Sonntag, 11. November 2012

♂ Pandemonium (Lauren Oliver) [Rezension]


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"Die Monster leben auf der anderen Seite des Zauns: Monster in Uniform. Sie belügen dich mit sanfter Stimme und lächeln, während sie dir die Kehle aufschlitzen."
(S. 28)

"Hass ist ein hoher Turm. In der Wildnis fange ich an zu bauen und zu klettern."
(S. 160)

"Denn ich will etwas. Ich weiß noch gar nicht mal genau, was, aber das Wollen ist da, genau wie der Hass und die Wut vorher. Aber das hier ist kein Turm. Es ist eine endlose, tiefe Grube; sie führt in mich hinein und durchlöchert mich."
(S. 267)

Damals

Lenas Flucht ist gelungen. Verwundet und mehr tot als lebendig wird sie in der Wildnis von Invaliden aufgelesen. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich in einem Haus und ein schwarzhaariges Mädchen, Raven, kümmert sich um sie. 
Die grausame Gewissheit, dass Alex die Flucht offensichtlich nicht überlebt hat, überkommt sie schlagartig. Ihre Verzweiflung darüber ist schier grenzenlos. 
Mit ihrer neuen Umgebung kann sich Lena noch gar nicht anfreunden. Alles ist ihr fremd und ungewohnt. Lena muss mitarbeiten, wenn sie überleben will. Nach und nach wird die Wildnis fester Teil in Lenas Leben. Sie kann sich immer besser anpassen. Doch dann kommen die Bomben...

Jetzt

Lena besucht die Quincy-Edwards-Schule in Brooklyn. Sie hat deutliche Anpassungsschwierigkeiten. Träume von Alex plagen sie täglich. Des öfteren ist Lena im Unterricht einfach eingeschlafen. 
Lena ist Mitglied in der VDFA - der Vereinigung für ein Deliria-freies Amerika. Ihr Auftrag ist klar definiert. 
Bei einer Versammlung der VDFA trifft sie auf Julian, dem Sohn des Gründers der Organisation. Julian wurde bereits mehrfach wegen eines Gehirntumors operiert. Nun steht sein Termin für die Heilung fest. Aber diese Operation ist gerade bei ihm mit höchstem Risiko verbunden. Er will sie dennoch!
Wenige Tage darauf findet eine große Kundgebung der VDFA statt. Doch plötzlich gibt es einen Überfall. Sogenannte Schmarotzer stürmen die Veranstaltung. Lena sieht, wie Julian von seinen Leibwächtern in einen verborgenen Tunnel flieht und folgt ihm. Von Dunkelheit umgeben und ohne Orientierung wird sie von jemandem überwältigt und verliert das Bewusstsein. Als sie aufwacht, stellt sie entsetzt fest, dass sie zusammen mit Julian gefangen gehalten wird. Und es scheint keinen Weg hinaus zu geben...

Vorweg muss ich sagen, dass ich mich schon sehr auf das Erscheinen des Buches gefreut habe. Denn schon "Delirium" hatte mich ja überrascht und in seinen Bann gezogen. Und ich stelle fest, dass ich auch hier ziemlich überrascht wurde. 

Meine Überraschung bezieht sich hauptsächlich auf die beiden Erzählperspektiven "Jetzt" und "Damals" in diesem Folgeband. Nachdem ich meine anfängliche Verwirrung darüber überwunden hatte, fand ich diese Darstellung ziemlich mutig. Mutig deshalb, weil durch diese Zeitperspektiven aus meiner Sicht schon gehörig Spannung aus dem Buch genommen wurde. Immerhin erfahren wir allein aus der Existenz der "Jetzt"-Perspektiven, dass Lena ihren Weg bis ins Jetzt unbeschadet übersteht, egal welche Gefahren lauern. Der Spannungsbogen des Plots wurde damit also erstmal automatisch flacher für mich. Zum Glück hielt mein Erstaunen nur kurze Zeit an und ich habe dann die gewählte Umsetzung akzeptiert und mich darauf eingelassen. Die Perspektiven steuern zielgerichtet aufeinander zu. Auch wenn ich nun wusste, dass Lena zumindest in den "Damals-Kapiteln" alle Gefahren überstehen wird, erfuhr ich letztendlich dennoch wichtige Einzelheiten in Lenas Entwicklung hin zu ihrem jetzigen Ich. Mein letztendliches Resüme für diese Erzählweise: "Der Weg ist das Ziel."

Von Seite zu Seite wurde die Geschichte für mich besser. Zeitweise konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Obwohl meine Befürchtung eines niedrigen Spannungspegels nach wie vor vorhanden war, ließ mich die Neugier dennoch durch die Seiten rasen und ich wurde nicht enttäuscht. Kleinere Unebenheiten und Längen haben mich nachfolgend nicht merklich gestört. 
Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig und gut zu lesen, wenn auch für meinen Geschmack stellenweise zu detaillierte und überschwängliche Metaphern verwendet werden. Beide Perspektiven werden jeweils aus Lenas Gegenwartssicht erzählt. 

