Sonntag, 14. Oktober 2012

♀ Lost Land 01 - Die erste Nacht (Jonathan Maberry) [Rezension]



Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.

"Zombies werden von irgendeiner Krankheit angetrieben, sind im Grunde aber ohne Verstand und seelenlos. Dagegen haben diese Männer Seelen und Verstand, tun aber trotzdem all diese Dinge." 
(S. 386)

"Seine Welt hatte sich erneut verändert. Dieses Mal ging es nicht darum, dass sich der Schleier vor seinen naiven Augen gelichtet hatte, das wusste Benny ganz sicher. Nein, dieses Mal hatte er das Gefühl, als hätte man einen Teil aus ihm herausgemeißelt, mit Gewalt genommen und dann weggeworfen."
(S. 203)

Vor 14 Jahren, in der "ersten Nacht", erlebte die Welt einen Umbruch: Die "Toten erhoben sich" und vermehrten sich rasch. Jeder Biss eines Zombies verwandelt binnen kürzester Zeit. Doch auch wer auf natürliche Weise stirbt, kehrt wieder...

Inmitten des Leichenlandes, das früher Amerika war, liegt Mountainside, aufgebaut von Überlebenden der "ersten Nacht", gut umzäunt und beschützt vor dem Rest der Welt.
Die Jugendlichen von Mountainside führen ein scheinbar normales Leben. Einer von ihnen ist Benny Imura, der so langsam in dem Alter ist, sich einen Job zu suchen. Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen tritt er dem "Familienunternehmen" bei und geht bei seinem Bruder Tom in Ausbildung. Sein Job: "Kopfgeldjäger" - dachte Benny zumindest. Denn es ist weit mehr als das Töten. Es ist ein Erkennen der Vergangenheit und die Erkenntnis, dass es Schlimmeres gibt als Zombies.

Meine bisherige Meinung von Zombies wurde mit dem Buch total verschoben. In "Lost Land" legt der Autor großes Augenmerk auf die Vergangenheit der Zombies, auf ihr Verhalten, ihre Eigenschaften - und zeigt auf, dass töten nicht gleich töten ist. Denn auf das "Motiv" kommt es an.

Mich hat das Buch von Anfang an begeistert. Dies lag aber zu Beginn keinesfalls an der Spannung oder einer wahnsinnig "neuen" Idee. Ganz allein der Schreibstil bzw. Bennys Art ist es zuzuschreiben, dass ich so viel Spaß daran hatte.

Denn Benny ist ein typischer Junge, aber ein ganz untypischer Protagonist, weil er sehr "normal" ist. Er hat seine Clique, sammelt und tauscht Zombiekarten, er ist naiv und denkt, die (Arbeits-)Welt hat nur auf ihn gewartet. Sein Gesicht zu wahren ist ihm sehr wichtig, er ist "cool" und schlagfertig.
Doch dieser erste Eindruck von Benny täuscht. Je näher man ihn kennenlernt, desto tiefgründiger und vielschichtiger wird er.
Er hat das Recht dazu, die Zombies mehr zu hassen als alle anderen, denn seine früheste Kindheitserinnerung geht auf die erste Nacht zurück, die Nacht, in der er seine Eltern verloren hat. Da sein Bruder Tom die Mutter nicht gerettet hat, ist er für ihn der größte Feigling überhaupt. Doch das erzählt er nicht weiter, denn vielleicht kann Feigheit vererbt werden und wie stünde Benny dann da?
Schon während des ersten Aufenthalts im Leichenland beginnt seine große Entwicklung. Er wird älter, sieht ein, dass man hinter die Fassade schauen muss, um die Wahrheit zu erkennen. Benny gerät in ein Wechselbad der Gefühle.
Nachdem ein Schicksalsschlag dem nächsten folgt, erkennt Benny, dass er Tom immer ähnlicher wird - aber den frischen Wind einer neuen Generation in sich trägt.

Nix ist ebenfalls ein sehr gelungener Charakter. Sie ist ein hübsches junges Mädchen, doch hinter dieser Fassade steckt eine intelligente Frau, die an die Zukunft denkt und die sich nicht mit dem Gegebenen zufrieden gibt, die Grenzen nicht als Ende sondern als Chance sieht. Ihre Gefühle für Benny sind nicht zu leugnen, was ihr Leben nicht gerade einfacher macht.

