Samstag, 24. November 2012

♀ Graveminder (Melissa Marr) [Rezension]


Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.

"Drei Schlucke zu deinem Schutz. Nicht mehr und nicht weniger." Zum dritten Mal hielt Maylene ihr das Silberfläschchen hin. "Drei auf deinen Lippen bei der Beerdigung. Drei auf den Boden, drei Monate lang."
(S. 22)

"Man hat mir viele Namen gegeben, in vielen Kulturen. Es kommt nicht auf den Namen an - eher nicht. Alle bedeuten das Gleiche: Die Menschen glauben an mich, und ich existiere. Der Tod geschieht. Überall, und er widerfährt jedem."
(S. 227)

In Claysville läuft Vieles anders: Es darf nicht jeder einfach Kinder bekommen wie er möchte. Es gibt sehr viele Traditionen, vor allem was die frisch Verstorbenen angeht. Die Toten müssen innerhalb weniger Tage beerdigt werden, Einbalsamieren ist strengstens verboten - es sei denn, der Tote wurde nicht in Claysville geboren. In Claysville gibt es kaum Verbrechen und keine schwerwiegenden Krankheiten.

Maylene geht ihrer täglichen Aufgabe auf dem Friedhof nach, als das Mädchen auftaucht. Sie  möchte ihr helfen. Am nächsten Tag ist Maylene tot.
Ihr Tod wird von dem örtlichen Sheriff aber scheinbar nicht ernst genommen. So sieht es zumindest Byron, der Sohn des Bestatters.
Als er auf eigene Faust etwas herumschnüffelt, trifft er auf ein Mädchen, das mehr zu wissen scheint als er.

Wenig später trifft Rebekkah, die Enkelin von Maylene, ein. Byron und Rebekkah haben eine gemeinsame Vergangenheit, die von unzähligen Toten begleitet ist. Während der letzten Jahre hatten sie keinen Kontakt mehr. Doch nun sind sie gezwungen, zusammenzuarbeiten.

Denn um den Mörder von Maylene zu finden, muss Rebekkah ein ganz besonderes Erbe antreten.

Vorneweg: Der Klappentext verrät viel zu viel!
Die Autorin hat sorgfältig und Schritt für Schritt auf diesen Punkt hingearbeitet, der bereits außen zu lesen war. So konnte ich mich gar nicht von der aufgebauten Spannung mitreißen lassen und die Geschichte verlor dementsprechend an Fahrt.

Frau Marr hat einen ganz besonderen Schreibstil. Er ist nicht zu detailliert, aber auch nicht farblos und ohne jegliche Ausschmückung. "Graveminder" wird von einer dritten Person aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. So kommt die Tiefe, die Beziehungen und die Emotionen der Charaktere ganz besonders zur Geltung:

Der Beziehungspart zwischen Rebekkah und Byron nimmt einen großen Teil der Geschichte ein. Anfangs habe ich mich über Rebekkah geärgert, warum sie sich denn "so blöd" anstellt und Byron ohne vernünftigen Grund abweist. Nach und nach konnte ich verstehen, was zwischen ihnen vorgefallen war und ich hoffte nur, dass es sich klären wird.

Rebekkah wurde nicht in Claysville geboren. Dennoch fühlt sie sich dem Ort seltsam verbunden, obwohl sie es stets zu ignorieren versucht. Sie vermutet die Beziehung zu Maylene dahinter, ihrer "nicht-leiblichen" Großmutter. Aber selbst nach dem Tod von ihr spürt sie diese Erleichterung, als sie wieder nach Claysville zurückkehrt. Das Gefühl, dass alles genau so sein soll, hat sie auch bei Byron. Aber sie steht nicht zu diesem Gefühl. Denn die Schuldgefühle sind zu groß. Kann eine gemeinsame Bestimmung daran etwas ändern?

Byron ist Partner des traditionsreichsten Unternehmens in Claysville: Dem Bestattungsunternehmen. Nachdem er versucht hat, außerhalb von Claysville Fuß zu fassen, hat ihn das Heimweh nach Hause geholt und er tritt in die Fußstapfen seines Vaters, um später das Unternehmen zu führen. Doch einen sehr wichtigen Teil der Jobbeschreibung hat sein Vater ihm vorenthalten...
Byrons Gefühle für Rebekkah sind von Anfang an offensichtlich. Er versucht auch nicht, diese zu verbergen. Dass diese Gefühle jemals umschwenken oder sich verändern könnten, hätte Byron niemals vermutet.

Mein Liebling in "Graveminder" ist Daisha. Es ist selten, dass aus der Perspektive eines solchen Charakters geschrieben ist und so waren die Beschreibungen neu und erfrischend. Die Autorin hat sich viele Gedanken um die Gefühle von Daisha gemacht und ihr auf besondere Art Leben eingehaucht. Daisha macht vermutlich die größte Entwicklung der Geschichte durch und ich hätte für sie ein ganz anderes Ende angedacht. Mit Daisha konnte mich Frau Marr am meisten überraschen.

