Freitag, 3. August 2012

♀ Nur 6 Tage (Philip Webb) [Rezension]


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"Es ist so, als ob... man irgendwohin geht und dort zusammen träumt. Diese Vorstellung ist dermaßen schön, dass es mir kurz die Sprache verschlägt. Träume miteinander teilen..."
(S.171)

Nach den Quarkkriegen sind beinahe alle Städte zerstört. Seit 100 Jahren zwingt das neurussische Imperium die Menschen, London Stück für Stück abzureißen.
Cass ist eine von rund 10.000 Räumern, die London nach dem Artefakt durchwühlen müssen, weil es ein Ende der Kriege und Gesundheit für alle verspricht. Cass' kleiner Bruder Wilbur glaubt fest daran, in Comics Hinweise auf dessen Aufenthaltsort gefunden zu haben. Als er eines Tages einem dieser Hinweise nachjagt, treffen die Geschwister auf Peyto, der so anders ist und jede Menge Geheimnisse hat: Er und Erin sind Schläfer, Besatzungsmitglieder der Aeolus, einem halb zerstörten Raumschiff, das knapp 13 Meilen über der Erde fliegt. Und vom Erfolg ihrer Mission hängt das Schicksal der Erde ab.

Am auffälligsten an diesem Buch ist die sehr saloppe und umgangssprachliche Schreibweise, die vermutlich Ausdruck von Cass' bildungslosem Leben und der Härte der Zeit sein soll. Aber ich persönlich kam absolut nicht damit zurecht. Sie hat mich zu sehr an Nachmittagstalkshows erinnert.

Auch hege ich absolut keine Sympathie mit Cass selbst, die auf mich keinesfalls heldenhaft wirkt. Durch ihre Wortwahl hatte ich das Gefühl, dass ihr niemand am Herzen liegt, auch die späteren (sehr spärlichen) Gefühle für Peyto sind unglaubwürdig. Eine solche Hauptprotagonistin würde ich nicht an der Rettung der Welt beteiligen lassen.

Cass Bruder Wilbur war mir schon sympathischer. Er jagt, kindlich wie er ist, seinen Träumen und seinen Hirngespinsten nach. Mit dem Auftauchen von Peyto fühlt er sich verstanden und er nimmt zunehmend eine wichtige Rolle in der Jagd um das Artefakt ein.

Peyto und Erin sind Schläfer. Jeder von ihnen hat einen der "magischen" Falter, den die Menschen als Artefakt suchen. Doch Peyto ist auf einer sehr persönlichen Mission...

Die Idee von "Nur 6 Tage" ist toll, der Hintergrund könnte aber etwas mehr ausgestaltet sein. Es blieben für mich zu viele offene Fragen und die Handlungen der Protagonisten waren für mich sehr oft nicht nachvollziehbar.

Cass erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Wie ich bereits angemerkt habe, soll ihre Sprache vermutlich den niederen Bildungsstand aufzeigen. Die einzige Steigerungsform, die Cass kennt, scheint "total" zu sein: alles "tut total weh", ist "total anders". Und das hat mich irgendwann total gestört.

Das Buch hätte mir trotz seiner fast ausschließlich vorhersehbaren Handlung allein wegen dieser neuen Idee mindestens durchschnittlichen Lesegenuss bereiten können. Leider musste ich mich aufgrund des Schreibstils dermaßen zum Weiterlesen zwingen, dass ich an "Nur 6 Tage" nur 2/5 Bücher vergeben kann.

Ich empfehle allen, die Interesse an der - wie ich finde sehr interessanten - Geschichte haben, einen Blick in die Leseprobe zu werfen.



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Kommentare:

  1. Ist wohl auch wieder ein Fall von gute Idee - mäßige Umsetzung - schade davon gibt es viel zu viele, derweil könnten sich die Autoren doch einfach ein bisserl länger Zeit für ein Buch nehmen und es dafür perfekt ausarbeiten.

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    1. Mich stört ein einfacher Schreibstil kein bisschen. Wortwiederholungen auch nicht. Aber dieser 'coole' Slang à la 'mein Alter' statt Vater geht vielleicht in einer Talkshow aber nicht in einem Buch :-(
      Und das war noch das geringste Beispiel... :-(

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  2. In deinem Kommentar Steffi hast du das noch einmal gut auf dem Punkt gebracht. Ich habe es ja auch gelesen, aber da ist mir das nicht soo aufgefallen, weil ab Februar ja meine Büchersucht erst so wirklich angefangen hat und dass halt so ziemlich das erste Buch war ;D Aber habe gard mir noch einmal die Leseprobe angeschaut, ist echt nicht soo dolle :/
    Sieh es positiv du hast (wie ich damals) eventuell neuen Taufstoff xD

    LG PLumi

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    1. Das Geschimpfe dachte ich, mach ich besser nicht direkt in die Rezension. Da muss sich wirklich jeder selbst ein Bild machen ;-)

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Steffi & Kay