Mittwoch, 10. Oktober 2012

♀ Hüter der Worte (Diana Menschig) [Rezension]



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"Mögen gute Worte dich behüten."
(S. 3...)

"Was wäre, [...] wenn das jemand mit dir machen würde?"
"Was machen?"
"Dich in Lebensgefahr bringen zum Beispiel. Gedankenlos über dein Leben entscheiden zum Beispiel."
(S. 142)

Der junge Autor Tom lernt während seiner größten Schreibblockade Mellie kennen. Sie ist seine Muse, diskutiert mit ihm die von ihm erschaffene Fantasy-Welt von Willerin, dem Schauplatz seiner Fantasy-Reihe. Mellie bringt Kritik ein, hängt aber - Toms Meinung nach - zu sehr an den einzelnen Charakteren.
Tom entdeckt Notizen, die Mellie gemacht hat. Notizen über Willerin, Toms Hauptprotagonisten Laryon und einen möglichen Verlauf seiner Geschichte. Tom greift die Ideen auf und fügt den jungen Kary hinzu, auf dessen Namen er in Gesprächen über Mellies geheimnisvollen Job gestoßen ist.
Doch anstatt sich bei der Präsentation seines neuen Werkes zu freuen, fällt Mellie aus allen Wolken und kann nicht fassen, dass er Karys Geschichte veröffentlicht und somit seinen Aufenthaltsort preisgegeben hat. War es wirklich nur Fanfiction?
Als dann der Sohn des "Godfather of Fantasy" mit einem unveröffentlichten Manuskript seines Vaters auftaucht, ist die Verwirrung perfekt: Das uralte Manuskript beinhaltet 1:1 Teile seines neuen Romans. Mit dem Unterschied, dass eine Frau darin auftaucht, deren Beschreibung nur auf Mellie zutreffen kann. Zufall?

Währenddessen trifft der Grenzreiter Laryon auf seiner Patrouille auf einen seltsamen Jungen namens Kary, dessen Wächter ihn beinahe tötet. Im letzten Moment hindert ihn der Junge mit den Worten "er hat eine Geschichte" daran. Laryon lässt sich darauf ein und erfährt von der Gabe des Jungen. Seine Geschichte klingt unglaublich. Doch was ist in einer Welt wie Willerin schon unmöglich? In einer Welt, in der es Schwarzmagier gibt und früher Kriege gegen sie geführt wurden?
Wer ist dieser Junge, den jeder haben will?

Der Einstieg in die von Frau Menschig geschaffene Welt war unglaublich! Ich habe die ersten 200 Seiten in einem Rutsch gelesen, denn jedes Kapitel endete so spannend, dass ich mich nicht losreißen konnte. Es wimmelte vor unvorhergesehenen und spektakulären Wendungen. Leider flaute die Spannung nach der ersten Hälfte ab und wich für mich zu "technischen" Erklärungen, komplizierten Abläufen und dem Versuch, alles aufzuklären... 

Die Protagonisten sind allesamt toll beschrieben, haben Hand und Fuß und ihre eigenen Beweggründe. 

Der Charakter des Schreiberlings Tom blühte erst richtig auf, als Mellie in sein Leben tritt. Bislang hat er in den Tag gelebt, sich keine Gedanken gemacht und wollte nur seinen Fantasy-Epos fortsetzen. Ob er damit seinem Charakter Leid antut oder nicht, störte ihn nicht. Es ist doch nur ein Charakter eines Buches, oder? Je mehr Tom erfährt, desto mehr versteht er die unglaubliche Verantwortung, die er trägt. Was aus den "falschen" Beweggründen begann, wird zu einer tiefen Verbundenheit und einem weisen Umgang mit seiner Pflicht.