Die Hauptprotagonistin Lena wirkte auf mich deutlich gereifter und erwachsener. Man hat ihr ihre Erlebnisse angemerkt und ich habe es ihr auch abgenommen. Hat sie ein Ziel, verfolgt sie dieses, komme was wolle. Wenn notwendig ist Lena ein absoluter Teamplayer, kommt aber auch allein sehr gut zurecht. Im Vergleich zur naiven Lena aus "Delirium" eine äußerst  anspruchsvolle Entwicklung!

Julian ist natürlich am Anfang systemtreu und verkopft sich in die idealistischen Gedanken des Regimes. Nach und nach taut er auf und lässt sich auf seine Gefühle ein. Als Sohn eines der größten Anti-Deliria-Verfechter ist es natürlich allein schon aufgrund seiner Erziehung ein schweres Unterfangen, seine Systemtreue zu erschüttern.

Einer meiner Lieblingscharaktere in "Pandemonium" ist Raven. Sie wirkt auf Lena durch ihre nüchterne und selbstbewusste Art älter. Tatsächlich trennen die beide nur wenige Lebensjahre. Raven ist umsichtig und weiß immer, was zu tun ist. Manchmal gewährt uns Raven, wenn auch nur oberflächliche, so doch eindrucksvolle Einblicke in ihre Gefühlswelt. Obwohl mich Raven an ihren Absichten zwischendrin tatsächlich zweifeln ließ, hat sie mir nachfolgend beweisen können, dass ich mich nicht in ihr geirrt habe. 

Trotz meiner bereits erwähnten Befürchtung eines niedrigen Spannungsniveaus konnte mich "Pandemonium" eines Besseren belehren und ich habe mit dem Buch schöne Lesestunden erleben dürfen. 
Das Buch endet natürlich mit einem bösen Cliffhanger, den ich so nicht erwartet hätte. Aber lasst euch selbst überraschen...

"Pandemonium" ist eine Fortsetzung, deren Einstieg ich anfangs verwirrend fand; nachfolgend wurden meine Erwartungen hingegen zum Großteil erfüllt. Der definitiv schöne und überdurchschnittliche Lesegenuss hat mich überzeugt, für das Buch sehr gute 4 Bücher zu vergeben. Persönlich sehe ich in "Pandemonium" sogar eine Steigerung zum ersten Teil.
Für alle, die überraschende Wendungen lieben, sich auf abstrakte Regimes einlassen können und einem "anderen" Erzählstil eine Chance geben. Für Deliria-Fans natürlich ein Must-Have!

1. Delirium (Rezension)
2. Pandemonium
3. Requiem 
(englischer Erscheinungstermin 05.03.2013)


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Kommentare:

  1. Mensch, ich bin jetzt schon soooo gespannt auf dieses Buch....unbedingt lesen (wenn mal endlich Zeit ist)^^
    Mal wieder eine tolle Rezension!!!!
    LG Jan

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    1. ...dankeschön! Und ja, es lohnt sich :-)

      LG

      Kay

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  2. Ich muss noch Delirium lesen :D hab es aber auf dem SuB auf meinem Reader
    LG
    Melie

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    1. ...ich kann nur empfehlen, mit der Reihe dringend anzufangen...;-)

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  3. Schon die Zitate, lassen es gewaltig in meinen Fingern kribbeln- ich muss das Buch lesen!!! Ich finde deine Rezension sehr gelungen, wie immer ;) Toll, wie du deine Eindrücke beschreibst, ohne zu viel zu verraten :)

    liebe Grüße

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    1. ...danke, Shanty. Weißt ja selbst, es ist manchmal ne Gratwanderung mit der Beschreibung. Ich hoffe, Du wirst beim Lesen auch so viel Spass haben wie ich...:-)

      LG

      Kay

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  4. Wuah :D jetzt muss ich das Buch echt endlich mal lesen ;) nach euren Rezensionen dazu ;)

    Erst noch "Romeo für immer" <3 *hoach*

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  5. ...Romeo fand ich bekanntlich auch richtig gut. Und...dankeschön...:-)

    LG

    Kay

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    1. Hachja :D momentan les ich ja eh nur die Bücher, die du und Steffi schon "für gut befunden" habt :D
      *grins*

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    2. ...ich hoffe mal, dass wir dich noch nicht enttäuscht haben mit unseren Einschätzungen...:-)

      LG

      Kay

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  6. http://little-creamcup.blogspot.de/2012/11/tag-fill-in.html getaggt (:

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  7. Ich bin noch neugieriger auf die Reihe geworden, Dankeschöööön :D

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    1. ...ich finde, es sind auch wirklich tolle Bücher, bei denen es sich lohnt, sie zu lesen...:-)

      LG

      Kay

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Steffi & Kay