Donnerstag, 29. November 2012

♀ Goldmarie auf Wolke 7 (Gabriella Engelmann) [Rezension]


Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.

"Um den Brunnen herum flirrten Lichter, die magische Schatten auf die Skulptur warfen. Gibt es im Winter Glühwürmchen?, fragte ich mich irritiert. Dann hörte ich ein Rascheln und Rauschen, das nach den Schwingen eines Vogels klang. Ich sah eine schneeweiße Taube, die um den Brunnen herumflatterte und dann plötzlich wieder verschwunden war. Mit klopfendem Herzen ging ich in die Richtung, aus der das Tier gekommen war. Es hatte so ausgesehen, als wäre die Taube direkt in den Brunnen hineingeflogen..."
(S. 95)

Die 16-jährige Marie Goldt hat kein einfaches Leben. Nach dem Verlust von Mutter und Vater lebt sie bei ihrer Stiefmutter und deren leiblicher Tochter. Sie jobt in einer Bäckerei, deren Besitzerin sie ausbeutet und schlecht behandelt. Das einzig gute in ihrem Leben ist die Freundschaft zu Jule. Doch von diesem einen Tag an scheint sich alles zu ändern: Marie nimmt einen neuen Job an und kann sich vor männlichen Interessenten kaum mehr retten. Irgendwas geht im "Traumzeit" nicht mit rechten Dingen zu...

"Goldmarie auf Wolke 7" ist mein "erstes Mal" - gleich in doppelter Hinsicht: Zum Einen ist es mein erstes Buch dieser Serie von Märchen-Adaptionen. Desweiteren ist es mein erstes Jugendbuch von Gabriella Engelmann.

Es gibt viele Märchen-Interpretationen, darunter auch sicherlich welche von "Frau Holle", das sich Frau Engelmann hier zur Brust genommen und in ihre ganz eigene Märchenwelt, die bereits Aschenputtel, Dornröschen, Schneewittchen und Rotkäppchen umfasst, eingewoben hat. 

Die Protagonisten lassen vom ersten Blick an keine Zweifel über ihr Märchen-Pendant zu, selbst ohne die Namen zuhilfe zu nehmen. Sie sind sehr liebevoll und sehr jugendlich gestaltet, dass sich hier vor allem gleichaltrige Leserinnen sofort angesprochen fühlen müssen.

Star des Buches ist Marie Goldt, süße 16 und die Gutmütigkeit in Person. Ihre Mutter hat sie und ihren Vater verlassen, als Marie 3 Jahre alt war. Nach dem Tod ihres Vater lebt Marie bei ihrer Stiefmutter Kathrin. Marie ist sehr selbständig für ihr Alter. Und sie ist allein, zumindest fühlt sie sich so. Denn der Draht zu ihrer Schwester ist alles andere als gut und seit Kathrin ihren Job verloren hat, ist auch ihre Stimmung auf dem Tiefpunkt. Maries Lichtblick ist ihre Freundin Jule, die sie aufbaut wo sie nur kann, die ihr Mut zuspricht und Marie "am Laufen hält". Als Marie den Job im "Traumzeit" annimmt, keimt in ihr die Hoffnung auf, dass sich alles zum Guten wendet. Doch leider liegt da noch der ein oder andere Stein im Weg. 
Marie war mir von Anfang an sympathisch, leider war ihr Charakter sehr überzeichnet. Sie ist das liebste, netteste, gutmütigste... Mädchen überhaupt. Es ist sicherlich so gewollt, da Märchencharaktere immer derart schwarz/weiß gezeichnet sind, alles andere hätte auch gar nicht zu ihr gepasst, wie ich später feststellen musste. Trotzdem schwand meine Sympathie mit den Seiten und wechselte zur "bösen Stiefschwester".

Diese Rolle übernimmt in dem Buch Lykke Pechstein, 17 Jahre und auf den ersten Blick das absolute Gegenteil von Marie. Sie trägt schwarz (überall, sogar die Gardinen!), ist nörglerisch, kratzbürstig und schlecht gelaunt. Das aber nicht ohne Grund, wie der Leser im Laufe der Geschichte herausfindet. Lykke fühlt sich einsam, unverstanden, unpassend. Unter ihrer dicken schwarzen Schale sitzt ein weicher und richtig lieber Kern. Doch wer diese Schale knacken darf, verrate ich euch nicht.
Lykke macht eindeutig die größte Veränderung durch und wurde von meinem heimlichen Liebling zu meinem absoluten Favoriten.