Diesen lehrt ihn Mellie, die mit soviel Herz an Toms Protagonisten zu hängen scheint, dass es schon beinahe lächerlich klingt. Sie überzeugt Tom davon, die Aufgabe gewissenhaft zu meistern und lehrt ihn, auf ihre Art zu denken. Und vielleicht hat sich auch das Gefühl des Alleinseins in ihrem Inneren bald erledigt.

Der Charakter von Toms Hauptprotagonisten Laryon ist ausgereift und tiefgründig. Er hat eine Vergangenheit und eine Aufgabe, die sein Leben zu seiner vollen Zufriedenheit ausfüllt. Warum sollte er mehr wollen? Warum sollte er etwas riskieren? Im Klartext langweilig (zumindest für seinen "Schöpfer" Tom). Also muss sich in Laryons Leben einiges ändern.
Schlimmer als alles, was Laryon sich vorstellen kann, ist die Tatsache, jemand würde über ihn bestimmen. Ihm, der doch bislang die Selbstständigkeit in Person war. Wird er mit diesem Schicksal leben können?

"Hüter der Worte" wurde als "Tintenherz für Erwachsene" propagiert, dem ich aber nur bedingt zustimmen kann. Das einzige, was sie meiner Meinung nach gemein haben, ist die Tatsache, dass sich die reale Welt mit der Romanwelt mischt.

Im personalen Erzählstil wechselt die Autorin zwischen Toms und Laryons Perspektive. Zwischenepisoden aus einem dritten Handlungsstrang zeigen nach und nach auf, was "hinter" dem Ganzen steckt. Später wird die Handlung um Fynns Perspektive erweitert. Der Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen. Es ist alles sehr detailliert, aber nicht übertrieben, beschrieben.

Was mir besonders gefallen hat: Als Rezensentin beschreibe ich Charaktere, mache mir Gedanken über Handlungsstränge, undurchsichtige Handlungen der Protagonisten oder verschiedene Genres in der Welt der Bücher. Durch Tom erhält man eine neue Sicht auf all die Dinge und bekommt eine herrliche Erklärung dafür, warum so manch ein Autor denkt, seine Protagonisten hätten ein Eigenleben.

"Hüter der Worte" ist in sich abgeschlossen. Trotz der vielen Erklärungen habe ich immer noch offene Fragen und meine Enttäuschung, dass das grandiose Niveau der ersten Buchhälfte nicht gehalten wurde, klingt noch nach.

"Hüter der Worte" bot mir zu Beginn einen Lesespaß ungeahnten Ausmaßes. Leider konnte sich dieses Niveau nicht halten und die Geschichte verkomplizierte sich mehr und mehr. Dennoch verfolgte ich Laryons "Geschichte" und Toms Leidenschaft mit vollem Eifer und belohne dies mit 4 Büchern.

Eine absolute Empfehlung für alle, die ein fantasievolles Abenteuer suchen und sich auch in eine Geschichte in der Geschichte hineindenken können.



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Kommentare:

  1. Trotz der Enttäuschung klingt das Buch wirklich interessant. Ich glaube das muss ich lesen oO

    Liebe Grüße,
    Lyrica :)

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    1. Bei einem so grandiosen Anfang steigen halt auch die Erwartungen... Aber es hat definitiv Spaß gemacht, zwischen den "zwei Welten" zu pendeln!

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    2. Ja, das kann ich verstehen. Aber so vom Grundgedanken her find ich das Buch schon lesenswert. Und wenn man vorgewarnt ist, ists nur halb so schlimm :)
      Liebe Grüße,
      Lyrica

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    3. Das stimmt :-)
      Dann schraubt man die weiteren Erwartungen runter und wird (vieeleicht sogar positiv?) überrascht.

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    4. So rum ist es mir tausendmal lieber, als wenn man sich durch lauter positive Rezis auf ein Buch freut und dann gefällt es einem absolut nicht :/

      Würd mich über nen Besuch auf unsern Blog freuen, wir sind noch relativ neu und haben noch nicht viele Leser :(

      Liebe Grüße,
      Lyrica :)

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Steffi & Kay