Montag, 1. Oktober 2012

♀ Noir (Jenny-Mai Nuyen) [Rezension]


Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.

"Wieso nehme ich das alles auf mich? Wieso ist Noir wichtiger als ich? Wieso soll sie leben, wenn ich sterbe?"
(S. 177)

"Wie alt bist du?" [...]
"Zwanzig." [...]
"Du wirkst älter." [...]
"Ich bin schon lange zwanzig."
(S. 187)

Nino war 5 Jahre alt, als ein Autounfall ihm seine Eltern nahm. Er saß mit im Auto, erhaschte aber nur einen kurzen Blick auf den schwarzen Fluss, der seine Eltern verschlang, bevor er zurück ins Leben gerissen wurde. Er sah auch diese Frau am Fluss stehen...

Nun ist Nino fast 24 und auf der Suche nach Antworten, denn er hat eine Gabe: er sieht die Todesart und den Todeszeitpunkt von anderen Menschen. Auch seinen eigenen: Er wird mit 24 Jahren sterben - noch 4 Tage. Die Zeit läuft ihm davon.

Bei einer illegalen Party nimmt er unter Drogen an einer Séance teil. Dort trifft er das erste Mal auf das geheimnisvolle Mädchen, das aber sofort wieder verschwunden ist.
Gemeinsam mit seinen Freunden "spielt" Nino erneut Gläserrücken - und erkennt, dass er die tragende Kraft ist: er ist ein Medium.
Und viele haben es auf ihn abgesehen.

Die vielen Drogen, die in dem Buch konsumiert wurden, schlugen sich auf mein Leseverhalten: Anfangs war ich berauscht, ich ließ mich hineinziehen in diese so andere Geschichte, doch dann folgte ein Zustand kontinuierlicher Verwirrung und vielen Fragezeichen, die mich irgendwie überforderten. Als der Nebel sich gelichtet hat, konnte ich gegen Ende klarer auf das große Gesamte blicken, doch an jedes Detail kann ich mich nicht erinnern.

"Noir" beginnt mit einem doppelten Prolog: Einmal dem des "Jetzt-Protagonisten", dann der Prolog 2, der kurz über den Unfall in Ninos Vergangenheit erzählt.
Sofort will man mehr erfahren: mehr über Ninos "Art zu sehen", mehr über diesen Fluss und natürlich, was aus diesem Jungen wird.

Nino ist zu Beginn des Buches nicht gerade ein verschlossener Charakter. Er riskiert viel, denn er weiß schließlich, dass "seine Zeit" noch nicht gekommen ist. Nachdem er versucht hatte, seiner Schwester diese Theorie mit einem Selbstmordversuch zu beweisen, wurde er in psychologische Obhut gegeben und soll seitdem Psychopharmaka einnehmen. Nino zieht durch die illegalen Drogenparties der Stadt und folgt jedem Gerücht über "schwarze Magie" und dergleichen. Schon zu oft vergeblich.
Als dann sein 24. Geburtstag da ist, lebt Nino nur noch in Angst. Jede Minute könnte seine letzte sein. Doch es gibt Hoffnung: Monsieur Samedi bietet ihm seine Hilfe an. Aber zu welchem Preis?

Der größte Teil des Buches wird im personalen Erzählstil aus Ninos Perspektive in Vergangenheit erzählt. Als besonderes Merkmal sind einzelne Kapitel mit Titel "JETZT" eingefügt. Diese sind direkt aus Ninos Perspektive in Ich-Form und im Präsens verfasst. Nino spricht den Leser sogar direkt an und bezieht ihn so mit ein.
Je mehr ich über die Hintergründe seiner Fähigkeiten erfuhr, desto mehr verstand ich diese Ansprache und die Angst um Noir.
Voller Erwartung sah ich dem Moment entgegen, in dem sich das Damals und das Jetzt verbinden.

