es dir gefällt :-)))

      Liebe Grüße

      Steffi

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    2. Steffi, ich sehe das ähnlich mit dem "Arbeitszeunis". Vor allem Mittelmaßbücher sind sehr subjektiv und da finde ich Kraftausdrücke oder totale Verrisse auch nicht okay. Ich schreibe da auch sehr objektiv, da hinter einem Buch auch immer viel Arbeit und ein Mensch steckt. Du weißt, von was ich rede :-) Bei 1- oder 2-Sterne Büchern (also offensichtlich schlechten Büchern)fällt es mich aber manchmal schwer, einen gewissen Sarkasmus zu zügeln (ich denke da vor allem an meine Rezis zu "Blutsuche" oder "Filory"). Ob ich die heute noch so schreiben würde, weiß ich nicht, aber damals musste ich mir einfach Luft machen.
      Ich gehe für mich bei Serafina einfach mal vom Besten aus :-)

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    3. Ein Sterne Bücher sind bei uns die abgebrochenen. Irgendwas musste das Buch ja haben, sonst hätten wir es nicht begonnen :-)
      'Solange die Nachtigall singt' war für mich nicht mehr wie zwei Sterne aber anderen liegt der Schreibstil sehr, und die würde ich ja dann quasi angreifen.
      Ist irgendwie immer eine Gratwanderung :-)
      Und ich liebe deine - auch die 'nicht ganz begeisterten'! - Rezensionen. Eben weil sie nicht das Gefühl rüberbringen, dass man das Buch besser gleich weggibt anstatt ihm noch eine Chance zu geben :-)

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  2. Wie immer hast du sehr schön beschrieben was dir gut gefallen hat und was nicht. Ich lese eure Rezensionen immer wieder gerne. Sie sind immer total hilfreich!

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    1. Danke, Vanessa :-)
      Ich will ja niemandem ein Buch "madig" machen, nur weil es nicht 100%ig meinen Lesegeschmack getroffen hat. Ich bin mir sogar sicher, dass Serafina viele Fans haben wird!

      lg
      Steffi

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  3. Deine Rezi klingt echt "positiv" :D
    So ganz so gut wird es bei mir nicht wegkommen :)
    Aber wieder einmal wunderschöne Rezension!!! ^^
    Prima! Bekommst ein Stern dafür, weil du so fleißig warst ---> *
    LG Jan

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    1. Ein Stern, juhuuuu ;-)

      Ich fand es (hab ich dir glaub schon geschrieben gehabt), zumindest durchweg irgendwie lustig :-D

      lg
      Steffi

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  4. Muss Damaris da recht geben. Man liest schon raus, dass du nicht so begeistert warst, aber das wusste ich ja auch schon vorher. Ich werde es trotzdem lesen, denn was du schreibst, klingt für mich eigentlich eher ganz interessant... :)

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    1. und genau so soll es sein... ist und bleibt halt doch meine Meinung ;-) Und drei ist Durchschnitt, schlecht war es sicher nicht :-)

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  5. Der Roman plätschert vor sich hin und ist streckenweise auch langweilig. Wirklich spannend ist das Buch nicht, denn der Autorin ist es nicht gelungen den Leser zu fesseln. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Teil spannender wird.

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    1. genau das... Die Idee ist ja eigentlich schon ganz nett, aber wirklich fesselnd ist es nicht :-(

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Liebe Grüße

Steffi & Kay