Samstag, 6. Oktober 2012

♀ Die Prophezeiung der Seraphim (Mascha Vassena) [Rezension]



Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.

"Jahrtausendelang herrschten die Seraphim über die Menschen, von denen sie als Götter verehrt wurden, doch mit der Zeit veränderten sie sich und wurden den Menschen immer ähnlicher, bis nur noch ihre magischen Kräfte und ihre Unsterblichkeit sie von denen unterschieden, die sie einst als Götter angebetet hatten. Sie teilten die Welt der Menschen unter sich auf und wurden zu Königen, Heerführern, Gelehrten. Jahrtausende vergingen, und die Menschen vergaßen, wer die Seraphim waren; von nun an wirkten die Unsterblichen im Verborgenen. Nur wenn die Menschheit in Gefahr war, traten sie offen in Erscheinung und bewirkten das, was man als Wunder bezeichnet."
(S. 67)

An ihrem 15. Geburtstag passiert es: Julie Lagarde gerät in einen Tumult auf dem Kirchplatz und sieht sich schon tot. Doch ihr Wunsch nach Ruhe wird anders erfüllt als gedacht: Ein blaues Licht fließt aus ihr und der Mob löst sich auf. 
Kurz darauf erfährt Julie, dass sie nicht die leibliche Tochter des Uhrmachermeisters und seiner Frau ist. Sie ist ein Seraph und hat eine Bestimmung: Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder muss sie die Welt vor der Schreckensherrschaft ihres wahren Vaters schützen.
Doch dazu muss sie ihren Bruder finden... Was, wenn er nicht auf ihrer Seite steht?
Gemeinsam mit ihrem treuen Freund Fédéric, dem undurchsichtigen Nicolas und Ruben geht Julie auf diese gefährliche Reise mit vielleicht tödlichem Ausgang.

Zu allererst muss ich loswerden, dass dieser im 18. Jahrhundert spielende Roman allemal historisch angehaucht ist. Würde nicht ab und an erwähnt werden, dass das Volk die Bastille gestürmt hat oder König Louis zu sehr auf seine Berater hört, hätte ich es glatt vergessen. Daher eine große Entwarnung an alle, die "Angst" vor der Zeitangabe im Klappentext haben.

Lediglich in der Einleitung und der Veranschaulichung der äußeren Umstände der Protagonisten dominiert die Zeit vor der französischen Revolution. Die teils katastrophalen Zustände sind sehr gut beschrieben, ebenso das "bessere" Leben der Hauptprotagonistin Julie. 

Sie zog mich sofort in ihr Leben in einer der angeseheneren Familien in Paris. Julie unterhält sich in Gedanken mit ihrer Katze Songe und sieht die Farben der Menschen um sie herum, deren Aureolen, was ihr Spott der anderen Kinder einbrachte, als sie davon erzählte. Seitdem behält sie ihre Gabe für sich.
Neben Songe ist Fédéric ihr treuester Freund. Die zu Beginn sehr oberflächlichen Gefühle ihm gegenüber werden tiefer und verwirren Julie. Denn die Autorin hat in ihrem Roman auf die klassische Dreiecksgeschichte nicht verzichtet. Julie versucht während ihrer Reise unentwegt zu ergründen, ob sie sich mehr zu Fédéric oder zu Nicolas hingezogen fühlt, die beide unterschiedlicher nicht sein können.
Julie ist die treibende Kraft der Mission und zieht die anderen quasi mit sich. Sie hat das Sagen und bestimmt über die anderen. Sehr zum Missfallen ihres Bruders. Auch Neid ist Julie nicht fremd und wie hart es ist, sich zurückgesetzt zu fühlen, muss sie am eigenen Leib erfahren.

Ruben ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hatte eine schreckliche Kindheit. In seiner schlimmsten Zeit entdeckt er seine Gabe. Sie verleiht ihm Macht und Selbstvertrauen. Als dann noch die Comtesse persönlich an ihm interessiert ist, gibt es für ihn kein Halten mehr. Nur in ihrer Nähe fühlt er sich gut. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich an der Seite seines Vaters zu sein.
Mit Argwohn lässt er sich von seiner Schwester und Nicolas "retten" und zur Teilnahme an der Mission überreden. Die Zweifel und der Hass auf seine Schwester und ihre "Verehrer" wächst stetig, seine Loyalität gilt immer noch der Comtesse und seinem Vater. Wird er die richtige Entscheidung treffen?

Auch die Nebencharaktere sind tiefgründig und gut beschrieben. Mein Liebling darunter war definitiv Julies treuer Freund Fédéric, der der Geschichte mit seinen Sprüchen und seinem Humor eine wundervolle Note verleiht. Auch die Kabbeleien mit Nicolas waren sehr amüsant.
Nicolas' Charakter hat mich ein ums andere Mal überrascht. Zu Beginn war er so undurchsichtig. Als sich das Bild von ihm zu klären scheint, treten immer wieder Charakterzüge ans Licht, die die Einschätzung weiterhin erschweren.

Die Protagonisten waren allesamt tiefgründig und gut durchdacht. Die Handlungen sind größtenteils schlüssig und nachvollziehbar.

Die Idee von Frau Vassena hat mir sehr gut gefallen. Die Verknüpfung der "alten Götter" mit dem, was die Menschen als Engel bezeichnen. Auch die ansteigende Bedrohung parallel zur Zeit vor der französischen Revolution ist gut definiert. 