Der Schreibstil von Frau Nuyen ist flüssig zu lesen. Sie stellt die Situationen ihrer Charaktere ohne Beschönigung dar und bringt die Verwirrung dieser unter anderem mit abgebrochenen Sätzen zum Ausdruck. Die Angst und das Gefühl zu wissen, wann einen der Tod ereilt sind sehr gut beschrieben. Die Panik und die Verzweiflung konnte die Autorin so gut einfangen, dass mir der Übergang zu den existentiellen Fragen sehr gut gelang. Mein größter Kritikpunkt fällt aber auch gleichzeit in diesen Bereich: Die Geschichte war mir irgendwann zu "überdreht", verwirrend... ich kann es nicht beschreiben. Dies schmälerte meinen Lesegenuss ungemein!

Der Klappentext verrät meiner Meinung nach schon zu viel von der Geschichte, so dass der Denkweg des Lesers bereits vorgegeben ist und sich die anfängliche Spannung nur sehr zäh steigern kann.

Was spannend und vielversprechend begann wurde immer mehr zur philosophischen Interpretation. Frau Nuyen hat hier einem uralten Thema modernes Leben eingehaucht und ihre eigene Interpretation geschaffen, die mitunter sehr schwere Kost war. 
Nichtsdestotrotz war ich so in die Geschichte eingedrungen, dass ich weiterlesen wollte und musste. Und dafür wurde ich mit einer ganz wichtigen Antwort belohnt.

Das Cover und das Design ist in diesem Falle auch noch eine Erwähnung wert: Die zersprungene Scheibe, quasi DIE Szene aus dem Prolog zieht sich durch das ganze Buch. So bleibt dem Leser die Vorgeschichte stets im Hinterkopf.

"Noir" bot mir durchschnittlichen Lesegenuss, weil dieser durch oben genannte Kritikpunkte sehr geschmälert wurde. Das Buch kann mit seinem besonderen Stil sicherlich vielen eine top Unterhaltung bieten, doch für mich war er eher hinderlich. Da "Noir" aber durchaus das Lesen wert ist, gibt es von mir gute 3 Bücher.

Es ist eine Empfehlung für alle Fans von Spannung und guter Unterhaltung, die sich auf einen anderen Schreibstil gut einlassen und sich auf die teilweise verstörenden Träume von Nino einlassen können.



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Bislang haben alle Bücher den "Hype des Monats" wirklich verdient, und an meiner Begeisterung hat man vermutlich gespürt, dass ich den Hype gerechtfertigt finde.

Bei Noir bleibt nur ein Extra-Meinung dazu:

Das Cover - was wirklich sehr gelungen ist - hat vermutlich mit dazu beigetragen, dass es zum "Hype des Monats" gewählt wurde. Doch Jenny-Mai Nuyens "Ausflug" in die reale Welt ist nicht so sehr gelungen, dass  es diesen Titel verdient hätte.

Kommentare:

  1. schau mal hier vorbei
    LG
    Ally
    http://allys-wildebuecherwelt.blogspot.de/2012/10/wieder-ein-tolles-gewinnspiel-und-eine.html

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  2. Ich lese es gerade und komme leider gar nicht so richtig rein. Die "Jetzt"-Szenen verwirren mich zusätzlich. Komisch, weil es eigentlich leicht zu lesen ist, aber ich tu mich schwer. Vielleicht ist es gerade nicht der richtige Zeitpunkt für dieses Buch?

    Grüße aus dem Tintenhain

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  3. Dir ging's ja ähnlich wie mir. :)
    Schade eigentlich, echt! Ich hab mich so auf das Buch gefreut... :(

    LG!
    Lydia

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    1. Ich mich auch. Der Klappentext klang so interessant! Aber für leseSPAß war es zu wirr :-(

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  4. Ich verstehe total was du meinst.. Die Story ist nicht greifbar.. Es sind eher die Emotionen, die ankommen und nicht der Sinn dahinter. Habe auch 3 Punkte vergeben.

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  5. huhu :-))

    Das ist mein Weihnachtswunsch, weil ich das Buch schon immer wollte, es aber bislang irgendwie noch nicht geschafft habe , es mir zu besorgen! :-)) Außerdem habe ich schon einige andere Bücher von der jungen Autorin gelesen und fand sie bislang immer echt gut! :-)

    Liebe Grüße
    Kendra

    kendra-butterfly@gmx.de

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Steffi & Kay