Über Bennys Bruder Tom erfährt man nur bruchstückhaft, welche Erlebnisse ihn zu dem gemacht haben, der er ist. Er verhält sich für einen "Zombiejäger" sehr untypisch. Seine Geschichte ist berührend und von vielen Schicksalsbegegnungen gepflastert.
Tom ist froh darüber, dass er Benny seine Ansichten verdeutlichen kann und die Bindung zu seinem Bruder stärker wird. Es gibt mehr zu verlieren, als das eigene Leben...

Der Schreibstil von Herrn Maberry ist sehr flüssig: einfach, aber nicht primitiv, emotional, aber nicht gekünstelt, da überwiegend aus Bennys Perspektive erzäht wird und dieser Stil seine Art unterstreicht. Seine Erlebnisse werden von einer 3. Person geschildert, der Erzähler gibt jedoch auch kleine Einblicke in das Gefühlsleben anderer Protagonisten.

Auffällig ist, dass "Lost Land" sehr viel auf wörtlicher Rede aufgebaut ist. Vergangene Geschehnisse werden größtenteils nicht als Erinnerung verpackt, sondern von einem der Charaktere erzählt und wirken dadurch viel lebendiger.
Die Dialoge liefern durch ihre oft schlagfertigen Antworten auch die Prise Humor, die die Geschichte auflockert. Denn selbst in dunkelsten Zeiten ist die "Geschwisterliebe" durch spritzige Antworten nicht zu leugnen.

"Lost Land - Die erste Nacht" ist nicht horrorhaft, gruselig und auch nicht durchweg von Spannung geprägt. Dennoch war es durch seine unerwarteten Wendungen und die ganz speziellen Charaktere mitreißend und fesselnd. Zusammen mit dem für mich erstklassigen Humor ergibt das natürlich volle 5 Bücher.

Ein Must-Read für alle, die einmal in eine völlig andere Zombiewelt eintauchen und sich gemeinsam mit einem sympathischen Hauptprotagonisten auf große Abenteuer mit tiefgründiger Erkenntnis aufmachen wollen.

1. Die erste Nacht
2. englischer Titel: Dust and Decay
3. englischer Titel: Flesh and Bone
4. englischer Titel: Fire and Ash
(voraussichtliches Erscheinungsdatum: 2013)





Hier erfahrt ihr mehr über unser Bewertungssystem.



Vielen Dank an 


und den


für dieses Rezensionsexemplar.



Kommentare:

  1. Da ist sie!! Dein Inhalt klingt echt super und hätte ich es nicht schon gelsen, dann wäre ich jetzt neugierig!! Tolle Rezension :)
    Aber du weißt ja, dass ich Benny am Anfang so gar nicht mochte :D
    Lg Jan

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  2. Antworten
    1. Danke :-)
      Ich hoffe jetzt springt niemand ab - haben ja immer eine natürliche Schwankung von 1-2 Followern :-)

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  3. Tolle Rezi! Ich habe auf BdB nur "Zwei Brüder im Zombieland" gelesen und dachte "oje, was soll das denn sein?" und mich dann für ein anderes Buch entschieden. Jetzt habe ich schon so viel Gutes über das Buch gehört, ich muss meine Meinung wohl doch noch mal überdenken. :o)
    Alles Gute auch von mir zu 500 Lesern! :)

    LG Nabura

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  4. Wow 500 Leser - Herzlichen Glückwunsch!
    Lost Land interessiert mich auch, aber ich hab noch so viele ungelesene Bücher ;)

    Irgendwie funktioniert der Link zu den Infos zum Bewertungssystem nicht.

    LG
    Anja

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    1. Danke für die Info... Keine Ahnung, wohin der Link (oder ein Teil davon) verschwunden sind :-D

      Und Danke für die Glückwünsche ;-)
      *freu*

      Steffi

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  5. http://www.buchsammlerin.de/2012/10/5-dinge-uber-die-buchmesse.html


    Für euch, auch wenn ihr vielleicht nicht dabei ward. Bitte nehmt doch teil ! :)

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  6. Oh..sehr schön eine solch tolle Rezi zu dem Buch zu lesen..ich habe heute vormittag die Leseprobe gelesen und will mir das Buch gleich kaufen gehen^^
    da freue ich mich ja gleich noch mehr auf das Buch..
    lg
    Aki

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