Wie bereits erwähnt, ist die Beziehung von Rebekkah zu Byron ein großes Thema im Buch, jedoch nicht auf kitschige oder kindische Art und Weise. Auch umfasst diese ganz besondere Beziehung nicht nur Liebe, Händchenhalten oder verruchtere Sachen. Denn jeder der beiden hat eine ganz besondere Rolle zu tragen, die ohne den anderen nicht möglich ist.

Mir hat diese Idee sehr gefallen. Die Autorin hat dieser Idee Tiefe verliehen, in dem sie ein "neues" Setting entworfen hat, das ganz anders ausgefallen ist, als ich es mir vorgestellt hätte. Ihre Ausgestaltung ist sehr interessant und die Details haben mich sehr beeindruckt. Das klingt alles sehr kryptisch? Dann lest es selber, mehr verraten möchte ich nämlich nicht.

Das Ende wartet ohne fiesen Cliffhanger auf und findet einen guten Abschluss, bietet aber theoretisch die Möglichkeit einer Fortsetzung.

Wer sich von "Graveminder" angesprochen fühlt, vermeide es, den Klappentext zu lesen. Ich fühlte mich durch ihn meiner verdienten Spannung beraubt. Trotz dieses großen Hindernisses konnte mich die Geschichte der Totenwächterin mit ihrer ausgestalteten Idee überzeugen und bekommt daher von mir knappe 4 Bücher.

Es ist eine definitive Empfehlung für Fans tiefgründiger Protagonisten und großer Entwicklungen, die dem Übernatürlichen ebenso verfallen sind wie der Idee des Lebens nach dem Tod. 



Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.


Kommentare:

  1. Ich werd es nicht lesen :D......obwohl der Inhalt gar nicht schlecht klingt....und das Cover find ich nicht so toll. Ich bin schon leicht überfordert was ich lesen muss und was nicht :D...kennt ihr ja ^^
    LG Jan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich finde das "Friedhofscover" gar nicht mal so schlecht (mich erinnert es zumindest an einen Friedhof).
      Der Inhalt war auch wirklich gut, nur halt dieser Klappentext... der geht wirklich schon bis beinahe zur Hälfte des Buches :'(

      Löschen
  2. Ich mag Melissa Marr sehr =) Und zum Glück hab ich die Inhaltsangabe nicht gelesen Puuhh ^^

    Hast du schon die "Gegen das Sommerlicht"-Reihe gelesen? Sehr gute Bücher und auch soo etwas düster und tiefgründig ;)
    Könnte dir vielleicht auch gefallen, vielleicht sogar besser als "Graveminder"

    Schöne Rezi- verrät nicht zu viel udn macht Lust zum lesen =)

    LG Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bisher habe ich nichts von ihr gelesen. Mit "Gegen das Sommerlicht" hatte ich aber tatsächlich schonmal geliebäugelt, hatte jetzt gar nicht realisiert, dass es von ihr ist :-D

      Danke für den Tipp!
      Weil den Schreibstil mochte ich sehr :-)

      Löschen
  3. Eine schöne Rezension - aber verdammt, jetzt hast du mich neugierig gemacht :D Bis eben hat mich das Buch gar nicht angesprochen, zog irgendwie an mir vorbei.. deswegen hab ich den Klappentext auch nicht gelesen. Scheint ja ausnahmsweise mal ein Vorteil zu sein :)

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Allerdings... Wenn du den liest, den musst du davon ausgehen, dass die Geschichte noch um einiges mehr Action hat und noch viel viel weiter reicht - aber das tut sie halt nicht und dann könnte man enttäuscht sein :-(

      Löschen
  4. Vier Bücher. Joah, das klingt doch vielversprechend. Mal sehen, ob ich mir das auch noch zu Gemüte führen werde. Schöne Rezension =)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. :-)
      sicher kein Must Must Read, aber die Idee hat mir sehr gefallen ;-)

      Löschen
  5. Schöne Rezension, Steffi :) ich weiß auch nicht, warum mir bei diesem Buch die Worte fehlten. Du triffst aber genau den Punkt und beschreibst sehr schön, warum man es lesen sollte.

    Ich persönlich finde das Cover total ansprechend :)

    Ganz liebe Grüße

    Rica

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich finde auch, dass es sehr gut passt :-)

      Danke für das Lob - bei manchen Büchern kann man das auch gar nicht so einfach beschreiben... Kenne das Gefühl voll und ganz.

      Löschen
  6. Wirklich tolle Rezension. :) Jetzt hast du mich definitiv am Köder. ^^ Ich finde das Cpver absolut schön! Und der Inhalt hört sich auch gut an, also das, was du verraten hast... ;) "Gegen das Sommerlicht" wartet noch auf meinem SuB auf mich.
    Mal sehen! :)

    LG!
    Lydia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann befreie es mal ganz schnell und schau nach, ob der Erzählstil auch so gut ist und es was für mich sein könnte ;-)

      Löschen

Wir freuen uns über jeden Kommentar!

Liebe Grüße

Steffi & Kay