Der Schreibstil von Frau Engelmann ist locker-leicht und flüssig und sehr schnell zu lesen. "Angeeckt" bin ich anfangs lediglich an Lykkes kursiv gedruckten Tagebucheinträgen, deren Kapitel sich aber nunmal auch sprachlich von Maries Erzählungen in Ich-Perspektive abheben sollen. Beide erzählen so auf ihre ganz eigene Art ihre eigene Geschichte. Die dritte Perspektive bildet sogleich einen eigenen Handlungsstrang: Die der Feenkönigin, die das Schicksal lenkt und die Geschichte steuert. Ihre Kapitel werden in dritter Person erzählt und sind in anderer Schriftart gedruckt. Maries und Lykkes Kapitel tragen jeweils ihren Namen und das aktuelle Datum in der Überschrift, was dem Leser den zeitlichen Ablauf vor Augen führt.

Sehr positiv empfand ich dann die Verknüpfungen der jeweiligen Handlungsstränge und welche Konsequenzen die Handlung der einen Perspektive auf die der anderen hatten.

Ebenfalls sehr gelungen fand ich die Umsetzung und das Übertragen der typischen Frau Holle Merkmale in die heutige Zeit, die durch "aktuelle" Ereignesse (mein absoluter Favorit war der iPhone-Dialog) perfekt unterstrichen werden. "Coyote Ugly" Fans kommen definitiv auch auf ihre Kosten.
Nebenbei lernen auch Serienneulinge wie ich andere Protagonisten von Frau Engelmann kennen, die durchaus Lust auf mehr machen.

Nun zu meiner Kritik. Ich bin begeistert von Frau Engelmanns Idee und "Goldmarie auf Wolke 7" war für mich ein wirklich überaus nettes, spritziges und vor allem humorvolles Buch. Im Vergleich zu anderen Jugendbüchern kommt die Spannung aber definitiv zu kurz. "Goldmarie" konnte mich daher nicht richtig mitreißen, aber dennoch sehr gut unterhalten.

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch? 
"Goldmarie auf Wolke 7" dürfte unter der ausgewiesenen Zielgruppe sicherlich viele Anhänger finden. Frau Engelmanns Interpretation von Frau Holle und ganz besonders die Charaktere sind charmant und liebevoll, was zu großen Teilen die fehlende Spannung ausgleichen konnte. So konnte sich "Goldmarie" noch 4 Bücher ergattern.

Ich empfehle das Buch allen Märchenfans, insbesondere der ausgewiesenen (vermutlich weiblichen) Zielgruppe im Alter von 12-15. Ihr werdet begeistert sein! 
Da es in der Weihnachtszeit spielt, wäre es durchaus einen Eintrag auf dem Wunschzettel wert!

1. Cinderella Undercover
2. Hundert Jahre ungeküsst
3. Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid
4. Küss den Wolf
5. Goldmarie auf Wolke 7


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Kommentare:

  1. Hört sich interessant an :) Werd ich mal meiner Schwester zeigen, weil sie solche Bücher eigentlich sehr mag und gerade in einem Lesefluss ist (Ja, das ist etwas ganz besonderes bei ihr ^^)
    LG
    Blueberry

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    1. Oh ja, sowas muss man ausnutzen ;-)
      Und wenn sie im passenden Alter ist, wird sie garantiert gefallen daran finden!!!

      Lg
      Steffi

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    2. Ja, sie ist 13. Passt also perfekt :)
      Habs ihr auch grad gezeigt und sie fands interessant :D Das wird also ihr Weihnachtsgeschenk *in die Hände reib* :D

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    3. Perfekt :-)
      Solange sie dich nachher nicht Pechmarie nennt :-D

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  2. glaub mir, ich beneide mich auch nocht xD und meine umzugshelfer schon gar nicht *hust* 10 Kisten Bücher *hust*xD

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    1. Meine Gläser und alles zerbrechliche hab ich schon im Laufe der Woche selber rübergefahren xD

      Ok, Karma oder war euer Geschirr vllt.einfach... hässlich?

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Steffi & Kay