Der Einstieg in die Geschichte war interessant und machte Lust auf mehr. Im personalen Erzählstil wechselt die Perspektive zwischen Julie und Ruben, wodurch anfänglich viel Spannung aufgebaut wurde, die sich dann leider kaum steigern konnte. Die Bedrohung durch die Seraphim und die Cherubs war für mich die meiste Zeit einfach nicht greifbar genug und "Probleme" lösten sich meist wie von selbst. Nichtsdestotrotz flog ich über die Seiten und wurde mitgerissen. Frau Vassenas Schreibstil ist flüssig und leicht, abgesehen von ein paar Details nicht allzu "historisch" und ließ sich daher sehr angenehm lesen.

Der Showdown war neben den interessanten Protagonisten das Highlight des Buches und hat mir sehr gut gefallen. "Die Prophezeiung der Seraphim" ist in sich geschlossen, bietet aber durchaus die Möglichkeit einer interessanten Fortsetzung.

In "Die Prophezeiung der Seraphim" hat Frau Vassena "Engeln" eine neue Vergangenheit verpasst. Interessante Gaben und tiefgründige Protagonisten machen die nicht allzu dominante Spannung wieder wett. Meinen Lesegenuss belohne ich mit 4 Büchern.

Ich empfehle das Buch allen Fantasy-Fans, die Lust auf tolle Charaktere und eine mitreißende Geschichte haben. Auf das "historisch" muss ich nicht hinweisen, da es kaum spürbar ist.



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Kommentare:

  1. Also das Buch hört sich wirklich klasse an!

    Liebe Grüße Kendra

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  2. Ein Buch das mich irgendwie so gar nicht anspricht, obwohl deine Rezi schon überzeugen klingt :)

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    1. Von Engelbüchern nimmt Kay auch seeeeehr viel Abstand ;-)
      Vielleicht ist das wirklich Frauensache?!?!

      glg
      Steffi

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  3. Hm, jetzt bin ich unschlüssig... hatte es eigentlich von meiner wunschliste gestrichen. Schöne Rezi :)

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    1. Es ist definitiv kein Must-Read. Aber es macht Spaß... Es war schwer zu beschreiben, an was es überhaupt lag.

      Ich hatte etwas "historischeres" à la "Grave Mercy" erwartet, aber das war es gar nicht, es war locker, leicht und die Sprüche waren sehr lustig ;-)

      Also ganz streichen würde ich es nicht - perfekte Unterhaltung, wenn man mal "etwas Leichteres" sucht.

      Und sollte es eine Fortsetzung geben, würde ich sie sofort lesen!

      lg
      Steffi

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  4. Schöne Rezi!
    Ich habe das Buch heute im Buchhandel gesehen,habe es aber nicht so sehr beachtet.Werde sicherlich mal ein Blick darauf werfen.

    LG May

    PS:Ich bin jetzt endlich dazugekommen bei euch Leser zu werden.Eigentlich,wollte ich meine Blogsliste nicht noch größer machen,aber mir gefällt euer Blog zu gut.

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    1. DAS freut uns natürlich ganz besonders!!! :-)

      lg
      Steffi

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  5. Wirklich eine tolle Rezension! Bis jetzt hab ich eher negative Rezensionen zu diesem Buch gelesen,aber da ich es auch noch auf dem SuB habe, freu ich mich jetzt wirklich über Deine positive Meinung :) Danke dafür!

    LG
    Monika

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    1. Ich glaube, das ist so ein typisches Buch, bei dem das Lesevergnügen ganz eng an die Erwartung geknüpft ist... Ich hatte zwar erwartet, dass es ein "historischer" Roman wird, aber für die Handlung usw. war ich komplett "offen". :-)

      glg
      Steffi

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  6. Mir hat das Buch auch gefallen =) Nur Ruben ist mir ständig auf die Nerven gegangen >.<

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  7. Puh, mir hat das Buch ja gar nicht gefallen :( die Dreiecksgeschichte war SO ätzend! Und das Ende ist doof :D

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    1. hihi, ich habe in exakt diesem Moment deine gelesen :-)

      Ich glaube mittlerweile haben wir einfach zuuuuu viele nervige Dreiecksgeschichten gehabt - vor ein paar Monaten war es gefühlt noch nicht so "schlimm" :-)

      Ich fand es echt nett zu lesen und außer etwas gezogen hatte ich nichts auszusetzen - auch im Rückblick nicht.

      Schade, dass es dir anders ging :-(

      lg
      Steffi

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  8. Huhu :)

    Also ich lese es ja gerade und muss zugeben, dass ich noch nicht sehr weit bin (Seite 50) Leider finde ich es jetzt schon total langweilig und befürchte, dass ich es abbrechen werde.. Soll ich es vllt doch nochmal versuchen? Deine Meinung zum Buch ist ja eigtl. sehr gut aber ich weiß nicht so recht :/

    Ganz liebe Grüße
    Nadine <3

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    1. Ich fürchte, mich könnte es heute auch nicht mehr ganz so mitreißen... Damals fand ich alleine schon den historischen Teil beeindruckend (mittlerweile hab ich zu vieles davon gelesen) und der hat mich sehr gut durch die ruhigeren Passagen gezogen :-)

      Aber etwas spannender wird es ja schon noch - durchhalten! :-)

      lg
      Steffi

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    2. Oder du legst es nur für den Moment zur Seite und holst es später wieder raus :-)

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    3. Ich schätze ich werde letzteres tun :D

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    4. Definitiv besser als quälen :-)

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Liebe Grüße

Steffi & Kay