Montag, 2. Juli 2012

♀ Das letzte Einhorn (Peter S. Beagle) [Rezension]


Bildquelle und Infos vom Verlag gibt es hier.
Kaufen könnt ihr das Buch gleich hier.


"Große Helden brauchen großes Leid und große Lasten, andernfalls bleibt die Hälfte ihrer Größe unbemerkt." 
(S. 246)
In einem Wald, in dem nie Winter wird, lebt das Einhorn, ganz allein. Es beschützt die Tiere und den Wald.
Erst als ein Schmetterling es darauf hinweist, wird dem Einhorn bewusst, dass es schon lange kein anderes seiner Art gesehen hat. Es macht sich auf die Suche nach den anderen Einhörnern, nur um zu erfahren, welch bitterem Schicksal sie gefolgt sind. 
Seine lange Reise führt durch Städte und Länder, Wiesen, Wälder und Felder und immer wird in ihm nur "eine Stute" gesehen, denn die Magie des Geschöpfs zu erkennen, haben alle Menschen verlernt.
Zumindest fast alle.

Ich denke, fast jeder kennt den Film, dessen melancholischer Soundtrack "The last Unicorn" bei mir jedesmal eine Gänsehaut auslöst. Doch während sich meine Fantasie schon immer die Fortsetzung zusammengesponnen hatte, erzählt die Geschichte "Zwei Herzen", wie es wirklich weitergeht.

Hauptprotagonist(in) ist das Einhorn. Ein altes, magisches Geschöpf, das sich keine Gedanken über Tod oder andere Wesen macht. Es behütet die Tiere in seinem Wald schon seit Jahrhunderten und stellt diese Aufgabe nie infrage. Zuweilen beobachtet es die Menschen und warnt die Tiere des Waldes vor den Jägern. Eines Tages erfährt es, dass es das letzte seiner Art sein soll. Völlig verwirrt trifft es auf den Schmetterling, der ihm auf seine verquere Art erzählt, dass alle anderen Einhörner gejagt und gefangen wurden. Zwischen Unglauben und Angst hin- und hergerissen, macht es sich auf seinen langen Weg und bricht aus der Passivität, in der es Jahrhunderte verbracht hat, aus, beweist Stärke und Mut und stellt sich seinen größten Ängsten, die aber erst in Gestalt der zauberhaften Amalthea ihren Höhepunkt erreichen.
Die weiteren Charaktere wurden bewusst um die Hauptrolle herum aufgebaut. So ergänzen sich jeder der Protagonisten mit dem Einhorn.
Schmendrick, der Zauberer, der nur Täuschungen hervorbringt, bis das Einhorn ihn zu wahrer Magie zwingt.
Molly, die der ruhende Pol in der Gemeinschaft ist und mit ihrer aufopfernden Art allen in Not zur Seite steht.
...und zuletzt natürlich Prinz Lìr, der in Amalthea all das findet, was ihm niemals eine Frau zuvor geben konnte.

Peter S. Beagle hat ein riesiges Talent, Dinge zu beschreiben. In schönster "alter" Märchenmanier erzählt er die Geschichte des Einhorns, die Gefühle, die es begleiten und von der Hoffnung, die es in sich trägt. Die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, der Leser erhält aber dennoch tiefe Einblicke in die Protagonisten.
Die Spannung steigert sich Etappenweise und lässt den Leser zum Ende gebannt über die Seiten fliegen. Die humorvolle Einlage des Schmetterlings lockert das Ganze auf und war für meinen Sohn eindeutig die beste Szene (er rezitiert ihn ständig und kringelt sich dabei vor Lachen).

Eigentlich müsste "Zwei Herzen" als ein eigenes Buch getrennt rezensiert werden. Denn wider Erwarten schließt es weder an das Ende von "Das letzte Einhorn" an, noch wird es auf diesselbe Art und Weise erzählt. Die Geschichte um den Greif, der Jahre nach der Befreiung der Einhörner ein Dorf bedroht und dem die dortigen Kinder zum Opfer fallen, wird aus der Sicht der 9-jährigen Sooz erzählt. Sie lernt die Protagonisten des ersten Teils unter anderen Voraussetzungen kennen. "Zwei Herzen" bietet dem Leser einen Ausblick und endlich auch die Antwort auf die Frage, ob sich Lìr, Schmendick, Molly und das Einhorn jemals wieder begegnen.

"Das letzte Einhorn" ist ein wunderschönes Märchen über Freundschaft, Vertrauen und mit der Quintessenz, dass man nur fest an etwas glauben muss und über sich hinaus wachsen kann.
Wir vergeben "dem letzten Einhorn" und seiner Fortsetzung "Zwei Herzen" 4/5 Bücher.

Es ist ein Must-Read für diejenigen, die über die Klassiker hinweg ein außergewöhnliches Märchen genießen wollen, das vor Spannung und schönen Details nur so strotzt.





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Kommentare:

  1. Ich liebe dieses Buch und den Soundtrack einfach :) Ihr habt es genau auf den Punkt gebracht-ein absolutes Muss :)

    LG

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  2. Schöne Rezension!
    "Das letzte Einhorn" gehört seit Jahren schon zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, ich könnte es immer und immer wieder lesen - und das, obwohl ich Einhörner als Wesen ansonsten eher ein wenig albern finde...
    Die Fortsetzung habe ich allerdings noch nie gelesen, geschweige denn ein anderes Buch von Beagle - sie stehen allerdings schon auf meinem Wunschzettel.
    Und bis es so weit ist, lese ich einfach noch ein paar Mal "Das letzte Einhorn" :D
    Liebe Grüße, muselmu

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    1. Ich liebe (und heulte dabei!) den Film, auf Shantys Rezension hin MUSSTE ich es mit meinem Colin lesen :-)

      Es war echt toll, nicht das Über-Must-Read, aber eine so tolle Geschichte und Stimmung in dem Buch - herrlich!

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  3. Ein wirklich schönes Buch, das stimmt! Wenn du ein nächstes von Peter Beagle suchtst, dann versuch es doch mal mit "Die Sonate des Einhorns", das ist seit vielen Jahren mein absolutes Lieblingsbuch und ich habe es schon unzählige Male gelesen. Auch wenn im Titel wieder ein Einhorn vorkommt, ist die Geschichte doch eine komplett andere. Aber auch "Das Zauberhaus" kann ich nur empfehlen. Oder wenn es auch mal etwas anspruchsvolleres sein darf: "He! Rebeck!" :)

    LG fireez

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